Junges Blut für alte Wirtshäuser im Bezirk Scheibbs

Junge Wirte im Landgasthaus Stadler mit langer Tradition: Sabrina Binderlehner und Markus Stadler mit ihrem Felix (M.) in Reinsberg.
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  • Junge Wirte im Landgasthaus Stadler mit langer Tradition: Sabrina Binderlehner und Markus Stadler mit ihrem Felix (M.) in Reinsberg.
  • Foto: Peter Faschingleiter
  • hochgeladen von Roland Mayr

BEZIRK SCHEIBBS. Bei einem Spaziergang durch die Bezirkshauptstadt Scheibbs kommt man nicht drum herum zu bemerken, dass es den klassischen Wirt neben gehobener Küche und Pizzerien gar nicht mehr gibt. Denn seit dem Jahr 2010 hat in Niederösterreich mehr als jedes zehnte Gasthaus seine Pforten für immer geschlossen.

Regionales Essen mit Qualität

Auch im Bezirk Scheibbs hat ein leichtes Wirtesterben Einzug gehalten. Waren es 2015 bezirksweit noch 55 Gasthäuser, sind es mittlerweile nur mehr 49.
"Die Menge der Gäste ist nicht wesentlich gesunken", sagt Stefan Hueber vom Gasthof Hueber in St. Georgen an der Leys und führt weiter aus: "Die Gäste werden auf alle Fälle mündiger. Man kann ihnen nicht mehr wie früher einfach alles vorsetzen. Gewollt wird regionales Essen mit Qualität." Außerdem sterbe nur eine gewisse Art von Gastronomie aus: "Diese Betriebe wurden meistens von zwei Partnern geführt und kommen noch aus einer Zeit, in der man Bier nicht einmal im Einzelhandel erwerben konnte. Für die echte Wirtshauskultur mit dem Bier an der Schank haben die Leute heute kaum Zeit und kein Geld mehr. Vor allem viele ältere Gastronomen schaffen den Umschwung ins neue Zeitalter leider nicht."

Der Rückzug ins Private

Hinzu komme noch, dass sich viele in ihre Vereinshäuser zurückziehen, weil das Bier vom Supermarkt einfach billiger ist. Das macht es für viele kleine Betriebe, die ihren Umsatz nicht durch das Essen erwirtschaften, noch schwieriger: "Für die kleinen Betriebe ist die Anschaffung und Durchführung besonders schwer. Warum zum Beispiel liegen die Kosten der Registrierkasse beim Betrieb?" Beim Gasthof Hueber hat man den Sprung geschafft, aber letztendlich führen solche Faktoren dazu, dass viele Wirte keinen Nachfolger finden.

Heile Welt in Reinsberg

In Reinsberg sieht das noch anders aus. 2014 haben Markus Stadler und Sabrina Binderlehner das Landgasthaus Stadler übernommen: "Durch die gelebte Vereinskultur, die wir in Reinsberg haben, halten die Vereine bei uns immer wieder Sitzungen und Veranstaltungen ab. Außerdem haben wir auch zahlreiche Stammtische." Markus Stadler sieht die Fülle an Auflagen als Hauptproblem: "Die Vorgaben, die den Gastronomen auferlegt werden, sind ein regelrechter bürokratischer Wahnsinn!"
Lichtblick am "gastronomischen Horizont"
Einen Lichtblick am "gastronomischen Horizont" im Bezirk Scheibbs gibt's in Gaming: Dort sind die drei jungen Vollblut-Gastronomen Matthias Ehrgott aus Gaming, Almir Husejnovic aus Gresten und Fabian Reiter aus Kienberg angetreten, um frischen Wind in die "gastronomische Landschaft" des Bezirks zu bringen, weshalb sie am 9. November das Gasthaus "Zur Steinmühle" wieder eröffnen. Am Faschingsdienstag steht mit einem Hausgschnas das erste Highlight am Programm, danach gibt's Heringsschmaus und Fisch am Aschermittwoch. Außerdem wollen die drei Gastronomen einen Musikanten-Stammtische in ihrem Lokal etablieren.

Wirte-Chef: "Weniger im Vereinslokal trinken, hilft"

Hat es früher mehr Wirtshäuser gegeben oder täuscht das?
Der Eindruck täuscht nicht. Die Anzahl der „klassischen“ Wirtshäuser ist von 2010 auf 2016 um über 17 % zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum haben allerdings die Restaurants um rund 20 % zugelegt. Was wir erleben, ist also eine Verschiebung.

Warum stehen Wirte heute unter Druck?
Die letzten Jahre zeigen, ob Tankwarte, Bauern, Möbelhäuser, Vereine, Freiwillige Feuerwehren, politische Parteien etc: Alle werden zu Nebenerwerbsgastwirten, die sich mit Ausschank und Verabreichungen ein Zubrot verdienen.
Zusätzliche Treiber für den Strukturwandel in der Gastronomie waren auch die Absenkung der Promillegrenze im Jahr 1997 samt strengeren Kontrollen, die laufend verschärfte Nichtraucherregelung sowie der demografische Wandel samt dem Aussterben dörflicher Strukturen.

Was muss sich ändern, damit wir auch noch in zehn Jahren einen Dorfwirt haben?
Ich glaube, in manchen Gegenden gibt es noch zu wenig Bewusstsein, wie wichtig die Rolle eines Dorfwirtshauses für das soziale Gefüge ist. Mehr ins Wirtshaus zu gehen, anstelle sein Bier im Vereinslokal zu trinken, wäre ein erster Schritt. Wichtig ist natürlich auch, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Betriebe passen: Angekündigt wurde da zuletzt viel, jetzt muss das rasch umgesetzt werden.

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