08.02.2017, 00:00 Uhr

AMS Traun: "Leitbetriebe haben Vorbildfunktion"

Karl Steininger, Geschäftsstellenleiter AMS Traun (Foto: AMS)

Karl Steininger, Leiter des AMS Traun, spricht über die Bedeutung von Leitbetrieben im Bezirk.

BEZIRK. Was sind Leitbetriebe?
Steininger: Diese Leistungen können aus dem Bereich Industrie, eingesetzte Technologie, Art und Dauer der Ausbildung oder ausgeprägte Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt kommen. Diese Unternehmen setzen auf nachhaltigen Erfolg und sind daher nicht bloß auf kurzfristigen Gewinn ausgerichtet. Leitbetriebe übernehmen eine besondere Verantwortung für die Gesellschaft und Umwelt und haben somit eine Vorbildfunktion.

Welche Bedeutung haben diese Unternehmen als Arbeitgeber und Ausbildner in der Region?
Leitbetriebe sind für uns unter anderem auch deswegen Leitbetriebe weil sie (jungen) Menschen Ausbildung ermöglichen und sich dementsprechend um Ausbildungswillige bemühen. Sei dies mit qualitativer fachlicher und umfassenderer Ausbildung, in der auch nicht-fachliche Qualifikationen – wie zum Beispiel Ausbildung der Persönlichkeit, Allgemeinwissen, soziale Fähigkeiten – nahe gebracht werden. Sei dies aber auch mit speziellen Angeboten, Ideen, Benefits von Prämien bei gutem Lernerfolg bis hin zu Lehrlingswochenenden, speziellen Kursen oder gemeinsamen Reisen. Leitbetriebe nehmen sich Zeit für eine gute Ausbildung, sichern die Qualität und Nachhaltigkeit der Ausbildung und gehen auf den einzelnen Menschen ein. Dies erachten wir als wichtige Ausgangsbasis.

Welche Maßnahmen gehören seitens der Politik gesetzt, damit wieder mehr Menschen eine sinnstiftende Beschäftigung finden?
Circa 50 Prozent der arbeitslosen Bevölkerung hat mit der abgeschlossenen Pflichtschule den höchsten Grad an Ausbildung erreicht. Diesem Umstand muss die Politik Rechnung tragen. Ohne jegliche weitere Ausbildung wird sinnstiftende Beschäftigung künftig immer schwerer möglich.

Wie fördert das AMS Arbeitssuchende, um sie in Leitbetriebe unterzubringen?
Einerseits dadurch, dass wir mit unseren Leitbetrieben gut in Kontakt bleiben und deren offene Stellen veröffentlichen dürfen, die wir andererseits wieder – nach Möglichkeit und Anforderungen – arbeitslosen Menschen zum Bewerben mitgeben. Durch Eingliederungsbeihilfen und Lehrstellenförderungen helfen wir Menschen – auch in Leitbetrieben – Fuß zu fassen. Mit der Arbeitsplatz-nahen Qualifizierung, der Arbeitserprobung und dem Arbeitstraining ermöglichen wir gegenseitiges Kennenlernen und Ausbildung in einem und vermitteln Menschen in Leitbetriebe.

Welche Maßnahmen können gesetzt werden, um die Zahl offenen Lehrstellen bei steigender Arbeitslosigkeit zu verringern?
Durch Veröffentlichung der offenen Lehrstellen. Das AMS Traun hat die Jugendberatung im Vergleichszeitraum von einem Jahr mehr als verdoppelt. Das AMS Traun bekommt im Neubau, der im September offiziell eröffnet wird, ein eigenes Berufs- und Informationszentrum, in dem Menschen beraten und informiert werden, die noch nicht wissen, was sie einmal werden wollen, oder die es nicht mehr wissen oder nicht mehr können. Gemeinsam mit Partnern, insbesondere der Bezirksstelle der Wirtschaftskammer Linz-Land, veranstaltet das AMS Traun jährlich zwei Jobmessen – in Traun und in Enns – und veröffentlicht das reiche Angebot offener Lehrstellen und ermöglicht Begegnung von Ausbildungsbetrieben mit Ausbildungswilligen oder beteiligt sich an "Abenteuer Lehre". Das reiche Angebot an Ausbildungsmöglichkeiten von der Berufsorientierung bis hin zum Verfassen von Bewerbungsschreiben und Lebenslauf und all dem, was dazwischen angesiedelt ist, rundet die Tätigkeiten ab, um (Jugend-)Arbeitslosigkeit zu verringern.
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