Altersarmut in Wien
In Krisenzeiten sucht Erotikkino "Fortuna" nach rüstigen Pensionisten
- Mario Adlassnig hat ein Herz für Erotikkino – und für Menschen in Altersarmut. Der Betreiber des Erotikkinos Fortuna hat mit MeinBezirk darüber geplaudert, wie es der Filmstätte geht. (Archiv)
- Foto: Karl Pufler/MeinBezirk
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Das Erotikkino Fortuna in Favoriten ist eines der letzten Vorstadtkinos der Stadt. Betreiber Mario Adlassnig geht gegen die Altersarmut vor und stellt Pensionisten ein. MeinBezirk hat den Erotik-Experten gefragt, wie es dem Kino sonst geht?
WIEN/FAVORITEN. "Wir sind wieder auf der Suche nach einer rüstigen Pensionistin bzw. Pensionisten", teilt das Erotikkino Fortuna auf Facebook mit. Die Person sollte in der Lage sein, eine Kiste Frucade aus dem Lager zu holen – bei Arbeitszeiten sei man flexibel.
"Die Pension ist beschissen, vor allem für Frauen", erklärt der Betreiber der Favoritner Filmstätte, Mario Adlassnig, seine Beweggründe für die Ausschreibung: "Auch die ältere Generation ist noch nicht tot. Ich möchte hier jemandem die Chance auf ein bisschen Geld geben." Wie geht es dem Kino selbst? Darauf hat Adlassnig keine kurze Antwort.
Zwei Filme pro Tag
Die Geschichte des Fortunakinos ist eine lange. Seit inzwischen mehr als 105 Jahren steht es an der Ecke Favoritenstraße/Kennergasse. Errichtet wurde es im Jahr 1918, in Betrieb genommen 1920. Es gilt als eines der letzten Vorstadtkinos Wiens. Seit 1977 laufen im Kino Erotikfilme.
Von sich reden machte das Kino in der Corona-Zeit, als sich Adlassnig und Kollegenschaft in einen Sitzstreik begaben. "Wir haben das Kino 'zu Tode getragen', da uns das Geld ausging und wir monatelang nicht aufsperren durften. Wirklich darum geschert hat sich die Politik nicht", ist der Erotik-Experte nach wie vor ein wenig beleidigt.
- Während der Corona-Zeit hielt Mario Adlassnig einen Sitzstreik, um auf die schlechte finanzielle Lage aufmerksam zu machen. (Archiv)
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Das Kino hat die ganze Woche von 12 bis 22 Uhr geöffnet, täglich laufen zwei Erotikfilme in Dauerschleife. "Zumindest einer davon mit Handlung. Es kommen Pärchen, teils Einzelpersonen. Das Tagesticket kostet 12,30 Euro." Das Erotikkino wird gut besucht, die Kundinnen und Kunden bleiben dem Traditionshaus treu, betont der Betreiber. Finanziell geht es dem Fortuna trotzdem nicht allzu rosig.
Keine Unterstützung von der Stadt
"Weil wir ein Erotikkino sind, bekommen wir keine finanzielle Unterstützung von der Stadt Wien", so der Kineast. Das bestätigt die Kulturabteilung der Stadt Wien, MA 7. Adlassnig versteht die Motivgründe nicht, das Porno-Filmfestival bekäme etwa eine Subvention.
Das Fortuna ist eines der letzten Erotikkinos der Stadt. Worin liegt der Unterschied zu einem Pornokino? Adlassnig schnauft etwas verabscheut auf: "Wir zeigen die Realität und nicht diesen Blödsinn. Wir zeigen, dass Analsex nicht einfach nur reindrücken und Spaß haben ist. Da braucht es Vorarbeit. Das wird in den Pornos aber nicht gezeigt."
"Einfach vorbeikommen"
Klar ist: Die Welt der Erotikfilme wandelt sich – gleich, wie sich der Rest der Erotikwelt wandelt. Fortuna wandelt sich mit: "Bisexuelle Menschen oder Transpersonen besuchen das Kino, sie fühlen sich hier sicher und können ihre Sexualität ausleben", so Adlassnig. "Wer Fragen hat, darf die gerne stellen". Was er aber nicht toleriere, seien Menschen, die ins Kino kommen "und ihre Sexualität missionieren wollen".
Welcher Film kommt heute Abend ins Kino? "Darüber gebe ich keine Infos. Die Leute sollen einfach vorbeikommen", erklärt der Fortuna-Chef. "Einfach vorbeikommen und der Tag kann der schönste Tag des Lebens werden."
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