Krankenhaus Gols
Standortanalyse ist nun öffentlich – doch diese Fragen bleiben
- So soll das neue Krankenhaus nach der Fertigstellung aussehen.
- Foto: Eder, Haghirian Architekten ZT-GmbH
- hochgeladen von Franz Gölles
Die fachliche Grundlage für die Standortsuche des geplanten Krankenhauses in Gols ist inzwischen öffentlich. Offen bleibt für die Neos Burgenland allerdings, wie aus der 2019 erstellten Standortanalyse die konkrete politische Entscheidung für Gols hervorging.
GOLS. Seit Oktober des vergangenen Jahres bemühen sich die Neos nach eigenen Angaben um Einsicht in die Entscheidungsgrundlagen für das Krankenhausprojekt. Nachdem ihnen die gewünschten Unterlagen zunächst nicht zur Verfügung gestellt worden seien, habe man sich an das Landesverwaltungsgericht gewandt. Unmittelbar vor der Verhandlung Ende August wurde bekannt, dass das EPIG-Gutachten sowie der „Masterplan Burgenland Spitäler“ auf der Plattform data.gv.at veröffentlicht worden waren. „Das ist ein riesiger Erfolg. Dank des Drucks von Neos Burgenland wurden Unterlagen transparent gemacht, deren Herausgabe uns bis gestern noch verweigert wurde“, erklärte Neos-Landessprecher Eduard Posch nach der Verhandlung.
Masterplan gab Richtung vor
Der Burgenländische Gesundheitsfonds (BURGEF) hatte 2019 einen Masterplan für die Spitalsversorgung des Landes erstellen lassen. Ziel war es unter anderem, die Versorgung langfristig neu zu ordnen und die Aufgaben der einzelnen Krankenhäuser klarer zu verteilen. Für das Krankenhaus Kittsee sah der Masterplan eine Verlagerung in die Region Gols, Weiden und Neusiedl am See vor. Grundlage dafür war eine von EPIG erstellte Standortanalyse. Darin wurden mehrere mögliche Standorte miteinander verglichen und anhand verschiedener Kriterien bewertet.
- Das Sieger-Modell zum Neubau der Klinik Gols.
- Foto: Franz Tscheinig/MeinBezirk Burgenland
- hochgeladen von Franz Gölles
Eine zentrale Rolle spielte die Erreichbarkeit. Untersucht wurde unter anderem, wie viele Menschen innerhalb von 30 Minuten von einem Standort aus erreicht werden können. Für den Raum Neusiedl–Gols errechnete EPIG ein Einzugsgebiet von rund 110.000 Menschen. Rund 67.000 davon leben im Burgenland. Die Variante decke den gesamten Seewinkel ab und liege in der Nähe wichtiger Verkehrsverbindungen, heißt es in den veröffentlichten Unterlagen.
Neos wollen weitere Akten
Damit ist die fachliche Grundlage der Standortdiskussion inzwischen nachvollziehbar. Für die Neos ist damit allerdings eine entscheidende Frage noch nicht beantwortet: Wer traf letztlich die politische Entscheidung für Gols – und auf welcher Grundlage? „Entscheidende Fragen sind weiterhin offen – etwa, wer die Entscheidung für den Standort Gols getroffen hat und auf welcher Grundlage. Wir werden daher weitere Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz stellen“, kündigte Landessprecher Christoph Lach an. Gefordert werden unter anderem die vollständigen EPIG-Unterlagen, Protokolle und Aktenvermerke des BURGEF sowie der Schriftverkehr zwischen dem Land, EPIG und weiteren Beteiligten. Auch allfällige Weisungen im Zusammenhang mit dem Projekt wollen die Neos einsehen.
Land widerspricht Darstellung
Das Land weist unterdessen die Darstellung zurück, wonach die Standortwahl nicht fachlich begründet gewesen sei. Aus dem Büro von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil wird darauf verwiesen, dass die Standortfrage auf Basis einer umfassenden Analyse behandelt worden sei. EPIG habe den Raum Gols/Weiden/Neusiedl als am besten geeignet beurteilt. Dieses Ergebnis sei in den Masterplan eingeflossen und anschließend politisch und planerisch weiterverfolgt worden. „Für Landeshauptmann Hans Peter Doskozil ist entscheidend, dass die Menschen im Bezirk Neusiedl eine moderne Klinik in zentraler Lage und damit eine langfristig abgesicherte wohnortnahe Gesundheitsversorgung bekommen. An diesem Versprechen wird nicht gerüttelt. Die Planungen für die Klinik Gols werden konsequent weitergeführt", heißt es aus dem Büro des Landeshauptmanns.
Widerstand gegen Standort
Die Standortfrage blieb dennoch umstritten. Umweltorganisationen und eine Bürgerinitiative bekämpften die Widmung unter anderem wegen der Lage im Natura-2000-Gebiet. Ein Verfahren gelangte bis zum Verwaltungsgerichtshof und verzögerte die weitere Planung.
2024 bezeichnete Doskozil die Umsetzung des Krankenhausprojekts als „Chefsache“. Im selben Jahr änderte das Land das Krankenanstaltengesetz. Bei überregional bedeutenden Spitalsprojekten wurde damit das Widmungsverfahren von der kommunalen auf die Landesebene verlagert.
Architekturwettbewerb abgeschlossen
Auch der Zeitplan hat sich verändert. Noch 2021 war ein Baubeginn im Jahr 2026 und eine Fertigstellung bis 2030 vorgesehen. Nach aktuellem Stand rechnet das Land nun mit einem Spatenstich frühestens Anfang 2029, "wenn alles perfekt läuft". Die Kosten für den Neubau könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beziffern. Parallel dazu ist das Projekt konkreter geworden. Der Architekturwettbewerb wurde Ende 2025 abgeschlossen, insgesamt wurden 22 Projekte eingereicht. Nach derzeitiger Planung soll die neue Klinik über 132 stationäre Betten verfügen, zwölf davon auf der Intensivstation. Vorgesehen sind außerdem 46 ambulante Betreuungsplätze und vier Operationssäle. Rund 400 Arbeitsplätze sollen mit dem neuen Krankenhaus entstehen.
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