11.04.2016, 15:15 Uhr

Mit neuem Herz zurück ins alte Leben

Lily im Zoo (Foto: Klingler)

Es war kurz vor Mittag, Veronika Klingler war gerade dabei das Mittagessen vorzubereiten, als sie und Adam Leadbetter den lebensverändernden Anruf aus dem Krankenhaus erhielten. Nach Monaten des Wartens, einer Zeit voller Angst, Bangen und Hoffen, war endlich ein neues Herz für ihre 2-jährige Tochter Lily gefunden worden!

Wir erinnern uns (wir berichteten): Lily hat seit ihrer Geburt an einem schweren Herzfehler namens Hypoplastisches Linksherz-Syndrom gelitten. Nach drei Operationen am offenen Herzen, kam im Mai letzten Jahres schließlich die Hiobsbotschaft, dass Lily's Herz zu schwach für weitere notwendige Eingriffe sei. Die letzte noch verbleibende Chance auf Leben war eine Herztransplantation. Da eine Transplantation in ihrer Heimat Neuseeland aufgrund der verschwindend geringen Spenderbereitschaft des Landes aber leider nicht möglich war, mussten Veronika und Adam kurzerhand ihr komplettes Leben auf den Kopf stellen und für eine Überlebenschance ihrer Tochter nach Australien ziehen. Im Juni, 3 Tage vor Lily's zweitem Geburtstag, ist die Familie mit Kirchberger Wurzeln schließlich von Wellington nach Australien aufgebrochen.

Der Anruf kam unerwartet und bedeutete, sie mussten ins Krankenhaus – sofort! „Deine Hände fangen an zu zittern, du wirst mit jeder Sekunde aufgeregter, ein unbeschreibliches Gefühl. Wir haben uns einfach riesig gefreut, dass es endlich weitergeht“, sagt Veronika, eine gebürtige Kirchbergerin. Der Weg ins Krankenhaus, war der Weg in ein neues Leben, die Möglichkeit für einen Neustart und für ein Leben voller Hoffnung.
Es war das Warten, das die Familie am meisten zermürbt hat. Warten, während ungewiss war, wie lange Lily's Herz noch schlagen würde. 10 Monate lang stand Lily auf der Transplantationsliste.
Bereits 1 Stunde nach dem lang ersehnten Anruf lag Lily auf dem Operationstisch und nach einer mehr als 10-stündigen Operation konnten sie die Eltern um 3 Uhr nachts auf der Intensivstation besuchen. „Lily sah überraschend gut aus. Ihre Hautfarbe war das erste Mal in ihrem Leben rosa. Rosa Wangen, rosa Finger, rosa Zehen - die Reaktion des Körpers auf das neue, gesunde Herz war schon damals sofort zu erkennen. Wir waren überwältigt.“ erzählt Veronika. „Heute, Wochen nach der Transplantation, ist Lily wie ausgewechselt. Sie hat endlich die Energie die Welt um sich mit voller Begeisterung zu erkunden und ist ein glückliches und zufriedenes Kind“.
Die Familie ist überglücklich, Lily mit einem neuen Herzen und einer zweiten Chance auf ein Leben wieder zu haben. Das neue Herz gibt Lily weitere 10 bis 15 Lebensjahre. Und danach? Veronika und Adam hoffen, dass die Forschung & Entwicklung von Kunstherzen bis dahin so weit fortgeschritten ist, um diese auch am Menschen langfristig erfolgreich implantieren zu können. Vorerst sind sie aber mehr als dankbar für die wertvolle Zeit, die Lily mit ihrem neuen Herzen geschenkt wurde. Um die Privatsphäre von Spender und Empfänger zu schützen, werden sie jedoch nie erfahren, von wem dieses ultimative Geschenk stammt. „Wir sind der Spenderfamilie wirklich unendlich dankbar für diese selbstlose Entscheidung. In der dunkelsten Stunde ihres Lebens haben sich die Eltern eines eben verstorbenen, geliebten Kindes dafür entschieden, Lily das wertvollste Geschenk zu geben – ein neues Leben. Im Gegensatz zu Österreich gilt sowohl in
Australien, als auch in Neuseeland in Bezug auf Organspenden nämlich das Opt-InVerfahren. Das heißt, jeder Bürger bzw. dessen Familie muss sich aktiv dafür entscheiden, Organspender zu werden.“ informiert Veronika. „Unsere Dankbarkeit ist nicht mit Worten zu beschreiben“.
Lily zeigt bisher keine Anzeichen einer Abstoßung. Der positive Verlauf nach der OP ermöglicht es Veronika, Adam und Lily nun Ende April endlich wieder zurück nach Wellington zu gehen. Der Neuanfang in der alten Heimat wird aber mit Sicherheit kein leichter Spaziergang. Weit weg vom vertrauten Ärzteteam, ohne Zuhause und ohne Job muss die Familie ihr Leben nun von Grund auf neu beginnen. Diverse Vorsichtsmaßnahmen im häuslichen, aber auch im öffentlichen Bereich werden die Familie noch ein Leben lang begleiten. Bleibt der Gesundheitszustand von Lily aber weiterhin so stabil, ist es mit Sicherheit der Weg in ein besseres Leben das der kleinen Kämpferin zahlreiche neue Möglichkeiten eröffnet.
Ein großes Dankeschön gebührt all denjenigen, die der Familie in den letzten Monaten mit Worten und Taten so großartig bei Seite gestanden haben. „Die beispiellose Unterstützung von so vielen Leuten und die vielen positiven Gedanken haben in der für uns so schwierigen Zeit viel Kraft und Zuversicht gespendet“ bedankt sich Veronika bei allen Unterstützern aus ihrer alten Heimat.


Mehr über Lily und Ihr schweres Schicksal erfahren Sie in ihrem Internet-Blog: littleblip.wordpress.com
oder auf Lily's facebook-Seite: A new heart for Lily – ein neues Herz für Lily
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Renate Blatterer aus Favoriten | 11.04.2016 | 15:18   Melden
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Birgit Winkler aus Krems | 11.04.2016 | 15:45   Melden
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Jürgen-Ferdinand Schohr, MA/MD, Dipl.-Psychologe, Psychotherapeut, Störenfried und Clown aus Osttirol | 11.04.2016 | 16:20   Melden
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Angelika Kohlreiter aus Kitzbühel | 11.04.2016 | 16:41   Melden
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Alois Braid aus Schärding | 11.04.2016 | 17:27   Melden
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Petra Maldet aus Neunkirchen | 11.04.2016 | 18:08   Melden
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Angelika Kohlreiter aus Kitzbühel | 11.04.2016 | 18:17   Melden
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Petra Maldet aus Neunkirchen | 11.04.2016 | 21:08   Melden
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Sabine Stanglechner-Stöfan aus Osttirol | 12.04.2016 | 07:52   Melden
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Elisabeth Staudinger aus Vöcklabruck | 12.04.2016 | 13:39   Melden
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Doris Schweiger aus Amstetten | 12.04.2016 | 17:04   Melden
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Elfriede Eder aus Pinzgau | 13.04.2016 | 09:43   Melden
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Angelika Kohlreiter aus Kitzbühel | 14.04.2016 | 20:36   Melden
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Sylvia S. aus Favoriten | 16.04.2016 | 21:46   Melden
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