Meisterhaft
In dieser Werkstatt tickt die Zeit – Uhrmachermeister bewahrt altes Handwerk
- Manfred Rainer ist Uhrmachermeister.
- Foto: MeinBezirk/Isabella Friessnegg
- hochgeladen von Isabella Frießnegg
Das Uhrmacher-Handwerk ist bei Familie Rainer Familienangelegenheit. Manfred Rainer ist bei seinem Vater in die Lehre gegangen und seit 1997 selbstständiger Uhrmachermeister.
METZING. Die Zeit steht nicht still. Und das hört man in der kleinen Werkstatt von Uhrmachermeister Manfred Rainer in Metzing auch. Schon beim Betreten hört man des Wortes, wie die Zeit verrinnt. Es ist ein feines, schnelles Ticken sowie das Tick-Tack von ganz unterschiedlichen Uhren. Gleichzeitig hört man leises Klicken beim Aufziehen von Federn, ein Summen von Prüfgeräten sowie das sanfte Rauschen von Ultraschallbädern zur Reinigung von kleinen Teilen. Im Gegensatz zu digitalen Uhren erzeugen mechanische Zeitmesser Geräusche.
Ständiges Tick-Tack
"Das Ticken einer Uhr entsteht durch die mechanische Hemmung im Inneren des Uhrwerks, meist dem Zusammenspiel von Anker und Ankerrad", erklärt Manfred Rainer. "Der Anker ist ein zentraler Bauteil in diesen Uhren. Er verbindet das Räderwerk mit dem Taktgeber – der Unruh oder dem Pendel. Durch sein Hin- und Herschwingen bremst er das Ankerrad ab, gibt den Antrieb schrittweise frei und erzeugt das typische Ticken der Uhr. Dieses Bauteil bremst die Energie der Feder kontrolliert ab, wobei die Zähne des Rades im Takt auf den Anker schlagen und das typische Tick-Tack erzeugen."
Bewahrer von Zeit & Handwerk
Der 53-jährige Uhrmachermeister sorgt in seinen Werkstatt einerseits dafür, dass altes Handwerk bewahrt wird, andererseits ist die vergehende Zeit ein ständiger Begleiter. "Gerade alte Stand- oder Wanduhren ticken oft laut und auch der Gong des Schlagwerks zur vollen oder halben Stunde ist nicht zu überhören", weiß Rainer. "Genau das macht diese Uhren – viele davon Unikate – aus. Und die Besitzer beginnen diese akustischen Begleiter im Laufe der Zeit zu schätzen." In seiner Werkstatt repariert er sowohl Großuhren als auch Armbanduhren, die oft von weit her kommen. "Es gibt Kunden, die ihre Uhren zur Reparatur bringen, wenn sie in der Region Urlaub machen. Sie kommen aus ganz Österreich, Deutschland, Belgien, Spanien den Niederlanden oder sogar aus Südafrika. Ersatzteile für Großuhren fertige ich selbst an, bei Armbanduhren wird die Ersatzteilsuche mitunter schwierig. Da kann es länger dauern, bis mach das perfekte Teil gefunden hat", so der Meister. Neben den Bauteilen benötigt ein Uhrmachermeister gutes Sehvermögen, eine ruhige Hand und vor allem viel, viel Geduld. Und auch die "Auszeit" hat bei Manfred Rainer etwas mit Rädern zu tun. "Fahrräder – in erster Linie alte Exemplare – begeistern mich. Darauf geht es quer durch Europa."
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