09.10.2014, 13:07 Uhr

Sonja Langthaler über die neue Badmintonsaison: "Wenn ich mich nicht verletze, wirds lustig"

Die Pressbaumerin Sonja, sowie ihr Vater und ASV Sportchef Werner Langthaler arbeiten gemeinsam an Zielen wie Olympische Spielen und einem Meistertitel. Zudem sprechen sie im Interview zum Saisonauftakt über Probleme in Pressbaum und Österreich.

Der ASV Pressbaum startet am 11. Oktober im Sacre Coeur gegen Linz in die österreichischen Bundesliga. Was sind die Ziele?
SONJA:
Der Klassenerhalt.
WERNER: Dem stimme ich zu. Letztes Jahr mussten wir richtig kämpfen. Ich hoffe, dass wir diesmal das mittlere Play-Off schaffen. Wir haben heuer jedoch eine ganz junge Truppe mit fast nur Spielern aus der Umgebung.

Welche Veränderungen im Team gibt es?
WERNER:
Die Gnedt Brüder und Elisabeth Greutter haben den Verein verlassen. Mit Peyo haben einen superstarken, neuen bulgarischen Legionär geholt. Außerdem sind mit Daniela Adamec und Markus Schaller zwei Wiener hinzu gekommen. Das ist gut, weil sie im direkten Wettkampf mit unseren Pressbaumern stehen werden. So wird es untereinander einen ununterbrochenen Kampf ums Leiberl geben.

Wie beurteilt ihr die Lage der Konkurrenz?
SONJA:
Die Bundesliga ist dieses Jahr sehr ausgeglichen. Es ist niemanden außergewöhnlich stark, so wie es im letzten Jahr etwa WBH Wien war. Somit könnte eigentlich alles passieren.
WERNER: Mein Favorit ist Mödling.
SONJA: Ja, Mödling ist kompakt, aber das sind einige Mannschaften. Ich glaube wir können ganz gut mithalten, sind aber eher Außenseiter.

Sonja, welche Ziele verfolgst du persönlich?
SONJA:
Ich will in einem Jahr in den Top200 der Einzel-Weltrangliste sein. Zudem würde ich gerne um den Titel bei den Staatsmeisterschaften mitspielen.

Wie verlief die Vorbereitung?
SONJA:
Ich habe den ganzen Sommer hart trainiert und hatte einige gute Trainingslager. Nun bin ich so gut wie noch nie vorbereitet. Wenn ich mich nicht verletze, dann wird’s lustig.
WERNER: Die Situation ist leider etwas kompliziert, weil der Österreichische Badmintonverband (ÖBV) die Sonja nicht fördern möchte, da für sie Ausbildung an erster Stelle ist.
SONJA: Das stimmt, Ich muss mir das meiste selbst organisieren. Es hat sich jedoch jetzt entwickelt, dass ich einmal pro Woche mit dem ÖVB trainiere. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Zudem haben wir drei Mal pro Woche Teamtraining und ich absolviere zwei Mal pro Woche mit dem ehemaligen Nationalspieler Heimo Götschl ein Einzeltraining. Das ist besonders intensiv.

Wie lässt sich das mit deiner Ausbildung vereinbaren?
SONJA:
Ich studiere auf der WU. Der Vorteil eines Massenstudiums ist, dass es so viele Vorlesungen gibt. Da kann ich mir das gut einteilen. Wenn ich aber zu arbeiten beginne, wird es schwer. Meine Badminton Karriere hat also einen begrenzten zeitlichen Horizont.

Ist es möglich einmal vom Badminton zu leben?
SONJA:
Ich könnte als Trainerin arbeiten, so wie es der Papa eben früher in Fitnesscentern gemacht hat. Mit Hobbyspielern kann man mehr Geld verdienen.

Und als Spielerin?
SONJA:
Nein, nein.
WERNER: Da müsstest du einen Europameistertitel oder so gewinnen. Es gibt nun eine Weltmeisterin aus Spanien. In Österreich hat nur die "Kleine Zeitung" in einer Randnotiz davon berichtet. Also selbst dann hätten wir nur wenige Chancen damit Geld zu verdienen.
SONJA: Ich glaube auch.
WERNER: Finanziell erwarten uns sowieso nichts. Aber ich würde mir wünschen, dass Trainer den Einsatz und Ehrgeiz, den viele Sportler, unter anderem auch die Sonja, haben, erkennen und mit ihnen gemeinsam an Zielen arbeiten. Das passiert leider selten.

