Merschl
Wiener Traditionsbetrieb macht CO₂ zum Wachstumsbooster für Paradeiser
- V.l.n.r.: Norbert Walter (Präsident der Landwirtschaftskammer Wien), Jürgen Czernohorszky (SPÖ-Klimastadtrat) und Martin Merschl (Betriebsführer Merschl Gartenbau Gmbh) stellen die Carbon-Capture-Anlage vor.
- Foto: Andreas Pölzl/MeinBezirk
- hochgeladen von Sophie Ruzicka
Im Gemüsebaubetrieb Merschl in der Donaustadt kommt eine besondere Technologie zum Einsatz: Eine Carbon-Capture-Anlage fängt Kohlendioxid aus der Biomasseheizung auf und führt es direkt den Paradeiserpflanzen wieder zu. Damit zählt der Betrieb zu den Vorreitern der Kreislaufwirtschaft in Europa.
WIEN/DONAUSTADT. In Europa gibt es derzeit drei Carbon-Capture-Anlagen dieser Art – eine davon befindet sich in Wien. Sie steht beim Gemüsebaubetrieb Merschl in Essling und ermöglicht es, abgeschiedenes Kohlendioxid wiederzuverwenden. Das CO₂ wird direkt in die Gewächshäuser geleitet und dort von den Pflanzen aufgenommen, wodurch ihr Wachstum gefördert wird.
Wer die rund 70.000 Quadratmeter großen Gewächshäuser des Familienbetriebs betritt, wird vom Duft frischer Paradeiser empfangen. Seit 128 Jahren besteht der Betrieb, der heute jährlich rund 3.000 Tonnen Paradeiser produziert. Vermarktet werden diese unter der Marke „LGV-Sonnengemüse“. Mit dem Einsatz der Carbon-Capture-Technologie gilt Merschl nun als Vorzeigebetrieb für Kreislaufwirtschaft.
CO₂ wird wiederverwendet
Seit 2025 heizt der Betrieb mit Holzhackschnitzeln. Die dabei entstehenden Abgase werden in einer Carbon-Capture-Anlage aufbereitet, wodurch Kohlendioxid abgeschieden werden kann. Dieses CO₂ gelangt anschließend über ein eigenes Leitungssystem zurück in die Gewächshäuser und wird dort von den Pflanzen aufgenommen.
Das Projekt ist Teil der Initiative „Zirkuläres Wien“, mit der die Stadt Kreislaufwirtschaft und regionale Versorgung stärken möchte. „Mit einer modernen Biomasse-Heizanlage plus einer Carbon Capture Anlage, der ersten im industriellen Maßstab in Österreich überhaupt, haben wir ganz im Sinne der zirkulären Stadt die Kreisläufe wieder geschlossen“, sagt Martin Merschl, Betriebsführer der Merschl Gartenbau GmbH.
Auch Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) sieht darin einen wichtigen Schritt: „Unsere Kooperation mit der Stadtlandwirtschaft ist imstande, gewohnte Lebens- und Wirtschaftsweisen zu verändern, wie das Beispiel Merschl zeigt.“
Landwirtschaft setzt auf Kreislaufwirtschaft
Unterstützung erhalten Betriebe unter anderem von der Landwirtschaftskammer Wien. Diese bietet mit dem Ressourcen-Check „Kreislaufwirtschaft“ ein Selbstevaluierungstool an, das Betriebe bei der nachhaltigen Nutzung von Ressourcen begleiten soll.
- Die Carbon-Capture-Anlage ist eine von drei europaweit.
- Foto: Andreas Pölzl/MeinBezirk
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„In Bezug auf Klima, Hitze und Dürre ist die Frage 'Wie geht es weiter?', denn es ist eine Frage der Resilienz. Die Klimakrise fordert neue Technik und Produkte, egal ob es um Digitalisierung oder Humus-Aufbau geht“, sagt Landwirtschaftskammer-Präsident Norbert Walter.
Nach Angaben der Landwirtschaftskammer setzen in Wien bereits 47 Prozent der Gartenbaubetriebe auf Fernwärme. Weitere zehn Prozent heizen mit biogenen Brennstoffen wie Pellets oder Holzhackschnitzeln. „Die Bedeutung einer nachhaltigen Energienutzung und Energieeffizienz im Gartenbau steigt stetig, um Umweltauswirkungen zu minimieren und Ressourcen zu schonen. Der Trend zeigt hier deutlich in Richtung der erneuerbaren Energieformen“, so Walter.
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