08.10.2014, 13:41 Uhr

Pruckner: "Finanzierung der KMU-Struktur massiv gefährdet"

Franz Pruckner, Obmann des NÖ Landesverbandes und Christian Keuschnigg, Direktor des Instituts für Höhere Studien (IHS). (Foto: NÖ Sparkassen)

Niederösterreichische Sparkassen befürchten Einengung ihres Geschäftsmodells

Es ist in der DNA der Sparkassenidee verankert, den Menschen in der Region zu helfen. Das heißt, sie stellen seit ihrer Gründung die Menschen in ihren geschäftspolitischen Fokus, nicht nur als Sparer oder Kreditnehmer, sondern auch als Private oder Unternehmer. Die Sparkassen sind nicht nur dem einzelnen Kunden, der einzelnen Kundin, sondern auch der Gesamtgesellschaft gegenüber verpflichtet, und das nunmehr schon seit beachtlichen 195 Jahren. Der erwirtschaftete Ertrag fließt teilweise wieder an die Menschen in den Regionen zurück.

Maßnahmenpaket belastet Sparkassen

Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise wurde nun eine Reihe von Maßnahmen wie Basel III, neue Beiträge zu Abwicklungs- und Einlagensicherungsfonds im Rahmen der Bankenunion sowie spezielle Bankensteuern eingeführt, welche die Stabilität des Bankensektors massiv belasten. Verschiedene Studien belegen, dass strengere Kapitalvorschriften und andere Belastungen negativ auf die Kreditvergabe der Banken wirken. Kundenbanken werden - nachdem sie alle Kosten der Regulierungsflut abgedeckt haben - in ihrem Kerngeschäft, der Kreditvergabe an Unternehmen massiv eingeschränkt werden.
Franz Pruckner, Obmann des Landesverbandes der Niederösterreichischen Sparkassen: „ Die anstehenden Belastungen reduzieren die Fähigkeit der Sparkassen, ausreichenden Gewinn zur Kapitalbildung und Kostendeckung zu generieren. Das Geschäftsmodell der Sparkassen, nämlich die Finanzierung der örtlichen KMU-Struktur, ist nicht nur beeinträchtigt, sondern auf lange Sicht massiv gefährdet“.
Die klassische Kundenbank, die seit Jahrzehnten ein wichtiger Partner und Motor der österreichischen Erfolgsgeschichte ist, gerät immer mehr unter Druck. Diese Entwicklungen stellen somit eine reale Gefährdung des Wirtschaftsstandortes Österreich dar. Die dezentralen Kundeninstitute, wie etwa die Sparkassen, sind das Rückgrat der Realwirtschaft, sie sind in den Regionen verankert und kennen die individuellen Bedürfnisse ihrer Kunden. „Sparkassen standen immer dafür, Menschen bei der Gestaltung ihrer finanziellen Angelegenheiten zu helfen!“ stellt Franz Pruckner weiter fest.

Gemeinwohltätigkeit nachhaltig gefährdet


Die Niederösterreichischen Sparkassen nehmen ihre Gemeinwohlaufgabe sehr ernst. Im vergangenen Jahr haben sie mehr als 3,9 Millionen Euro aus den Unternehmensgewinnen in Form von Förderungen den Regionen wieder zur Verfügung gestellt.
Zum Abschluss der Vorständetagung der NÖ Sparkassen wurden am Mittwoch, 8. Oktober 2014 der Öffentlichkeit neun Projekte vorgestellt, welche im letzten Jahr mit Unterstützung der NÖ Sparkassen realisiert werden konnten. Die bedeutendsten Unterstützungen von Seiten des Landesverbandes der Niederösterreichischen Sparkassen betreffen im Sozialbereich die Kooperation mit dem Hospiz Niederösterreich, im Sport steht das Laufen mit dem WACHAUmarathon als Leadveranstaltung an vorderster Stelle.
Die oben angesprochene Reduktion der Gewinne führt aber nicht nur zu einer Verringerung der Kreditvergabe, auch die Gemeinwohlfinanzierung, eine wesentliche Verantwortung und besondere Aufgabe der Sparkassen, wird nachhaltig gefährdet. Die Lebensqualität in den Regionen wird dadurch genauso leiden wie die Förderungen vielfältiger Bürgerinitiativen in den Gemeinden die durch öffentliches Geld nicht mehr unterstützt werden.
„Wir fordern daher als ersten Schritt eine Reduktion der Belastungen durch Umwidmung der aktuellen Bankenabgabe zur Dotierung von Abwicklungs- und Einlagensicherungsfonds“ appelliert Franz Pruckner an die Politiker.
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