Inwiefern?
WERNER: Es ist etwa nicht möglich für die Sonja einen permanenten Mixed Partner zu finden. Dabei ist sie da in Österreich mindestens die zweitbeste Dame. Nachdem die Lilli Greutter aufgehört hat, haben wir im Doppel dieselbe Situation. Der Fokus liegt jetzt notgedrungen im Einzel, wobei sie im Doppel so viel Potential hätte.
SONJA: Ich spiele nun mit der Nina Sorger. Sie ist erst 16 Jahre alt und fährt selbst noch auf Jugendturniere. Wir werden gemeinsam drei Auslandsturniere spielen, stehen nun aber wieder am Anfang.
WERNER: Die Nina ist so ehrgeizig, dass dieses Doppel langfristig Potential hat. Sie und ihre Eltern gehören noch zu jenen in Pressbaum, die richtig Gas geben.

Gibt es auch andere?
WERNER:
Als die Sonja anfing, habe ich mit meiner Frau Brigitte Badminton in Pressbaum von Grund auf aufgebaut. Vor zwei Jahren sind wir jedoch zurückgegangen und machen kein Kindertraining mehr. In der Gruppe gab es Eltern, die Funktionäre wurden und glaubten, klüger zu sein als ich. Mich haben sie nicht mehr arbeiten lassen.

Wie ist jetzt die Situation?
WERNER:
Wir bewegen gerne Kinder, aber Richtung Spitzensport wird sich nicht viel ergeben. Eltern und Kinder müssten dafür doch ein bisschen Entbehrungen auf sich nehmen. Die Eltern müssten sich am Wochenende um sieben Uhr aufmachen und mit ihren Kindern zu Spielen in die Halle fahren. Dazu sind sie immer weniger bereit.
Wenn mir große Talente unterkommen, die auch gerne etwas erreichen wollen, fördere ich sie immer noch sehr gerne. Doch man kann nur so stark sein wie die schwächsten Glieder der Kette. Wir haben zu viele schwache Glieder. Das gilt nicht nur für Pressbaum, sondern auch für Österreich.

Wie ist die finanzielle Lage?
WERNER:
Es geht jedem Verein sehr schlecht, immer. Wir halten uns über Wasser, indem wir Sommercamps und Firmenturniere machen.

Was gefällt euch am Badminton?
SONJA:
Ich habe viele Freunde kennen gelernt und bin viel herumgekommen, schon als ich klein war. Außerdem brauche ich Sport und gewinne einfach gerne. Vielleicht wär es Tennis geworden, wenn ich dort Freunde und Eltern gehabt hätte. Aber ich würde jetzt nicht tauschen wollen.
WERNER: Der Sport selber hätte bei mir auch ein anderer sein können. Mir ging es um das Wegbringen der Kinder von der Straße und eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Ich hatte nur einen einzigen Drogenfall in 40 Jahren Trainertätigkeit. Das zeigt, dass man Erfolg hat, wenn man Kinder ernsthaft beschäftigt und ihre Ideen aufgreift. Denn durch Verstärkung manipuliert man richtig. Wenn ich alles meiner Tochter vorgesagt hätte, wäre sie nur so gut geworden wie ich. Aber sie hat mich ja schon weit überflügelt und jetzt kann ich von ihr lernen.

Wie funktioniert eure sportliche Zusammenarbeit?
SONJA:
Sehr gut.
WERNER: Absolut. Die Sonja organisiert sich mittlerweile aber alles selbst. Ich war die letzten Jahre gar nicht so fit, dass ich ihr viel helfen konnte.

Gab es Streit?
SONJA:
Gestritten haben wir eigentlich nie. Wenn er als Coach hinter mir sitzt und ich sehr nervös werde, dann weiß er, wann er nichts mehr sagt.
WERNER: Dann bin ich der Blitzableiter. Es ist nicht so, dass wir einen Wunsch an sie hätten, den sie verwirklichen muss. Wir wollen nur, dass sie zufrieden ist. Das hat halt viel mit Badminton zu tun. Also sind wir hier mit dabei.

Wie bist du denn zum Badminton gekommen?
SONJA:
Ich habe mit acht Jahren im Verein angefangen. Aber da mein Papa Trainer war und meine Mutter selbst gespielt hat, war ich schon als kleines Baby in der Halle mit. Ich wurde zu nichts gezwungen, aber bin gerne mitgegangen.
Als ich U13 Staatsmeisterin wurde, war mir klar, dass ich unbedingt weiter machen und in den Nationalkader will.

