Kneissl zum dritten Mal in Konkurs!

26 Mitarbeiter davon betroffen, ob es eine Betriebsfortführung gibt, entscheidet sich in vierzehn Tagen

Weil die mehrfach zugesagte Kapitalerhöhung des Mehrheitseigentümers Scheich Mohammed Al Jaber ausgeblieben ist, wurde vergangene Woche beim Landesgericht Innsbruck Konkurs über das Kufsteiner Traditionsunternehmen Kneissl eröffnet.

Von rund 15 Millionen (Bilanz 2009) Verbindlichkeiten des Kufsteiner Skifabrikanten Kneissl spricht der Kreditschutzverband von 1870. Über die Anzahl der Gläubiger wurden noch keine genauen Angaben im Konkursantrag gemacht. Hauptgrund sei - nach Angaben von Geschäftsführer Andreas Gebauer - „die vereinbarte, aber nicht erfolgte Kapitalerhöhung“ durch Mehrheitseigentümer Scheich Mohammed Al Jaber, also fehlendes Eigenkapital.

Dritter Konkurs
Für das Kufsteiner Traditionsunternehmen ist dies damit der dritte Konkurs seit 1980 und der zweite innerhalb von acht Jahren. 2003 stand Kneissl mit 18 Millionen in der Kreide, musste Konkurs beantragen und ein Tiroler Bieterkonsortium, bestehend aus Fritz Unterberger, Richard Labek, Fritz Obholzer, Anton Pletzer und Karl Handl, übernahm das Unternehmen. Nach und nach verabschiedeten sich die Investoren aber bis auf Fritz Unterberger. Er war es auch, der 2007 Andreas Gebauer in die Geschäftsführung holte und 2008 dem austro-arabischen Scheich Mohammed Bin Issa Al Jaber 60% von Kneissl verkaufte.

Kneissl als Lifestyle-Marke
Ziel war es, Kneissl zur Lifestyle-Marke mit Bekleidung zu machen. Hotelprojekte und Lodges waren in Planung, doch die Umsetzung ließ stets auf sich warten. Mitte 2010 verdichteten sich dann die Gerüchte, dass Kneissl erneut in einer Liquiditätskrise stecken soll. Gleichzeitig stieg auch der letzte „Kneisslretter“ Fritz Unterberger aus und verkaufte seine Anteile an den Kufsteiner Unternehmer und Gemeinderat Simon Hermann Huber.

Erster Exekutionsantrag
Kurz darauf bringt die Wiener Modeunternehmerin Susan Strasser einen Exekutionsantrag gegen Kneissl ein und damit eine Medienlawine ins Rollen. Beinahe täglich wird über den aktuellen Stand der Causa Kneissl berichtet. Dann geht es Schlag auf Schlag: Auch Huber droht mit Ausstieg, Al Jaber plant eine Kapitalerhöhung von rund 1,2 Millionen Euro, die von der Gesellschafterversammlung Ende November abgesegnet wird. Weil Huber selbst kein Kapital nachspritzen will, erhält Al Jaber damit auch die restlichen Anteile bis auf einen Prozent, den sich Huber behält.

Al Jaber schuldet Unterberger rund 900.000 €
Gleichzeitig wird auch bekannt, dass Fritz Unterberger einen Teil des Kaufpreises seiner Anteile noch nicht erhalten hat, und bringt ebenfalls einen Exekutionsantrag ein. Al Jaber lässt jedoch Frist um Frist verstreichen. Am 5. Jänner bringt Unterberger den Konkursantrag gegen sein ehemaliges Unternehmen ein. Nochmals vergeht ein Monat, in dem Al Jaber erneut Frist um Frist verstreichen lässt.

Al Jaber wird verurteilt
Gleichzeitg wird der austro-arabische Scheich als Aufsichtsratsvorsitzender des Lebensmittelkonzerns Ajwa Food von einem ägyptischen Gericht in erster Instanz wegen Dokumentenfälschung und Aktienkursmanipulation zu zwei Jahren Haft verurteilt. Vergangene Woche wird dann Geschäftsführer Andreas Gebauer vom Konkursrichter befragt und Al Jaber erhält nochmals eine Frist bis zum Abend des 7. Februar. Auch diese Frist verstreicht und damit wird am 8. Februar zum dritten Mal Konkurs über Kneissl eröffnet.

Rund 26 Mitarbeiter betroffen
Betroffen sind davon laut Kreditschutzverband rund 26 Mitarbeiter am Standort in Kufstein. Ob eine Betriebsfortführung möglich ist, wird sich in den kommenden vierzehn Tagen zeigen.
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