06.01.2018, 14:29 Uhr

Neue Analyse im Labor des Landesklinikums Wiener Neustadt bietet einzigartige Chance

Laborleiterin Prim.a Dr.in Karin Köhrer, MSc, MBA im Gespräch über die neue Analyse- Methode.  (Foto: LK WRN, Fenz)

Wiener Neustadt. Neue Analyse im Labor des Landesklinikums Wiener Neustadt ermöglicht neue Erkenntnisse

Das Labor im Landesklinikum Wiener Neustadt kann bei einem speziellen Fall des Multiplen Myeloms - als erste Einrichtung in Österreich - genau feststellen, ob ein entscheidender Wirkstoff wirklich hilft oder ob der Körper gerade genauso aussehende selbstzerstörende Stoffe produziert.

Läuft der Heilungsprozess oder läuft er nicht?

„Durch einen sehr komplexen Prozess analysieren wir, ob der Heilungsprozess läuft oder nicht. Denn wir sehen, ob der Antikörper vom Medikament stammt oder vom Tumor“, so Laborleiterin Prim.a Dr.in Karin Köhrer, MSc, MBA. Etwa 300 bis 400 Menschen pro Jahr erkranken in Österreich an einem Multiplen Myelom (MM), einer bösartigen Veränderung des Knochenmarks. Das MM ist ein sogenanntes B-Zell-Lymphom. Eine Unterart ist das sogenannte Ig G Kappa-Myelom, und für seine Behandlung gilt die neue hilfreiche Laborleistung.

Zellenstärkung im Kampf gegen Krebszellen

Daratumumab ist ein Krebszellen bekämpfender Wirkstoff, der beim MM helfen kann (ein Medikament aus der Gruppe der monoklonalen Ig G Kappa-Antikörper, zugelassen seit 2016). Er bindet an ein Zuckerprotein, das Glykoprotein CD38, das auf den Krebszellen verstärkt erscheint, zerstört so die Zellen und heilt also den Krebs. Er sieht genauso aus wie der selbstzerstörende Stoff, den die Krebszellen des Ig G Kappa-Myeloms produzieren – und das ist das Problem: Tumorzellprodukt oder Medikament? Ohne eine komplexe mehrstufige Analyse ist der Unterschied nicht zu erfassen.

„Dieses Verfahren hat das Zentrallabor im Landesklinikum Wiener Neustadt gemeinsam mit seinem weltweit führenden Anbieter für klinische Proteinelektrophorese erstmals in Österreich möglich gemacht. Ab sofort läuft nun der Regelbetrieb“, ist LH Stellvertreter Dr. Stephan Pernkopf stolz. Nun startet dieser hochkomplexe Analyseprozess, ein Shiftingprozess, auch am Uniklinikum in Innsbruck.

Mit Kunstgriff zum Erfolg

Prim.a Dr.in Köhrer erklärt den Unterschied: „Um Ig G Kappa-Myelome zu detektieren, braucht es zwei Methoden: die Serum-Protein-Elektrophorese und die Immunfixations- Analyse. Mit diesen beiden Methoden gemeinsam kommt es aber zu falsch positiven Ergebnissen in der Verlaufskontrolle bei Ig G Kappa-Myelomen unter Therapie mit Daratumumab.“ Erst ein spezieller analytischer sogenannter Shiftingprozess brachte die Chance zu unterscheiden zwischen Daratumumab-Interferenzen und dem tatsächlichen Antikörper, also ob der Tumor noch da ist oder nicht. Der dafür nötige Kunstgriff ist ein Verschieben des Medikaments in der Immunfixations-Analyse in eine andere Zone, sodass der Unterschied sichtbar wird.

„Ein weiterer Problembereich bei der Behandlung der Patientinnen und Patienten mit Daratumumab ist die Bestimmung der Blutgruppe, wenn Bluttransfusionen für Patientinnen und Patienten mit dieser Form des MM erforderlich sind. Der Ig G Kappa-Antikörper des Medikaments bindet nämlich auch an das CD 38 auf den roten Blutzellen und erzeugt damit falsch positive Reaktionen. Aber auch dieses Thema haben wir – mit Hilfe eines neu etablierten Vorbehandlungsprozesses sämtlicher Testzellen - im Griff“, so Prim.a Dr.in Karin Köhrer abschließend.

Sieben Millionen Befundergebnisse pro Jahr

Das Zentrallabor im Landesklinikum Wiener Neustadt versorgt als Dienstleister für eine breite Palette von sowohl Routinelaboruntersuchungen als auch Laboruntersuchungen aus zahlreichen sehr spezialisierten Bereichen dieses Faches sämtliche bettenführenden Abteilungen im Klinikum. Es gewährleistet rund um die Uhr fachlich kompetente Unterstützung in Form von Laborbefunden als unverzichtbarer Bestandteil für die Diagnostik, die Wahl der Therapie und das Therapie-Monitoring. Es liefert insgesamt rund 7 Millionen einzelne Befundergebnisse pro Jahr.
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