Was zeichnet denn eine gute Badmintonspielerin aus?
SONJA:
Nervenstärke und die Übersicht auf dem Spielfeld zu behalten, denn es wird ziemlich schnell. Natürlich ist auch die Fitness wichtig.
WERNER: Außerdem muss man Freude daran haben. Sonst ist man nur verbissen. Ein gutes Badmintonspiel verläuft ehrlich und fair, doch manchmal muss man auch ein Schlitzohr sein.

Wo sind deine Stärken?
SONJA:
Es ist ein enormer Vorteil, dass ich groß und Linkshänderin bin. Gerade im Doppel ist toll, wenn man Links- und Rechtshänder mischen kann. Da wäre ich daher auch besser. Im Einzel habe ich es schwerer als die kleine Asiaten.
WERNER: Du hättest mehr Spielraum, du bist so groß und nutzt es noch nicht.
SONJA: Eh, das muss ich noch lernen.
WERNER: Wenn du Einzel spielen willst, dann wirst du das schaffen. Es macht ihr mehr Spaß, weil sie nur auf sich selbst achten muss.
SONJA: Ja.
WERNER: Sie muss niemanden mehr bitten und betteln, dass sie mit ihr Turniere spielen. Das ist nicht zumutbar.
SONJA: Für die Bundesliga spiele ich noch Doppel und Mixed. Ich trainiere seit einem halben Jahr aber nur mehr Einzel. Da hilft mir, dass ich eine gute Spielübersicht und durchaus auch mentale Stärke habe.
WERNER: Von früh an. Sie hat gesagt: das gewinne ich jetzt. Ich habe mir gedacht: „Das darf man nicht vorher sagen, das geht schief.“ Bei ihr nicht. Sie hat Spiele angekündigt und hat sie gemacht. Mittlerweile behält sie es lieber für sich.

Was sind die Schwächen?
SONJA: Ich muss noch schneller werden am Feld.
WERNER: Ich sehe das einfacher. Es sind zu viele Eigenfehler drinnen.
SONJA: Die werden schon weniger.
WERNER: Ich habe dich ja im Sommer wieder längere Zeit nicht spielen sehen. Wenn die Fehler kleiner werden, dann wird sie zumindest in Österreich ganz schwer zu schlagen sein. Aber das ist nicht der Grandmesser, sie will international Erfolg haben.

Was sind denn die langfristigen Ziele?
SONJA: Ich würde schon noch gerne eine Weltmeisterschaft oder Olympische Spiele spielen. Das ist aber schwierig, weil der Österreichische Badmintonverband nicht so mitspielt. Im Frühjahr waren wir für die Europameisterschaften im Doppel qualifiziert. Der Verband hat uns nicht fahren lassen.
WERNER: Nicht einmal auf Eigenkosten, der hätte keine Arbeit gehabt. Wir hätten alles organisiert.
SONJA: Aber wir waren nicht die Einzigen, es ist anderen auch so gegangen, etwa den Gnedt Brüdern. Ich versuche einfach über Leistung auf mich aufmerksam zu machen.

Was wollt ihr mit dem ASV Pressbaum noch erreichen?
SONJA: Ich würde in zwei bis drei Jahren schon wieder mal einen Titel anstreben. Wenn alle mitmachen, ist das möglich.
WERNER: Das glaube ich auch. Noch sind genug Talente hier. Wenn das junge Team zusammenbleibt und Lehrgeld bezahlt. Dann können wir es in ein paar Jahren schaffen. Das würde mir sehr gefallen.

ZU DEN PERSONEN:

Die 20-jährige Sonja Langthaler spielt seit ihrem achten Lebensjahr in Pressbaum Badminton. Mittlerweile ist sie die Nummer 1 der österreichischen Einzel-Rangliste und in der Weltrangliste als 397. die 7. beste Österreicherin. Zudem studiert sie an der Wirtschaftsuniversität.
Ihr Vater Werner Langthaler spielte früher selbst Badminton. Seit 1978 ist er als Trainer beim ASV Pressbaum tätig. In den 1990iger Jahren arbeitete er für den österreichische Badmintonverband, ehe er mit seiner Tochter wieder als Sportchef in Pressbaum startete. Er arbeitet als Baustellenkoordinator im Familienbetrieb seiner Frau Brigitte Langthaller Baustoffe Grasl.
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