18.04.2016, 10:52 Uhr

Tierrettungs-Thriller im oberösterreichischen Windischgarsten

Polizei und Tierrettung Schabenreith im Einsatz um fünf Katzen
Steinbach am Ziehberg / Windischgarsten | Auf einem Parkplatz des Luftkurorts waren zwei Tage lang fünf Katzen in einem Auto eingesperrt. Das Team des Tierparadieses Schabenreith konnte die Kater gerade noch vor dem Schlimmsten retten.

Wenn die Polizei anruft, werden die meisten Menschen nervös. So auch Doris Hofner-Foltin und ihr Mann Harald Hofner – aber aus anderen Gründen als den „normalen“. Meistens bedeutet so ein Anruf nämlich, dass irgendwo Tiere in Not sind und das Team des oberösterreichischen Tierparadieses Schabenreith mit seiner Tierrettung schnellstens auf einen Einsatz fahren muss.

Der Fall war allerdings besonders absurd und selbst für die erfahrenen Tierheimleiter emotional belastend. „Ich bin total fertig“, kommentierte Doris Hofner-Foltin ihre Rettungsfahrt, die sie auf einen Parkplatz in Windischgarsten führte. „Den Zustand in dem abgestellten Auto kann man sich kaum vorstellen. Wie können Menschen nur so mit Tieren umgehen?!“

Was war geschehen? Aufmerksame Bürger hatten die Polizei des Luftkurorts verständigt, dass auf besagtem Parkplatz ein Auto stehe, in dem sich fünf Katzen befinden – ohne Katzenkörbe, ohne Futter, ohne Frischluft und ohne Wasser. Und das seit zwei Tagen, bei nicht unbeträchtlichen Temperaturen und in der prallen Sonne. Am Donnerstag, den 14. April, wollen Zeugen einen Mann gesehen haben, der das Auto mit einem Hund und einem Tiertransportkorb (über dessen Inhalt noch niemand etwas weiß) verlassen hat und seither nicht mehr aufgetaucht ist. Die Polizei stellte den Tieren Wasser ins Auto und überließ den Rest dem erfahrenen Schabenreith-Team.

Als Doris Hofner-Foltin die Fahrzeugtür vorsichtig öffnete, fiel ihr als erstes einmal der Geruch auf. „Fünf unkastrierte Kater – da kommt schon ein ordentlicher Gestank zusammen“, sagt die Retterin, die zusammen mit ihrem Mann und einigen Pflegerinnen derzeit mehr als 400 ausgesetzten, missbrauchten und dem Tode überlassenen Tieren in Steinbach am Ziehberg ein Heim bietet. „Die Katzen waren natürlich etwas wütend; das wären Sie auch, wenn man Sie zwei Tage lang in ein Auto sperrt. Aber sonst geht es ihnen den Umständen entsprechend relativ gut.“
Obwohl die Kater anfangs also ihre Krallen ausfuhren, sind sie wohlbehalten in Schabenreith gelandet, wo sie gefüttert, entwurmt und gut untergebracht wurden. Mittlerweile lassen sie sich sogar wieder gern streicheln …

Die bisher bekannt gewordenen Hintergründe dieses ganz eindeutigen Falles von Tierquälerei: Das in Windischgarsten samt Katzen zurückgelassene Auto gehört einer Norddeutschen, die der Polizei auf telefonische Anfrage berichtet hat, es handle sich um ein „Eheproblem“ – ihr Mann sei mitsamt den Tieren weggefahren und konnte bisher auch nicht ausgeforscht werden. Laut den Behörden hat sich der Lenker des Wagens mit seiner abscheulichen und unverantwortlichen Tat nicht strafbar gemacht.

Tierheimleiter Harald Hofner sieht die Sache allerdings ganz anders: „Für mich ist das eindeutig ein Fall von Tierquälerei. Es ist schon seltsam genug, dass jemand mit einem Auto von Deutschland nach Österreich fährt, in dem sich fünf Katzen – ohne Transportkörbe –, ein Hund und vielleicht noch ein weiteres Tier befinden; den Wagen dann auf einem Parkplatz unversperrt abstellt und einfach tagelang spurlos verschwindet. Selbst bei schweren Depressionen und Beziehungsproblemen hätte der Betreffende doch wenigstens die Polizei verständigen können, dass hier ein Problem vorliegt.“

Wie es weitergehen wird, weiß noch niemand. Die beruhigende Nachricht für Tierfreunde: Der Zustand der Kater ist soweit gut, allerdings sind sie alle unkastriert und ungechippt, also werden relativ kostspielige Eingriffe und Behandlungen nötig sein. Das Land Oberösterreich zahlt, sofern sich der Tierhalter nicht meldet, pro Katze pauschal 156 Euro. Meldet sich der Besitzer aber, dann muss er die angefallenen Kosten bezahlen. „Und wenn nicht, bleibt das finanzielle Risiko wieder einmal an uns hängen“, sagt Doris Hofner-Foltin, die eine solche Situation nicht zum ersten Mal erlebt.

Das Tierheim Schabenreith bestreitet Tierrettungseinsätze ehrenamtlich. Wer mit einer Spende helfen will, ist herzlichst dazu eingeladen.

Das Tierparadies Schabenreith wurde 1993 vom Ehepaar Doris Hofner-Foltin und Harald Hofner gegründet und hat bisher tausenden Tieren in Not geholfen. Spenden an das Tierparadies – das übrigens auch Träger des österreichischen Spendengütesiegels ist – sind steuerlich absetzbar.

Alle weiteren Infos und Unterstützungsmöglichkeiten finden Sie auf der Homepage: Tierparadies Schabenreith

Die Ereignisse wurden dankenswerterweise von Peter Hiess zusammengefasst.
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Sabine Miesgang aus Land Österreich | 18.04.2016 | 14:13   Melden
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