80 Jahre Novemberpogrome
Die Verfolgung der Welser Juden 1938

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WELS. Heute jähren sich die Novemberpogrome des Jahres 1938 zum 80. Mal. In der Nacht von 9. auf 10. November und den darauffolgenden Tagen erschütterte eine Welle von organisierten und vom Regime gelenkten Gewaltmaßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung das gesamte „Deutsche Reich“. Die Pogrome markierten den Beginn des nationalsozialistischen Völkermordes. Zahlreiche Gedenkveranstaltungen, darunter auch zwei in Wels (Gedenkveranstaltung der Antifa und Gedenkveranstaltung der Stadt Wels), erinnern an die Zerstörungen jüdischer Geschäfte und Synagogen, an die Ermordungen und Verfolgungen und deren Opfer.

Die Ansiedelung jüdischer Mitbürger in Wels kann nicht genau datiert werden. Um die Jahrhundertwende und nach dem Ersten Weltkrieg haben jedenfalls einige wenige jüdische Familien in Wels gelebt. Es gab jedoch keine jüdischen Vereine, keine Synagogen und keinen jüdischen Friedhof in der Stadt, weshalb sich orthodoxe Juden eher an Linz oder Steyr orientierten. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 in Deutschland wurden auch in Wels Juden immer wieder Opfer von Aggression und Gewalt. 1938 waren 32 sogenannte Volljuden, deren vier Großeltern jüdischen Glauben hatten, in Wels ansäßig, von denen der Großteil in der Industrie oder im Kleingewerbe tätig war.

Nach dem „Anschluss“ 1938 nahmen auch in der Stadt Erniedrigung und Ausgrenzung von Juden zu. Jüdische Geschäfte wurden beklebt und beschmiert (siehe Bild), einem Mädchen wurde eine Spotttafel umgehängt und SA-Männer hinderten die Bevölkerung am Betreten jüdischer Geschäfte. Die Arisierung, das heißt die Enteignung des Besitzes von Juden, setzte ein und kommissarische Verwalter übernahmen anstelle der Besitzer die Läden. Aufgrund der Vorkommnisse hatten bis zum Herbst 1938 die meisten Welser Juden die Stadt, vor allem Richtung Wien, verlassen. In der Pogromnacht von 9. auf 10. November und in den darauffolgenden Tagen war es vergleichsweise ruhig, da die Verfolgten bereits vorab geflohen waren. In Oberösterreich und besonders in Linz und Steyr wurden hingegen rund 650 Juden alleine in dieser Nacht verhaftet, das entspricht 10 Prozent der jüdischen Bevölkerung.

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