17.08.2016, 16:00 Uhr

Wiener Wachstumsschub: Viele Flüchtlinge, positive Geburtenbilanz

Wien von oben (Foto: CC0 (Public Domain))

Im vergangenen Jahr ist Wien um rund 42.889 Menschen gewachsen. Aber nicht alle Bezirke wachsen gleich schnell. Und in manchen wird die Bevölkerungszahl bis 2034 sogar sinken.

WIEN. Die Stadt Wien erlebt, bezogen auf die Einwohnerzahl, einen massiven Aufschwung. War es 2008 noch ein Wachstum von rund 9.000 Menschen, wuchs die Stadt 2012 bereits um 24.162 Menschen innerhalb eines Jahres. Die neue Höchstzahl lieferte schließlich 2015: Das hatte, neben der natürlichen Migration, vor allem auch mit der Ankunft zahlreicher Flüchtlinge in Wien zu tun. Auch die Geburtenbilanz im vergangenen Jahr war wieder positiv.

Bei der Volkszählung 1981 erreichte Wien übrigens den Tiefststand des 20. Jahrhundert. Damals lebten rund 1,53 Millionen Menschen in der Stadt. In den letzten 35 Jahren wuchs Wien somit um rund 309.000 Personen, also rund 8.800 Einwohner pro Jahr. Das rapide Wachstum setzte aber erst in den vergangenen Jahren ein: Allein seit 2008 kamen rund 169.000 neue Einwohner dazu, was rund 21.000 Menschen pro Jahr ausmacht.

Die wenig und die heiß begehrten Bezirke

Von 1.1. 2015 bis zum 1.1. 2016 sind alle 23 Bezirke in Wien gewachsen, aber nicht alle gleich stark: Die Einwohnerzahl in der Brigittenau stieg nur um 0,33 %, jene in der Inneren Stadt um 0,44 %. Dafür wuchsen Hietzing und Wieden um rund 3,3 %, die Donaustadt um 4,2 % und der Alsergrund gar um 5,4 %. Die gesamte Stadt ist im vergangenen Jahr um 2,38 % gewachsen.

Noch interessanter wird die Sache, wenn man sich die Entwicklung seit 1.1. 2008 ansieht: 10 % hat Wien in dieser relativ kurzen Zeitspanne von acht Jahren zugelegt. Hier gibt es auch eine Verliererin: Die Innere Stadt ist als einziger Bezirk geschrumpft, um 565 Einwohner bzw. 3,3 %. Rudolfsheim-Fünfhaus wuchs hingegen um 11,4 %, Floridsdorf um 12,5 %, Simmering um 13,4 % und die Donaustadt gar um 19,4 % innerhalb der letzten acht Jahre.

Geburtenbilanz: Über Anfang und Ende in Wien

Geht es nach der Geburtenbilanz, also der Differenz von Geburten und Todesfällen in den 23 Wiener Gemeindebezirken, so tragen diese mit 3.405 Personen positiv zur Statistik bei - den 19.931 Geburten im Jahr 2015 stehen 16.526 Todesfälle gegenüber.

Schaut man sich die Statistik genauer an, so bemerkt man eines: Hält sich die Geburtenbilanz bei Menschen ohne Migrationshintergrund fast die Waage (13.585 Geburten zu 13.040 Todesfälle), so ist die Bilanz bei Menschen mit Migrationshintergrund deutlich größer. 6.346 Geburten stehen hier 3.486 Todesfälle gegenüber.

Auch hier gibt es große Unterschiede zwischen den Bezirken: So sterben in Liesing, Hietzing und Döbling deutlich mehr Menschen als geboren werden, Rudolfsheim-Fünfhaus, Ottakring und Favoriten weisen hingegen eine hohe Geburtenbilanz auf.

Wachstumsfaktor Zuwanderung

Dass Wien 2015 derart gewachsen ist, liegt zum allergrößten Teil an der Migration nach Wien: 39.380 mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft ließen sich 2015 in der Stadt nieder. Davon rund 21.300 aus Europa bzw. rund 15.200 aus der Europäischen Union.

Der hohe Anstieg hat aber natürlich etwas mit den Flüchtlingen zu tun. Mit 5.870 Personen stellen Syrer die größte Zuwanderungsgruppe 2015 dar. 3.834 Personen kamen aus Afghanistan. Die vier weiteren größten Migrationsgruppen kommen mit jeweils rund 2.400 Personen aus Deutschland, Ungarn, Rumänien und Serbien und Montenegro.

