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Die Welt zu Gast in Vorarlberg

Regionalzeitung Chefredakteur Christian Marold
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Kommenden Sonntag ist es endlich soweit:

die Weltgymnaestrada findet nach 2007 zum zweiten Mal in Vorarlberg statt. Vom gesamten Organisationsteam unter der Federführung von Erwin Reis ist die sportliche Welt für eine Woche zu Gast im Ländle. Dabei ist die Verniedlichung zwar typisch vorarlbergisch, aber mit stolzer Brust darf, nein müsste man sagen: die Welt ist zu Gast in Vorarlberg. Folgende Zahlen unterstreichen die Dimensionen für das sportliche Megaevent: 18.145 Mitwirkende aus den verschiedensten Regionen, dazu kommen noch rund 1.700 Mitwirkende aus Vorarlberg. 66 Nationen wirken mit, davon 15 Nationen, die noch nie bei einer Weltgymnaestrada dabei waren. In 16 Nationendörfern und 72 Schulen sind 13.629 Personen aufgeteilt und untergebracht, in 50 Hotels 3.008 Personen und weiteren Unterkunftsbereichen (Camping, Buchung über Airbnb, Pensionen et cetera) 1.508. In Vorarlberg leben mittlerweile über 400.000 Menschen! In der nächsten Woche wächst also das Dorf Vorarlberg noch einmal kurzfristig um knapp 20.000 Menschen. Zu meiner Schulzeit mussten wir uns immer die Zahl 320.000 merken. Das war vor mehr als 30 Jahren.

All diese Zahlen sollen eines veranschaulichen. Nicht nur Großevents machen unser Land größer, auch der Lebensstandard und die Lebensqualität sind Indikatoren, dass Vorarlberg ständig wächst. Es zeigt auch, dass Menschen, egal welcher Herkunft, gerne hier leben, arbeiten und wohnen.

Bei all dem Wohlstand, den wir hier in Mitten Europas genießen dürfen, sollte man einen wichtigen Punkt gerade in der nächsten Woche nicht vergessen. Wir begrüßen auch Sportler aus Ländern, die politisch vielleicht nicht einfach sind, Länder in denen die Menschen Reichtum nicht über Geld und Güter definieren. Von diesen Menschen können wir einiges lernen. Umgekehrt sollten wir allen Sportler der teilnehmenden Länder unsere unverwechselbare Gastfreundschaft vermitteln. Nicht zeigen, was wir haben, sondern zeigen, was wir geben können. So sollten wir uns als Gastgeber präsentieren.

Europa zeigte sich seit dem vergangenen Wochenende wieder einmal von einer extrem unwirklichen und unwirtlichen Seite. Es ist nicht nur Italien, es ist nicht nur ein Schiff vollbeladen mit Flüchtlingen. Es ist Europa mit den geschlossenen Grenzen. All die Deals nach der für Europa so „fürchterlichen“ Flüchtlingskrise 2015 sind jetzt noch gültig und dadurch sind Routen über das Mittelmeer immer noch reine Todesfallen für einen Bruchteil der mittlerweile über 40 Millionen Flüchtlinge weltweit! Ja, viele hier im gesegneten Vorarlberg wollen nichts mehr über Flüchtlinge und Krisen hören, schon gar nicht bei einem herrlichen Sommer wie jetzt und noch weniger so kurz vor der Urlaubszeit. Aber auch in diesem Sommer wird es wahrscheinlich wieder Bilder vom Mittelmeer geben, wo Jachten und Flüchtlingsboote auf einmal zu sehen sind. Der kitschige Sonnenuntergang würde das Titelblatt der Bild wohl vervollständigen.

Die Weltgymnaestrada ist ein Zeichen, dass es viele verbindende Elemente zwischen den verschiedensten Ländern und Kulturen gibt. Ein Element ist der Sport. Es ist ein Paradebeispiel dafür, dass weder Hautfarbe, Kultur, Sprache, Religion oder Aussehen eine Rolle spielt. Das, was zählt, sind die sportlichen Leistungen. Das, was verbindet, ist der Sport.

Zeigen wir ab Sonntag, dass wir die besten Gastgeber sind, die die Weltgymnaestrada jemals gesehen hat. Im Prinzip ist es ganz einfach. Man muss nur offen auf die Menschen zugehen. Alles andere ergibt sich fast von selbst. Auch über die Gymnaestrada hinaus.

Autor:

Christian Marold aus Feldkirch

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