09.05.2016, 12:08 Uhr

"Tag des Kampfes" – Straßenschlacht am Brenner

(Foto: SKN)
BRENNER (cia). Zu einer Straßenschlacht wurde die Demonstration am 7. Mai gegen das geplante Grenzmanagement am Brenner. Hunderte Polizisten auf beiden Seiten der Grenze standen nach offiziellen Schätzungen ca. 600 Aktivisten – der größere Teil davon gewaltbereite Mitglieder des sogenannten "Schwarzen Blocks" – gegenüber. Der Demonstrationszug erreichte im Gegensatz zu den vergangenen Kundgebungen nicht die österreichische Seite der Grenzgemeinde, wo seitens der Bezirkshauptmannschaft ein umfangreiches Platzverbot verhängt wurde.

Schnell gewalttätig

Obwohl die nicht angemeldete Kundgebung mit beträchtlicher Verspätung um ca. 15.20 Uhr startete, kam es bereits kurz nach Beginn zu den ersten Zusammenstößen. Mitglieder der Vermummten und mit Knüppeln bewaffneten militanten Aktivisten attackierten Journalisten. Schnell eskalierte die Situation, Demonstranten schleuderten Steine, bengalische Feuer und Knallkörper bis hin zu selbst angefertigten Rohrbomben auf die italienischen Polizeikräfte, die wiederum Gummiknüppel und Tränengas einsetzen.

Als sich die Auseinandersetzungen über den Bahnhof auf die Gleise verlagerten, musste auch der Zugverkehr vorübergehend stillgelegt werden. Fahrgäste wurden aufgefordert, die Waggons aufgrund der Ausschreitungen und des Tränengases nicht zu verlassen. Als Teilnehmer der Kundgebung auf die A22 durchbrachen, musste auch die Autobahn vorübergehend gesperrt werden.

Wasserwerfer, Tränengas, Barrikaden

Später verlagerte sich der Hauptschwerpunkt auf die Bundesstraße Richtung Süden. Ein Wasserwerfer der italienischen Einsatzkräfte kam zum Einsatz, viele der Demonstranten zogen sich auf eine Wiese zurück, wo sie eine Barrikade errichteten. Am Straßenrand brannten mehrere kleine Feuer – vor allem dürfte es sich um Ausrüstungsgegenstände und Kleidung des "Schwarzen Blocks" gehandelt haben. Gegen 17.30 Uhr zogen sich die Demonstranten Richtung Norden zurück, viele hatten sich schon zuvor vor den Polizeikräften in den Berghang geflüchtet.

Etwa 15 bis 20 Personen wurden festgenommen, darunter einzelne Österreicher. 23 italienische Polizisten wurden laut Südtirol online verletzt, zwei davon schwer. Es kam zu schweren Sachbeschädigungen in der Gemeinde. Das Brenner Outlet musste geschlossen werden, als Tränengas in das Einkaufszentrum eindrang. Viele Ausrüstungsgegenstände wie Knüppel, Helme, Gasmasken, Feuerlöscher usw. wurden beschlagnahmt. Am Sonntag kam es zu einer Demonstration von Anarchisten in Bozen, die vor dem Gefängnis die Freilassung von sechs ihrer am Vortag inhaftierten Kollegen forderten.

Kritik an Vorfällen

Der Bürgermeister der Gemeinde, Franz Kompatscher, verurteilte die gewalttätigen Anarchisten scharf. Steinewerfen habe nichts mit freier Meinungsäußerung zu tun. Auch seitens der beiden Landesregierungen kam laute Kritik an den Gewalttaten. " Chaoten, die unter Vorwand des Protests gegen noch gar nicht verhandene Barrieren alles kurz und klein schlagen, haben bei uns nichts verloren", äußerst sich LH Arno Kompatscher. In dieselbe Kerbe schlägt LH Günther Platter: "Sie haben den Brenner in Beschlag genommen, Menschen verletzt, die Bevölkerung verängstigt und letztendlich ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Solche Aktionen haben mit dem Grundrecht der Versammlungsfreiheit überhaupt nichts gemeinsam und nutzen niemandem.“ Die FPÖ forderte in einer Aussendung einen "Appell der SPÖ und der Grünen, dass sich ihre Anhänger nicht an Gewaltakten beteiligen und sich die rot und grünen Parteiführer von jeglicher Gewalt klar distanzieren."

Der "Schwarze Block":
Beim sogenannten "Schwarzen Block" (oder auch "Black Boc"/"Black Bock") handelt es sich um eine Demonstrationstaktik, die vor allem von linksextremen Gruppen eingesetzt wird. Er hat keine eigenständige Organisation. Eine einheitliche Kleidung (schwarz, vermummt) sorgt dafür, dass es schwieriger ist, Straftaten einzelnen Demonstranten zuzuordnen. Darüber hinaus erzeugt dies ein verstärktes Gefühl der Zusammengehörigkeit. Gruppierungen, die diese Taktik anwenden, zeichnen sich oft durch besondere Militanz und Gewaltbereitschaft aus. Vielfach verwenden sie Schutzkleidung und Schlag- und Wurfwaffen.
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