In der Not werden Kräfte wach

Pfarrer Johannes Staudacher gibt in seinem neuesten Buch Hinweise, Hilfe, Antworten | Foto: KK
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WOCHE: Sie schreiben über Trauer und Trauerbegleitung. Wie wichtig ist professionelle Trauerbegleitung?
STAUDACHER: Die erste Trauerbegleitung kommt von der hilfreichen Umgebung. Verwandte und Freunde, die dem Trauernden in seinem Leben Stütze sind. Professionelle Begleitung kann das ergänzen. Muss es manchmal ein Stück weit ersetzen. Und sie kann in besonders schwierigen Trauersituationen für manche auch notwendig sein.

Sie zitieren die hl. Hemma, die auf ihrem Trauerweg gewachsen ist. Wie kann man an der Verarbeitung eines Unglücks wachsen?
Unglück und Not wecken starke Kräfte in uns. Allein dadurch wachsen Menschen oft in einer schweren Situation. Im Unglück brauchen und finden manche auch eine neue Sicht des Lebens, sie reifen daran. Das dürfte bei der hl. Hemma so gewesen sein. Darüber hinaus erfahren manche es so: sie spüren es, also ob sie „zu Grunde“ gingen. Und finden dabei einen neuen tragenden Grund für ihr Weiterleben. Ein neues Getragen-Sein. Das stärkt ihre Persönlichkeit.

Trauer habe zwei Gesichter, schreiben Sie. Fassungslosigkeit, aber auch den Blick darüber hinaus. Wie findet man diesen Blick wieder?
Der Tod hat für uns im Normalfall etwas Fremdes und macht uns fassungslos. Das erleben viele. Aber auch der Blick darüber hinaus stellt sich in gewisser Weise von selber ein. Die bleibende Verbundenheit mit dem Verstorbenen ist ja an sich schon „ein Blick darüber hinaus“. Und für viele wacht etwas wieder auf, was vielleicht verschüttet war: der Gedanke an Gott und an die Ewigkeit.

Allerheiligen und Allerseelen sind Tage im Jahr, an denen man besonders an Verstorbene denkt. Wie bedeutend sind diese Feiertage?
Viele Kulturen kennen Tage im Jahr, wo die Welt der Lebenden und die Welt der Toten miteinander verbunden werden. Damit unser eigenes Leben rund wird, brauchen wir das Gedenken an die Toten. Sie sind ja ein Teil von uns und unserer Geschichte. Vergessen hieße ja: ich verliere einen Teil von mir. Und den Tod verdrängen ist ja in Wahrheit „Realitätsverweigerung“. Das gemeinsame Gedenken an diesen Tagen verbindet auch die Weiterlebenden untereinander. Also eigentlich ganz normale und wichtige Dinge.

Für wen haben Sie Ihr Buch geschrieben – für jene, die aktuell trauern oder als Vorbereitung für künftige Trauerphasen?
Zunächst habe ich einfach geschrieben, was mich bewegt. Was ich durch Begräbnisse und Trauerbegleitung entdecke: dass die Trauer etwas unendlich Kostbares ist. Sie hat im Normalfall so viel mit Liebe zu tun, sie steht an der Grenze zwischen Hier und Dort... Das wollte ich einfach niederschreiben und ich denke, aktuell Trauernde werden in manchen Kapiteln etwas für sich entdecken. Wer Trauernde kennt, wird manches deutlicher sehen und ihnen dann vielleicht hilfreicher begegnen. Und es ist auch geschrieben für Menschen, die einfach über Tod und Schicksal nachdenken möchten. Ich tue das als gläubiger Christ - aber auch für mich bleiben viele Fragen offen. Doch eine Hoffnung habe ich, und diese scheint wohl durch das ganze Buch hindurch.

Autor: Uwe Sommersguter

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