Vergessene Orte
So hart war der Alltag in den Favoritner Schleierbaracken früher
- Die Geschwister Bresnik haben ihre Kindheit in den Schleierbaracken erlebt. Monika Bresnik – heute Monika Erlach – teilt mit MeinBezirk ihre Erinnerungen.
- Foto: Monika Erlach
- hochgeladen von Nathanael Peterlini
Heute existieren nur noch wenige Schleierbaracken, einst waren sie aber ein wichtiger Ort für viele Favoritnerinnen und Favoritner. Eine Leserin hat MeinBezirk ihre Erinnerungen an die ehemaligen Invalidenschulen geschildert.
WIEN/FAVORITEN. Die Schleierbaracken – ehemalige Invalidenschulen im heutigen Favoritner Gewerbering – bestehen heute nur noch vereinzelt. Den Bewohnerinnen und Bewohnern des Bezirks sind sie aber in Erinnerung geblieben.
Auf einen Artikel von MeinBezirk, der die Geschichte der Konstrukte beleuchtet hat, wurden mehrere Personen hellhörig, die den Ort in ihrer Jugend noch in voller Größe erlebt haben. Unter anderem die Favoritnerin Monika Erlach, Mächenname Monika Bresnik.
"An Klopapier gar nicht zu denken"
"Ich bin im Jahr 1956 geboren und habe die Kindheit mit meinen vier Geschwistern dort verbracht." Gemeinsam haben sie die anliegende Hebbelschule besucht, die nach wie vor existiert. "Unser Vater hatte dort seine Firma, der Modell- und Formenbau Bresnik, wir Kinder hatten einen Garten mit ca. 1.400 Quadratmetern mit einigen Obstbäumen."
- Bis heute stehen im Favoritner Gewerbering vereinzelte Schleierbaracken.
- Foto: Nathanael Peterlini/MeinBezirk
- hochgeladen von Nathanael Peterlini
Auch ihre Oma hätte in einer der Schleierbaracken gewohnt, mit sechs Jahren sei Monika zu ihr gezogen. Damals war Wien noch ein anderes: "Wasser war natürlich in einer großen Wasserkanne an einer Bassena zu holen. Das WC war ca. 60 Meter entfernt, an Klopapier gar nicht zu denken. Dafür wurden alte Zeitungen verbraucht." Fürs Duschen sei man in das Amalienbad gegangen. "Damit meine Oma heizen oder kochen konnte, mussten wir Holz hacken und sägen."
Über ausbleibende Watschn
Das Leben im Gewerbegebiet brachte viele "Goodies" von den naheliegenden Firmen. Schreibblöcke, Bruchschokolade und Schwimmreifen hätten Monika und ihre Geschwister geschenkt bekommen. Ihre Eltern wollten nicht, dass die Kinder betteln, "wir haben es aber trotzdem gemacht." Es hätten ihnen "Watschn" gedroht, "Gott sei Dank hatten wir einen großen Apfelbaum im Garten, auf den wir flüchten konnten!"
Die "unbeschwerte freie Kindheit" endete für die Geschwister, als der Vater rund um 1969 die Firma und den Garten verkaufte. Was bleibt, sind die Erinnerungen an das Spielen, Toben und eifrige Arbeiten zwischen den holz-blechernen Konstrukten.
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