Erhalt des Militärgymnasium im Regierungsprogramm: Schuldirektor skeptisch

MilAk-Kommandant Karl Pronhagl (l.) und Realgymnasium-Direktor Werner Sulzgruber.
  • MilAk-Kommandant Karl Pronhagl (l.) und Realgymnasium-Direktor Werner Sulzgruber.
  • Foto: MilAk WRN
  • hochgeladen von Peter Zezula

Ein hochinteressantes Detail findet sich aktuell im neuen Regierungsprogramm, nämlich der Punkt "Erhalt des Militärrealgymnasiums und Ausbildungskooperation mit Polizei". Diese Ankündigung bzw. Absichtserklärung kommt natürlich einerseits zu einem problematischen Zeitpunkt, weil die Auflösung des MilRG längst im Laufen ist und knapp vor ihrem Abschluss steht. Personell ist das Haus massiv ausgedünnt, finanziell ist die Schule zahlungsunfähig und räumlich sind Schule und Internat nur mehr in einzelnen Bereichen des Daun-Kasernen-Gebäudes vertreten (viele Räumlichkeiten mussten nämlich an das Institut II der MilAk übergeben werden). Denn die Ab- und Auflösungsprozesse von Jahren haben das Ihre bewirkt, wie beispielsweise Verärgerung über den fehlenden Weitblick des damaligen Bundesministers Klug und die Unwahrheiten, mit denen man gegen das MilRG argumentiert hatte. Die Betroffenen sind selbstverständlich frustriert, sie haben über Jahre unter einem besonderen Druck leiden müssen (sowohl Lehrer, Schüler, Kader als auch die Eltern). Eine grundlegende Neuorientierung (Schulwechsel, neue Berufsziele bei den Schülern/innen, Arbeitsplätze an anderen Schulstandorten bei Lehrern/innen etc.) war die notwendige Folge.

Das MilRG, wie es seit rund 50 Jahren Bestand hatte, läuft unaufhaltsam aus. Die 2014 eingeleitete "Ausphasung" ist unaufhaltsam. Alles andere ist leider irrealistisch.

Andererseits ist diese im Regierungsprogramm festgeschriebene Absichtserklärung eine große Chance für die Zukunft. Denn der Bedarf für eine solche einzigartige Bildungseinrichtung ist in jedem Falle vorhanden. Das von mir im Mai 2016 dem damaligen Verteidigungsminister vorgelegte Konzept enthielt bereits wichtige Bestandteile für eine Schule zum Thema Sicherheit, in der über den Tellerrand hinausgesehen wird. Damals wollte man dies nicht umsetzen, obgleich es die Möglichkeit gewesen wäre, parallel zum schrumpfenden MilRG, eine "Schule für Sicherheit" hochzuziehen.

Jetzt aber scheint der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein. Der richtige Zeitpunkt bedingt jedoch auch, und darauf sei ausdrücklich hingewiesen, das richtige bzw. ein vernünftiges Handeln. Es wäre fatal, jetzt überstürzt zu handeln, indem man glaubt, man müsse, das in den letzten Jahren "zerschlagene Geschirr" einfach nur schnell ein bisschen "zusammenkleben" und dem zu Ende gehenden MilRG damit Leben einhauchen. Wer von schulischen Ausbildungen und sozialen Systemen etwas versteht, weiß, dass es so nicht funktionieren kann.

Der Prozess muss meiner Ansicht nach ein völlig anderer sein: Wenn man sich nun dazu entschlossen hat, das "Militärrealgymnasium zu erhalten", dann muss man sich gleichzeitig bewusst sein, dass es eine neue dem MilRG sehr ähnliche Schule sein wird müssen, von der wir hier eigentlich reden. Wir, die Verantwortungsträger vor Ort am MilRG, wissen sehr genau, wo die Schwachstellen und Probleme liegen, die es nicht blind fortzusetzen gilt. Man hat das MilRG zerstört, nun muss eine solche für Österreich einzigartige Bildungseinrichtung mit der entsprechenden Basis nicht nur zeitgemäß, sondern auch zukunftsorientiert aufgebaut werden. Dazu muss man auch Geld in die Hand nehmen - Absichtserklärungen mit einem Null-Kosten-Spiel im Hinterkopf wären schlichtweg illusorisch.

Das MilRG nun neu aufzusetzen, bedeutet mehr als nur die Wiederbelebung eines entkräftet am Boden Liegenden, der die letzten Atemzüge holt. Aus ihm wird kein Spitzensportler mehr, er würde am Leben erhalten werden - mit all seinen Erfahrungen, seinem Trauma und seinen Frustrationen.

In jeder Hinsicht richtig wäre es nämlich, insbesondere nachhaltig, innovativ und proaktiv, in eine Planungsphase zu gehen, in der sachlich eruiert werden muss, was es alles für das 21. Jahrhundert brauchen wird: mit einem Blick nach vorne, mit dem Bewusstsein, aus den Fehlern und Systemschwächen gelernt zu haben. Dazu liegt bekanntlich ein umfassendes Konzept auf. Und das Neue muss den politisch Verantwortlichen dann auch das Investment wert sein - ohne Budget-Kompromisse, ohne schwächelnde Zwischenlösungen.

Ja, lasst uns eine neue Bildungseinrichtung auf die Beine stellen! Neu in jeder Hinsicht!

Ja, verlassen wir alte Pfade und lernen wir aus dem Vergangenen!

Schulleiter Dr. Werner Sulzgruber

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