05.04.2017, 20:30 Uhr

"Das Frauenhaus war mir eine große Hilfe"

Der Schritt in ein gewaltfreies Leben ist erst geschafft, wenn man sich Hilfe holt und darüber redet. (Foto: Symbolfoto: lassedesignen/Fotolia)

Ein Jahr verbrachte Miriam im Frauenhaus Wels und schaffte so den Weg aus der Gewaltspirale.

WELS. Die richtige Wahl getroffen zu haben, dachte die heute 28-Jährige, als sie in jungen Jahren den Bund fürs Leben schloss. "Ein Jahr lang hat alles gepasst", erzählt Miriam aus Wels-Land (Name und Wohnort geändert). Dann gehörten Konflikte, Eifersucht und Verbote zur Tagesordnung. "Ich durfte nicht arbeiten gehen, obwohl ich eine Lehre machen wollte und musste immer zuhause bleiben. Mein Erspartes nahm mein Mann mir weg." Auch der Kontakt zu den eigenen Freunden wurde ihr untersagt. Trotz aller Probleme versuchte sie, der Beziehung, wegen der gemeinsamen, fünfjährigen Tochter, immer wieder eine Chance zu geben. Die Konflikte erreichten allerdings einen neuen Höhepunkt: Eines Tages eskalierte ein Streit, er schlug zu. Danach stand für Miriam fest, dass sie sich von ihrem Mann scheiden lassen muss. Im Zuge der Trennung machte er ihr das Leben schwer. "Er wollte keine Alimente zahlen, versuchte, mir das Kind wegzunehmen und erzählte dafür auch Lügen", so die junge Mutter. Sie zog aus der gemeinsamen Wohnung aus und kehrte zurück ins Elternhaus. Doch auch dort häuften sich die Probleme. "Mein Vater war sehr streng und hat meine Schwester geschlagen. Er verbot uns auch, das Haus zu verlassen", berichtet sie.

Rat kam von Mutter

Bereits nach etwa zwei Monaten Aufenthalt im Elternhaus entschied sie, sich Hilfe beim Frauenhaus Wels zu holen. Den Rat bekam sie von ihrer Mutter. Gemeinsam mit der Tochter konnte sie ein Zimmer beziehen. Dort war es ihr erstmals möglich, abzuschalten sowie ein geregeltes und gewaltfreies Leben zu führen. "Das Frauenhaus war mir eine große Hilfe", so Miriam. Die Betreuerinnen unterstützten sie in vielen Angelegenheiten, zum Beispiel dabei, einen Arbeitsplatz zu finden. Mit Erfolg: Sie konnte eine Arbeit in einem Gastronomiebetrieb beginnen.
Heute lebt die 28-Jährige gemeinsam mit ihrer Tochter in einer Wohnung in Wels. Eine große Unterstützung sind ihr ihre Mutter und ihre Geschwister. Miriam wirkt zufrieden, doch die seelischen Narben der Vergangenheit werden ein Leben lang bleiben. Blickt sie heute auf die damaligen Erlebnisse zurück, ist ihr vor allem eines klar geworden: "Ich bin vorsichtiger geworden." So schnell wird die junge Mutter keine Beziehung mehr eingehen. "Eigentlich wollte ich auch damals nicht heiraten, aber es war für mich eine Möglichkeit, mich von meinem strengen Vater zu lösen." Miriam will sich künftig bei der Wahl des Partners Zeit lassen. "Ich muss mir sicher sein, dass es klappt."


Frauenhaus Wels

In Oberösterreich gibt es fünf dieser Einrichtungen, eine davon befindet sich im Zentrum von Wels. Dort finden die Frauen Schutz und für den Übergang eine Unterkunft. Die Bewohnerinnen leben selbständig, werden aber von erfahrenen Beraterinnen in jeder Angelegenheit unterstützt – ob bei der Jobsuche oder bei Behördengängen. Mehrmals pro Woche findet ein Austausch statt. Da der jetzige Standort in Wels zu klein wurde, entsteht in Wimpassing ein neues Haus, das sechs Frauen und deren Kindern, die sich in Notsituationen befinden, Schutz und Beratung bietet. 700 Quadratmeter stehen den Bewohnerinnen dann insgesamt zur Verfügung.

Kontakt:

Frauenhaus Wels
Leiterin: Sonja Duda
07242 67851
www.frauenhaus-wels.at
Die Beratungen sind kostenlos.

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