"Der Tod ist nicht das Ende des Lebens"

Generalvikar Engelbert Guggenberger: "Die Pflege einer guten Beziehung zu den eigenen Wurzeln durch Gedenken der Vorfahren schenkt Kraft fürs Leben." | Foto: Pressestelle
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WOCHE: Zu Allerheiligen gedenken wir der Heiligen - welche Bedeutung hat dieses Andenken für heute lebende Menschen?

GUGGENBERGER: Das Fest Allerheiligen steht in einem Bezug zu Ostern und der Auferstehung der Toten insofern die Heiligen laut christlicher Überzeugung bereits in Gemeinschaft mit Gott stehen und die „Kirche des Himmels“ bilden. Das Gedenken soll uns Motivation sein, das eigene Leben intensiver im Sinne des Evangeliums zu leben und so einen Weg der „Heiligkeit“ zu gehen.

Auch verstorbenen Angehörigen gilt das Gedenken zu Allerseelen - kann man daraus Kraft schöpfen?

Unsere Vorfahren, Eltern und Verwandten bilden die Herkunftsfamilie, aus der wir das Leben empfangen haben. Hier liegen unsere Wurzeln. Wir wissen wie entscheidend die Wurzeln für die Entfaltung des pflanzlichen Lebens sind. Was für die Pflanzenwelt zutrifft, ist in übertragener Weise auch für den Menschen gültig. Die Pflege einer guten Beziehung zu den eigenen Wurzeln durch Gedenken der Vorfahren schenkt Kraft fürs Leben und erspart Therapien wie sie beispielsweise in der Familienaufstellung gesucht werden.

Vielen Menschen macht der Tod Angst, was kann Allerheiligen uns diesbezüglich lehren?

Der Tod ist nicht das Ende des Lebens, sondern der Hinübergang in das ewige Leben, ein Dasein in welchem uns Gott unvorstellbar glücklich machen wird. So lehrt es der christliche Glaube. Aus dieser Glaubensüberzeugung können wir Sicherheit und Lebenszuversicht schöpfen. Eine alte Erfahrung besagt: Wer glaubt, fürchtet sich nicht.

Die Trauer um einen geliebten Menschen ist oft mit unfassbarem Schmerz verbunden, warum ist Trauer dennoch wichtig?

Trauer ist die unmittelbare Reaktion der Seele auf den erlittenen Verlust. Sie ist ein starkes Gefühl und drängt sich uns als unausweichliche Gegebenheit auf. Gleichzeitig ist sie aber auch der Weg, auf den uns die Seele weist, um den erlittenen Verlust zu verarbeiten.

Welche Folgen hat es, wenn man die Trauer nicht zulässt, sich „ablenkt“?

Anfangs verspürt man dadurch eine gewisse Erleichterung. Doch führt dieser Weg zu keiner Lösung, sondern nur zur Verschiebung des Problems. Der Verlust ist da und kann nicht schön geredet werden. Die Trauer darüber muss daher auch irgendeinmal stattfinden, das erfordert der gesamte Zusammenhang des tragischen Geschehens. Nicht umsonst spricht man daher von der „Trauerarbeit“, die zu leisten ist, bevor der Mensch wieder zu einem Gleichgewicht findet, in welchem er mit Blick auf sein Schicksal sagen kann: Es ist gut, so wie es ist.

Was kann Trauernden Hoffnung geben?

Von Seiten der Psychologie kommt die Mahnung, den Mut zur Trauer aufzubringen. Trauer nicht auflösen, sondern auslösen, damit sie fließen kann. Es ist dem Schmerz wichtig, sich zu äußern. Im Grund genommen, geht es dabei ja um Liebe. Trauer ist weiterlebende Liebe, die einen Weg der Veränderung erleidet. Nur wer nichts liebt, kommt ohne Tränen aus.

Vielen fällt es schwer in der Trauer das Leben als Geschenk anzunehmen, was kann diesen Menschen dabei helfen?

Die erste Trauerbegleitung kommt von der hilfreichen Umgebung. Verwandte und Freunde, die dem Trauernden in seinem Leben Stütze sind. Professionelle Begleitung kann das ergänzen. Ein lesenswertes Buch dazu hat der Kärntner Priester Johannes Staudacher geschrieben. Es trägt den Titel „Ich werde dort sein, wo du bist“ (Styria-Verlag).

Welche Kräfte kann Trauer in Menschen freisetzen?

Unglück und Not wecken starke Kräfte in uns. Allein dadurch wachsen Menschen oft in einer schweren Situation. Im Unglück brauchen und finden manche auch eine neue Sicht des Lebens, sie reifen daran. Es ist ihnen, als ob sie zugrunde gingen. Und finden dabei einen neuen tragenden Grund für ihr Weiterleben. Ein neues Getragen-Sein. Das stärkt ihre Persönlichkeit.

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