20.07.2016, 17:30 Uhr

"Projekt mit sehr viel Herz" bekam Spende aus Ball-Einnahmen

Vertreter der Kufsteiner Serviceclubs mit "Haus der Hoffnung"-Initiator Werner Reimoser (2.v.re).
KUFSTEIN (nos). "Wenn ich mir den letzten Ball anschaue, war das wieder ein großer Erfolg", freute sich Peter Oberhauser, Präsident des Lions Club Kufstein, für das "Charity"-Ballkommitee, "heuer konnten wir das Ergebnis mit der Rekordsumme von 25.000 Euro noch einmal toppen!"
Mit den Einnahmen aus dem jährlichen Gesellschaftsevent "Charity – der Ball" unterstützen die Kufsteiner Serviceclubs – Lions, Round Table, Soroptimist, Kiwanis und Rotary – Sozialprojekte und Institutionen in der Region. "Die ersten 10.000 Euro" aus dem Erlös von 2016 wurden kürzlich an das "Haus der Hoffnung" übergeben, die Auswahl weiterer Empfänger sei "gerade in Arbeit", so Oberhauser.

"Ein Projekt mit sehr viel Herz", lobten die Serviceclubvertreter die Initiative, die Werner Reimoser im Herbst 2015 ins Leben rief. Im "Haus der Hoffnung", eigentlich zwei Häuser in der Kufsteiner Carf-Schurff-Straße, leben derzeit 53 Menschen – Männer, Frauen und Kinder – vorwiegend aus Syrien und dem Irak.
Reimoser zeigte sich bei der Spendenübergabe "zutiefst gerührt, dass sie uns das Vertrauen geschenkt haben".

Das "Haus der Hoffnung" entstand auf Anregung von Nahost-Korrespondent Karim El-Gawhary, der im vergangenen Oktober einen Vortrag in der Festungsstadt hielt. Damals waren im Flüchtlingscamp in der Nähe des Bahnhofs von der Tiroler Soziale Dienste GmbH (TSD) auch zahlreiche Asylwerber in einem der Zelte untergebracht worden, da geeignete Quartiere in Tirol fehlten. "Menschen aus Massenquartieren in menschenwürdige Unterkünfte zu bringen", darauf konzentrierte sich Reimosers Anstrengung in Folge. Der Netzwerker mobilisierte seine Kontakte und konnte sich schließlich über eine großzügige Spende freuen: Die Unterberger Gruppe stellte Reimoser zwei Häuser, deren Abbruch seit Jahren geplant war, zur Verfügung.
"Wir haben dann gemeinsam mit den Flüchtlingen die beiden Häuser hergerichtet", erzählt der Initiator. Mit viel Engagement schafften sie es, die beiden Bauten bewohnbar zu machen und Mobiliar zu bekommen. Nun soll die nächste Phase anlaufen, so Reimoser: "Wir wollen die Belegung menschlicher gestalten. Ob uns das gelingt, liegt auch an der Kooperation mit der TSD, die sind hier eigentlich die Betreiber des Heims. Da haben wir leider keinen Einfluss auf die Belegung, aber das wollen wir durch private Unterkünfte ändern."

Verfügbarer Wohnraum für Asylwerber oder Menschen mit positivem Asylbescheid ist noch immer ein großes Problem. "Vier Monate nachdem sie einen positiven Bescheid haben, fallen sie aus der Unterbringung des Landes und in ein riesiges Loch", ärgert sich Reimoser, "in diesen Bereichen wollen wir uns besonders bemühen."
Die Initiative "Haus der Hoffnung" unterstützt nicht nur die 53 Bewohner der beiden Kufsteiner Häuser, sondern auch Asylwerber in den Unterbringungen in der Region. "Wir haben eigentlich Kontakt zu so gut wie allen Heimen und Initiativen", freut sich der Netzwerker, "diese 10.000 Euro der Serviceclubs werden für Sprachkurse, Integrationsprojekte, Schulmaterialien für die Kinder, Ausflüge, Transport- und Anwaltskosten verwendet".

Besonders im Kontakt mit Behörden und Gemeinden, wenn es um die Lösung von an sich alltäglichen Problemen geht, die für Einheimische klar geregelt sind, stößt die Initiative oft an Grenzen. Ein solches Problem kann etwa ein Todesfall sein, wie Reimoser anhand eines Beispiels erläutert: "Wir unterstützen in Waldeck eine neunköpfige Familie, der Vater war schwerst krebskrank und verstarb. Nach islamischen Begräbnisvorschriften musste er innerhalb von drei Tagen beerdigt werden, also haben wir uns erkundigt wo das möglich wäre. Normalerweise wäre da ja der Friedhof der betreffenden Gemeinde zuständig." Allerdings sind die Gräber am Ebbser Friedhof nicht entsprechend ausgerichtet, von der Gemeinde gab es eine Absage. Der Innsbrucker Ostfriedhof fühlte sich nicht zuständig. Als bereits mit den Ebbsern ein Kompromiss gefunden geworden wäre, willigten die Innsbrucker doch ein – mit einer weit erhöhten Gebühr als üblich. "Die 1.700 Euro für die Grabstätte haben wir aber rasch innerhalb der muslimischen Community in Kufstein durch Spenden zusammengebracht", erinnert sich Reimoser.

Um die Initiative weiterhin erfolgreich zu betreiben, ist das "Haus der Hoffnung" auf Unterstützen angewiesen, die sich mit Sach-, Zeit- oder Geldspenden einbringen wollen.
Mit dem Projekt "Essen verbindet", das gemeinsam mit der nahen Fachberufsschule auf die Beine gestellt wurde, werden Kontakte geknüpft und Vorurteile abgebaut. Schüler, Lehrer und Asylwerber kochen, tanzen und musizieren gemeinsam. "Das Kennenlernen funktioniert bestens, das sehe ich auch draußen in den Dörfern im Umkreis, wo wir die Einrichtungen unterstützen", so der Initiator.
Auch eine Veranstaltung hat Werner Reimoser bereits in Planung: Am 11. Dezember sollen die Wiener Philharmoniker ein Benefizkonzert in Kufstein spielen. "Da sind wir mitten in den Vorbereitungen", freut sich Reimoser.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.