22.09.2016, 00:00 Uhr

„Man muss sich den Veränderungen in der Landwirtschaft stellen“

Bio-Landwirt Albert Stöbich (re) holt sich gerne Ratschläge bei seinem Vater Josef, einem Pionier der biologischen Landwirtschaft in der Region.

Albert Stöbich hat 2005 den „Grillnbergerhof“ in Auberg von seinen Eltern übernommen.



AUBERG (hed). Herr Stöbich, Sie sind ein Pionier des biologischen Landbaus in der Region. Was hat Sie 1977 (!) zu diesem Schritt motiviert?
Josef: Es war eine dreitägige Exkursion in die Schweiz und durch Deutschland, mit dem Ziel Bio-Betriebe kennenzulernen. Eigentlich bin ich nur für jemanden "eingesprungen". Ich habe dabei den Pionier für organisch-biologische Landwirtschaft Dr. Müller kennengelernt und war begeistert.

Was hat Sie so begeistert?
Die Idee, die Fruchtbarkeit des Bodens selbst in die Hand zu nehmen. Ich machte einen Einschulungskurs und begann biologisch zu wirtschaften.

Gab es Schwierigkeiten?
Naja, als ein bisserl verrückt ist man von den anderen schon angeschaut worden. Rückschläge hat es auch gegeben, zum Beispiel mit der Unkrautbekämpfung. Die biologische Methode war arbeitsintensiver. Meine Devise lautete: Nicht gleich aufgeben.

Albert, war es für Sie schon immer klar, den biologischen Betrieb weiterzuführen?
Ja, ich bin da richtig hineingewachsen. Ich habe vier Jahre die Landwirtschaftschule Schlägl besucht, um mit Landwirtschafts- und Forstmeister abzuschließen. 2005 habe ich den Betrieb übernommen.
Was hat sich seit der Übernahme verändert?
Albert: Die Bewirtschaftung wurde aufgrund des Maschineneinsatzes rationeller. Die Intensität der Bewirtschaftung nahm zu und der Viehbestand wurde vergrößert. Eine Überlebensfrage. Heute wird bis zu viermal gemäht, um weniger Futter zukaufen zu müssen.
Josef: Früher hat alles viel länger gedauert und es war mehr körperliche Arbeit notwendig. Eine Errungenschaft ist der gemeinsame Einsatz von Erntemaschinen durch den Maschinenring.

Ist man heute in der Landwirtschaft weniger vom Wetter abhängig als früher?
Josef: Früher war der Wetterbericht nicht so genau und aufgrund der längeren Erntezeit hat man längere Schönwetterzeit gebraucht.
Albert: Heute kann man genauer planen. Aber wenn Erntezeit ist, ist man trotzdem abhängig.

Was hat sich zu Ihrem Bedauern geändert?
Josef: Früher hat man für Nachbarschaftskontakte und fürs Zusammensitzen mehr Zeit gehabt.
Albert: Heute trifft man sich bei Besprechungen und bei Versammlungen.

Haben Sie je bereut, Bauer zu sein?
Josef: Nein, man kann sich die Arbeit selbst einteilen. Mich stört, dass so viel gejammert wird. Ich würde wieder Bauer werden.
Albert: Es ist ein schöner Beruf mit vielen Herausforderungen. Wenn es keine Veränderung gäbe, wäre die Landwirtschaft tot. Man muss sich den Veränderungen in der Landwirtschaft stellen (Josef nickt).

Zur Sache

Der „Grillnbergerhof“ wurde erstmals im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt und zählt somit zu den ältesten Höfen in der Region. Bis 1651 zurück sind die Namen der Besitzer bekannt. Der Vollerwerb mit Schwerpunkt Rinderzucht und Milchwirtschaft umfasst 36 Hektar Eigengrund, davon zehn Hektar Wald (mit Pachtgrund aktuell 52 Hektar). Er wird seit 1977 als Biobetrieb in organisch-biologischer Wirtschaftsweise geführt.
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