22.11.2016, 15:01 Uhr

"Jeder assoziiert Österreich mit Urlaub"

Hans-Joachim Lauterbach lebt seit 18 Jahren in Düsseldorf. In seine Heimat Wels kommt er weiterhin regelmäßig. (Foto: privat)

Hans-Joachim Lauterbach betreibt sein eigenes Unternehmen in Düsseldorf und kennt viele Unterschiede zwischen Österreichern und Deutschen.

WELS/DÜSSELDORF. Dass die Österreicher und Deutschen zwar ihre (fast) idente Sprache verbindet, die Menschen jedoch grundverschieden sind, erlebt der Welser Hans-Joachim Lauterbach seit 18 Jahren hautnah mit. "Wir Österreicher sind hemdsärmeliger, diplomatischer und kompromissbereiter, gehen aber auch nach vorne. Der Österreicher schließt einen Vertrag ab, wenn er zu 80 Prozent okay ist. Man kann ihn ja noch optimieren", sagt der 59-Jährige. "Der Deutsche ist dafür bekannt, dass er immer alles mindestens 200-prozentig sicher haben möchte. Dadurch vergeht Zeit und es kommt dadurch oft nicht zum Abschluss." Der Österreicher sei einfach lockerer und freigeistiger. Lauterbach betreibt seit fünf Jahren ein Beratungsunternehmen, um Investoren, Organisationen und Unternehmern zu helfen, ihre Produkte im Ausland zu vermarkten. "Ich war schon für das Königshaus Saudi-Arabiens und deutsche Großinvestoren unterwegs. Ich bin dafür zuständig, dass die PS auf die Straße kommen", sagt Lauterbach. "Wobei man bei bei manchen Firmen noch gar nicht weiß, ob man es mit den PS von einem arabischen Vollbluthengst zu tun hat oder mit einem Gaul, den man lieber zum Schlächter führen würde."

Die Dinge andersrum betrachten

Prägend für die Art des Vaters zweier Kinder, Moritz (26) und Felix (21), Unternehmer zu beraten, ist trotz der ganzen vorteilhaften österreichischen Eigenschaften ein Deutscher, nämlich der Maler Georg Baselitz. "Er malt alles auf dem Kopf stehend. Eines seiner Bilder hängt in meinem Büro. Ich sage den Leuten oft, dass sie die Dinge mal andersrum ansehen sollen, wenn sie meinen, es geht etwas nicht", sagt Lauterbach, der neben Deutschland aus Arbeitsgründen auch schon in England und Polen lebte. Seine Mutter wohnt noch in Wels, seine Söhne sind in Bayern als Restaurantleiter beziehungsweise Maastricht (Niederlande) als Student tätig. "Uns hält in Düsseldorf noch der Job meiner Frau, die an einer internationalen Schule unterrichtet." Eine langfristige Rückkehr nach Wels sei eine ernsthafte Option: "Den Job könnte ich auch von hier aus machen." Düsseldorf hat aber auch viel Positives zu bieten. Lauterbach nennt die vielen Möglichkeiten, Golf zu spielen, das Fahrradfahren entlang des Rheins und das breite Kulturprogramm.

Geliehene Ferraris

Generell sei Düsseldorf "einfach anders. Die Menschen legen hier sehr großen Wert auf Äußerlichkeiten und Statussymbole. Es fährt ein Ferrari nach dem anderen Runde um Runde vorbei und dabei weiß jeder, dass die nur geliehen sind." Von Österreich(ern) haben die Deutschen meist ein klares Bild: "Durch den Dialekt und weil wir so reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist, assoziiert das jeder mit Urlaub. Jeder sagt 'Wow, Österreich ist so schön' und denkt an Skifahren, Essen, Musik und Wien. Die Ösis werden oft belächelt. Dass es auch hier tolle Firmen gibt, haben viele nicht am Schirm." Lauterbach vermisst aber genau das, was das Bild des Deutschen vom 'Ösiland' ausmacht: "Was uns am meisten abgeht, sind Berge und das österreichische Essen." Der gebürtige Welser war 1996 Präsident des Round Tables und ist immer noch Mitglied von Rotary Wels Burg. "Die drücken beide Augen zu bei meiner Mitgliedschaft", lacht Lauterbach. Etwa einmal pro Monat kommt er nach Wels, seinem früheren und vielleicht wieder zukünftigen Lebensmittelpunkt.

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