01.10.2014, 11:38 Uhr

"Im Mühlviertel gibt es zwei Golfplätze zuviel"

Die Krise, Billigmitgliedschaften und verändertes Konsumverhalten setzen den Golfclubs zu.

BEZIRK (fog). Der Konkursantrag des Golfclubs St. Oswald (Bezirk Freistadt) regte bei den Mühlviertler Golfclubs eine Diskussion an. Für Gerhard Engleder, Präsident des Golfclubs Sterngartl in Oberneukirchen, steht fest: "Es gibt zu viele Golfplätze." Im Verhältnis zu den Mitgliederzahlen würden im Mühlviertel anstatt sechs Golfplätzen vier ausreichen, damit sich das finanziell für alle Clubs ausgeht. Die Golfplätze St. Oswald und Böhmerwald in St. Ulrich (Bezirk Rohrbach) seien laut Engleder "zum Scheitern verurteilt, weil sie zu weit weg sind von Linz". Die lange Anfahrtszeit mit dem Pkw würden sich die wenigsten antun, weil ohnehin vier bis fünf Stunden gespielt wird.
"Wir kommen mit unseren 600 Mitgliedern gerade über die Runden", sagt der Sterngartl-Präsident. Denn die Erhaltungskosten für das 64 Hektar große Grundstück steigen jährlich. Vor allem der Benzin für Mähmaschinen, der Strom für Bewässerung und die Personalkosten kommen teurer. Die Jahresspielgebühr im Sterngartl für eine Person, ohne Ermäßigung, beträgt 1250 Euro. Um wirklich Gewinne zu machen, bräuchte der Golfclub Sterngartl 700 Mitglieder.

Verändertes Konsumverhalten
Nächstes Problem: Es gibt kaum Nachwuchs – 50 Prozent der Mitglieder im Sterngartl sind im 55-plus-Alter. Jungfamilien seien seit Beginn der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 weniger gekommen. Engleder ergänzt: "Auch die Billigmitgliedschaften schaden uns, weil sie nichts zur Platzerhaltung beitragen." Mit derzeit 1040 Mitgliedschaften steht der Golfclub Donau in Feldkirchen nicht schlecht da. Während es dem Golfclub Sterngartl in den Jahren 2003 bis 2007 am besten ging, waren es in Feldkirchen die Ende 90er-Jahre mit 1300 Mitgliedern. Clubmanager Christian Keuschnig: "Uns hängt zwar noch die verkorkste Hochwasser-Saison nach, aber momentan geht es uns gut. Das verdanken wir auch unserer guten Gastronomie." Auch Keuschnig meint, dass es zu wenige Golfer beziehungsweise zu viele Plätze gibt. Zudem habe sich das Konsumverhalten verändert: "Früher gab es Leute, für die es neben dem Job nur das Golfspielen gab. Am Golfplatz war das soziale Umfeld. Heute gehen sie daneben etwa auf Rafting-Tour oder zum Paragleiten." Vom Golfen hängt teils der Tourismus ab: "Zirka zehn Gastronomie- oder Hotelleriebetriebe hängen bei uns dran. Das sind 10.000 Nächtigungen im Jahr", so Engleder vom Sterngartl-Golfplatz. Im Schlosshotel Mühldorf in der Gemeinde Feldkirchen sind auch Golfer einquartiert. "Von den Golfern alleine könnte ich nicht leben. Der Golf-Boom ist vorbei. Mit dem Überangebot ist die Qualität gesunken", sagt Hotelier Johannes Würmer. Er meint, Tennis sei der neue Trend.

Rückkehr des Tennis-Booms?
"Von einer Tennis-Renaissance ist derzeit nichts zu spüren", sagt Erich Feßl, Obmann vom Union Tennisclub Puchenau. Von den Glanzzeiten im Jahr 1998 mit 341 Mitgliedern, inklusive Schülern, sei der Verein weit entfernt. "Derzeit haben wir 120 Mitglieder." Bei anderen Vereinen, wie in Walding, Rottenegg oder Neufelden sehe es ähnlich aus.
„Die Leute kommen nicht vom Golf zum Tennis zurück“, sagt Tennis-Sektionsleiter der Union Bad Leonfelden Peter Pehers-torfer. Zehn Mitglieder seien zwar in Bad Leonfelden dazugekommen, aber die hätten vorher nicht Golf gespielt. Vor allem, so Peherstorfer: „Damen spielen heute kaum mehr Tennis, sondern gehen lieber Walken oder zum Yoga.“ Zuwächse gibt es in Bad Leonfelden als auch zum Beispiel in Schweinbach durch die hervorragende Nachwuchsarbeit. Union Schweinbach hatte Mitte der 2000er-Jahre einen Niedrigststand von 110 Mitgliedern. Heute spielen 80 Erwachsene und 60 Kinder im Tennisverein. „Wir profitieren vom guten Nachwuchstraining von Bernhard Böhm, aber auch vom Zuzug in der Gemeinde Engerwitzdorf“, sagt Union-Sprecher Franz Plank.
Bei Union Puchenau sieht es beim Nachwuchs nicht so gut aus. Zu den 110 Erwachsenen kommen nur 10 Schüler. Im Jahr 1998 spielten in Puchenau noch 87 Schüler Tennis. Der Einbruch bei den Spielenden kam im Jahr 2003. „Da hatten wir 32 Austritte bei den Schülern auf einmal“, sagt Obmann Erich Feßl von der Union Tennisclub Puchenau.
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Gernot Fohler aus Urfahr-Umgebung | 01.10.2014 | 11:41   Melden
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