13.09.2016, 18:00 Uhr

Politologin sieht den Vorteil bei die Blauen

Stainer-Hämmerle rechnet mit starker Polarisierung im Kampf um die Hofburg (Foto: FH Kärnten)

Die Kärntner Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle glaubt an Vorteil für die FPÖ durch Verschiebung der Wahl – in Kärnten ganz besonders.

KÄRNTEN. Die Wahl zum Bundespräsidenten findet – nachdem Briefwahlkuverts fehlerhaft waren – doch erst im Advent statt. Die Kärntner FH-Professorin Kathrin Stainer-Hämmerle ortet in der Verschiebung einen Vorteil für den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer. "Das Misstrauen gegen Institutionen steigt dadurch", so die Politologin. Gerade Unzufriedene sind das Klientel der FPÖ und ihres Kandidaten. "Vertreter der Partei schüren dieses Misstrauen noch zusätzlich."

Vorteil für die FPÖ in Kärnten

Gerade in Kärnten könnte sich – so glaubt Stainer-Hämmerle – der Vorteil für die Freiheitlichen noch stärker auswirken, denn: Mit Gernot Darmann ist ein neuer blauer Landesrat im Amt. "Er wird eine härtere Oppositionspolitik machen und schärfere Töne anschlagen", ist sie überzeugt. Startet der neue Kärntner FP-Obmann mit dieser Linie im Herbst, kann sie sich bereits bei der Bundespräsidenten-Wahl auswirken. "Darmann muss ein Interesse haben aufzutreten, damit ist neben Hofer eine zweite Person in der Öffentlichkeit." Jedenfalls: "Mit Darmann wird es für die FPÖ aufwärts gehen", ist Stainer-Hämmerle überzeugt.
Hofers Kontrahent Alexander van der Bellen wird sich – so die Expertin – in Kärnten schwerer tun. "Er hat in Kärnten niemanden", analysiert Stainer-Hämmerle, nachdem er zu den Grünen gerne etwas Abstand hält. "Und allein kann er schwer auftreten."

Grün fehlen die Städte in Kärnten

Insgesamt fehlen für den Grünen-Kandidaten die städtischen Gebiete in Kärnten. "Auf Volksfesten wird für van der Bellen ohnehin nicht viel zu gewinnen sein."
Auf der Seite der Freiheitlichen ortet Stainer-Hämmerle aber ebenfalls Risiken durch den um zwei Monate verlängerten Wahlkampf. "Es könnte jemand aus der Partei mit einer fremdenfeindlichen Aussage auffallen", sagt sie. An den Kandidaten selbst denkt sie dabei aber nicht. "Hofer wird die gemäßigte Linie durchhalten", ist sie sich sicher. Für Personen in der zweiten oder dritten Reihe müsse das nicht gelten.
Mit großem Einfluss auf die Wahlbeteiligung rechnet Stainer-Hämmerle durch die Verschiebung des Wahltermins nicht. "Wir haben beim ersten Durchgang eine hohe Wahlbeteiligung gehabt", erinnert sie. So gaben fast 70 Prozent der Wahlbeteiligten beim ersten Durchgang ihre Stimme ab. Mit einer noch höheren Beteiligung zu rechnen sei eine unrealistische Erwartung. Einige dürften auch das Interesse an der Stimmabgabe verlieren. Allerdings: "Durch die absurden Vorkommnisse könnten viele Interesse an der Wahl bekommen, die sich bisher nicht beteiligt haben", so Stainer-Hämmerle.
Die tatsächliche Wahlbeteiligung hängt vom Grad der Emotionalisierung ab. Die Politologin rechnet erneut mit einer starken Polarisierung der beiden Lager.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.