Sieht man sich für die einzelnen Bezirke das Wanderungssaldo (in das und aus dem Ausland) an, so gibt es hohe Werte im Alsergrund (4.631 mehr Zuzüge als Wegzüge), in Favoriten (3.828) und Landstraße (2.698). Das geringste Auslands-Wanderungssaldo haben die Innere Stadt (264), Neubau (699), Mariahilf (706) und Liesing (790).

Die sogenannte österreichische Binnenwanderung, also die Wanderung der Menschen aus den anderen Bundesländern in die Bundeshauptstadt zeigt seit 2002 ein negatives Wanderungssaldo auf. Das heißt, dass z.B. 2015 um 1.438 Menschen mehr Wien in Richtung Restösterreich verlassen haben als umgekehrt nach Wien gekommen sind.

Einen starken Anstieg gab es, ebenfalls bedingt durch die Ankunft der Flüchtlinge, bei den Staatenlosen: 408 Personen sind keinem Staat zugehörig, von 93 Menschen ist die Herkunft bislang unbekannt bzw. ungeklärt.

Dicht gedrängt: Die Bevölkerungsdichte im Vergleich

Die Bevölkerungsdichte gibt an, wie viele Menschen auf einer Fläche von einem Quadratkilometer leben. Die Bevölkerungsdichte Österreichs liegt bei 103,7 Einwohner/km² - in Wien jedoch kommen 1,84 Millionen Menschen auf nur 414,6 km², das ergibt eine Dichte von 4438,6 Einwohner/km². Lässt man Wien bei der Berechnung weg, kommt man in Restösterreich schließlich nur mehr auf eine Bevölkerungsdichte von 82,2 Einwohner/km².

Der bei weitem größte Bezirk, die Donaustadt, ist auch jener mit der geringsten Dichte: Hier kommen 1.762,2 Menschen auf einen Quadratkilometer. Eng hingegen könnte es in Neubau (rund 19.900 Einwohner/km²), Rudolfsheim-Fünfhaus (rund 20.000), Mariahilf (21.700) und Margareten (27.300) werden. Zum Vergleich: Monaco kommt mit einer Fläche von rund 2,02 Kilometer auf rund 30.500 Einwohner und somit auf eine Bevölkerungsdichte von 15.267,5 Einwohner/km².

Ein Blick in die Glaskugel

Mit den Zahlen von 2014 hat die Stadt Wien bzw. die Magistratsabteilung 23 (Wirtschaft, Arbeit und Statistik) eine Bevölkerungsprojektion gewagt. Vergleicht man dabei die angenommenen Zahlen für das Jahr 2034 mit den tatsächlichen Zahlen von 2016, so wird zuallererst eines klar: Wien wächst rapide weiter. Vor allem die Brigittenau (rund 24 % Wachstum) und die Donaustadt (rund 25,3 %) tragen dazu bei. Penzing (-0,95 %) und Rudolfsheim-Fünfhaus (+0,45 %) stagnieren auf dem Niveau von 2016, wohingegen Döbling (-2,53 %), Hietzing (-6,11 %) und die Innere Stadt (-10,9 %) schrumpfen werden.

Hierbei muss man beachten, dass es sich hier nicht um eine Bevölkerungsprognose im eigentlichen Sinne, sondern um eine Bevölkerungsprojektion handelt. Für eine derart große Periode von achtzehn Jahren kann man für regionale Einheiten wie die 23 Wiener Gemeindebezirke keine Prognosen mehr abgeben, sondern nur noch Trends widerspiegeln, erklärt die MA 23.

Wien - Die Zwei-Millionen-Stadt?

In acht Jahren soll Wien übrigens eine Schwelle überschreiten: Laut der von der Statistik Austria vorausberechneten Bevölkerungsstruktur wird die Bundeshauptstadt 2024 zum ersten Mal in diesem Jahrtausend über 2 Millionen Einwohner haben. So viele Einwohner hatte Wien zuletzt 1910. Bis 2075 sollen es schließlich sogar 2,273 Millionen Wienerinnen und Wiener werden.
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Gaby Lorre-Barton aus Penzing | 22.08.2016 | 11:18   Melden
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Dominik Leitner aus Penzing | 22.08.2016 | 11:46   Melden
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Gaby Lorre-Barton aus Penzing | 22.08.2016 | 15:05   Melden
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Dominik Leitner aus Penzing | 22.08.2016 | 18:05   Melden
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Gaby Lorre-Barton aus Penzing | 23.08.2016 | 15:36   Melden
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Dominik Leitner aus Penzing | 23.08.2016 | 16:57   Melden
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