Inklusive Ausbildung
In der Seestadt wird die Lehre auf eigene Bedürfnisse zugeschnitten
- Lukas macht die Lehre zum Tischler bei Wien Work. Hier ist seine Ausbildung auf ihn und seine Bedürfnisse wie mit einer Säge zugeschnitten.
- Foto: Michael Marbacher/MeinBezirk
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Am Werksgelände von Wien Work in der Ella-Lingens-Straße 2 bietet man Menschen mit Behinderung einen Weg zu ihrer zugeschnittenen Lehre. Die Ausbildung dauert hier vier statt drei Jahre.
WIEN/DONAUSTADT. Weit draußen in der Seestadt befindet sich in der Ella-Lingens-Straße 2 ein Gebäudekomplex von Wien Work. Ein Innenhof wird flankiert von verschiedenen Werkstätten. Während aus einem Gebäude das Rattern, einer Kreissäge ertönt, schleppt eine Person bei einem anderen Eingang gerade Gießkannen umher.
Das Gelände in der Seestadt ist das Zentrum eines besonderen Projekts von Wien Work. Geboten wird eine inklusive Berufsausbildung in Form einer verlängerten Lehre oder einer Teilqualifizierung in insgesamt elf Lehrberufen. Darunter etwa Maler, Hochbauer, Konditor, Koch oder Gärtner. In vier anstelle drei Jahren erhalten Personen mit einer Lernschwäche oder Behinderung eine Ausbildung, die auf sie Rücksicht nimmt.
Ein Glücksgriff
Lukas geht in der Ella-Lingens-Straße regelmäßig in die Tischlerwerkstatt. Er hat eine Lernschwäche und ist bereits im letzten Jahr seiner Ausbildung zum Tischler. Aktuell lernt er für seine Abschlussprüfung. Bei der Suche nach einer Lehrstelle ist er auf die Tischlerlehre bei Wien Work gestoßen, was sich als perfekt für ihn herausgestellt hat.
- Die Übungsküche wird von den Lehrlingen zu Übungszwecken immer wieder auf- und abgebaut.
- Foto: Michael Marbacher/MeinBezirk
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"Bis zu meiner Lehre habe ich nicht gewusst, was ich eigentlich machen möchte", erzählt Lukas. In der Tischlerei hat er genau die Tätigkeit gefunden, die er für den Rest seines Lebens machen möchte. "Es ist wie bei einer Lotterieziehung", fügt er mit einem Lächeln hinzu.
Auf seine bisherigen vier Jahre und das, was er in der Werkstatt gelernt hat, blickt der angehende Tischler gerne zurück. Bei ihm daheim finden seine neu erlernten Fähigkeiten Anwendung. So hat er auch bereits für seine Großeltern oder seine Eltern Reparaturen an Fenstern gemacht.
Voneinander lernen
In der ganzen Tischlerwerkstatt greifen Personen regelmäßig auf Gebärden zurück, um sich miteinander zu verständigen, da einige der Ausbildnerinnen und Ausbildner sowie Lehrlinge Hörbehinderungen haben. Dabei lernen alle voneinander. Gemeinsam mit seinem Ausbildner Tomislav Grieb-Jambrovic musste sich Lukas etwa Gebärden für gewisse Werkzeuge, wie die Kreissäge, überlegen. Gebärden-Fachsprache hat im Normalfall kein einheitliches Zeichen für die Ausrüstung, die beim Tischlern zum Einsatz kommt.
- In einer lauten Werkstatt hat eine Verständigung über Gebärden durchaus auch Vorteile.
- Foto: Michael Marbacher/MeinBezirk
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Während der Ausbildungszeit bleiben die Lehrlinge bei Wien Work aber nicht nur in der Werkstatt. Ab dem zweiten Lehrjahr können Auszubildende auch bei den integrativen Betrieben von Wien Work aushelfen. "Beim Lukas war es dann sogar so, dass sie ihn gleich übernehmen wollten", erzählt sein Ausbildner. Der Tischlerlehrling ist im Sommer bei computerunterstützten Geräten öfter zum Einsatz gekommen, da hier seine Stärke liegt.
Mehr über die inklusive Lehre gibt es auf der Webseite von Wien Work.
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