Eine Region in Sorge
Rettung für Ardo? Diese Ideen liegen am Tisch
- Das geplante Aus für das Ardo-Werk in Groß-Enzersdorf sorgt für Unruhe im Marchfeld. Rund 240 Beschäftigte bangen um ihre Jobs, zugleich steht für etwa 500 landwirtschaftliche Familien viel auf dem Spiel.
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Nach den Schließungsplänen des Tiefkühlgemüsewerks wächst der politische Druck auf den Konzern. Im NÖ Landtag herrscht parteiübergreifend Einigkeit über die Bedeutung des Standorts. Bei möglichen Alternativen und der Unterstützung für die Beschäftigten liegen nun mehrere Vorschläge auf dem Tisch.
GROSS-ENZERSDORF. Die Zukunft des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf bleibt ungewiss. Die angekündigte Schließung trifft nicht nur die Beschäftigten, sondern auch zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe im Marchfeld. Am Donnerstag, 22. Oktober, wurde die Zukunft des Standorts im Rahmen einer Aktuellen Stunde im NÖ Landtag diskutiert. ÖVP, SPÖ und FPÖ forderten dabei gemeinsam, weiter nach einer Lösung zu suchen. Auch von den Grünen, den Gewerkschaften und dem ÖAAB kommen konkrete Forderungen.
Ardo-Aus trifft die gesamte Region
Nach Angaben der SPÖ sind rund 190 Beschäftigte und 50 Leiharbeitskräfte direkt von den Schließungsplänen betroffen. Dazu kommen rund 500 bäuerliche Familienbetriebe, die Gemüse für Ardo produzieren. Das Unternehmen soll die Gemüseproduktion Ende Dezember 2026 einstellen, die vollständige Schließung des Werks ist für August 2027 vorgesehen.
Wie weit die Auswirkungen über das Werksgelände hinausreichen, verdeutlichen Zahlen, die die FPÖ nennt: Im Vorjahr seien rund 40.000 Tonnen Gemüse im Wert von 18,5 Millionen Euro an Ardo geliefert worden. VPNÖ-Landtagsabgeordneter René Lobner spricht von rund 50.000 Tonnen Gemüse, die jährlich bei Ardo verarbeitet werden.
Für viele landwirtschaftliche Betriebe kommt die Entwicklung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Laut SPÖ-Arbeitnehmersprecher René Pfister haben erste Bauern bereits die Aussaat von Winterspinat gestoppt. Die Betriebe hätten in Maschinen, Lagerlogistik und Infrastruktur investiert und seien auf verlässliche Abnehmer angewiesen.
Ardo als Thema im Landtag
ÖVP und FPÖ sehen die Schließungspläne als Gefahr für Arbeitsplätze, Landwirtschaft und die heimische Lebensmittelversorgung. Die ÖVP-Abgeordneten Josef Edlinger und René Lobner kritisieren, dass Ardo trotz Gesprächs- und Unterstützungsangeboten an den Plänen festhalte. Sie fordern den Konzern auf, Verantwortung für die Beschäftigten und die bäuerlichen Familienbetriebe zu übernehmen.
Auch die FPÖ-Abgeordneten Alexander Schnabel und Dieter Dorner sehen die Zukunft der regionalen Gemüseproduktion gefährdet. Dorner verweist darauf, dass nicht nur die Beschäftigten und Bauern betroffen wären, sondern auch Transportunternehmen, Lagerhäuser, Landmaschinenhändler und Werkstätten. Er fordert günstigere Energie, niedrigere Abgaben auf Arbeit und weniger Bürokratie. Zudem kritisiert er Standortnachteile und die aus seiner Sicht unzureichende Verkehrsinfrastruktur im Bezirk Gänserndorf.
Die SPÖ unterstützt den Kampf des Betriebsrats und der Gewerkschaft PRO-GE um den Erhalt der Arbeitsplätze. Arbeitnehmersprecher René Pfister fordert neben weiteren Anstrengungen zur Rettung des Standorts einen fairen Sozialplan und eine Arbeitsstiftung. Diese soll Beschäftigten nach einem möglichen Jobverlust durch Qualifizierung und Vermittlung neue berufliche Perspektiven eröffnen.
Gewerkschaften fordern faire Lösungen
Auch die Gewerkschaften PRO-GE und GPA verlangen, alle Möglichkeiten für eine Fortführung des Standorts ernsthaft zu prüfen. Die Vorsitzenden Reinhold Binder und Barbara Teiber kritisieren, dass der Konzern Gespräche über eine mögliche Übernahme ermöglichen solle, statt die Schließung möglichst rasch umzusetzen.
Die Sozialplanverhandlungen laufen laut Gewerkschaften weiter. Gleichzeitig sehen sie Verbesserungsbedarf bei den bisherigen Angeboten. Das Land Niederösterreich müsse außerdem eine dauerhafte Arbeitsstiftung auf den Weg bringen, fordern Binder und Teiber.
- Das Ardo-Aus trifft nicht nur die Beschäftigten im Werk, sondern könnte auch weitreichende Folgen für die Gemüsebauern im Marchfeld haben. Rund 500 landwirtschaftliche Familien sind mit dem Standort verbunden.
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In dieselbe Richtung argumentiert der NÖAAB. Landesgeschäftsführerin Katja Seitner verlangt rasche Maßnahmen für die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Neben einem Sozialplan müsse eine Arbeitsstiftung samt gesicherter Finanzierung geprüft werden. Die Unterstützung solle auch Beschäftigte von Zulieferbetrieben berücksichtigen.
Grüne schlagen neuen Standort und Genossenschaft vor
Die Grünen bringen einen konkreten Plan für die Zukunft der Gemüseverarbeitung im Marchfeld ins Spiel. Landessprecherin Helga Krismer kritisiert das Krisenmanagement des Landes und fordert eine zentrale Koordination zwischen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf. Als Koordinator schlägt sie ecoplus-Geschäftsführer Helmut Miernicki vor.
Für einen möglichen Neubau nennt Krismer Flächen im Wirtschaftspark Marchegg sowie in Leopoldsdorf, wo sich ein früherer Agrana-Standort befindet. Darüber hinaus regt sie eine starke Genossenschaft nach dem Vorbild der NÖM an, an der sich die Gemüseerzeuger beteiligen könnten. Auch die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien solle als Finanzierungspartner eingebunden werden.
Krismer drängt auf rasche Entscheidungen. Bis spätestens November müssten aus ihrer Sicht konkrete Schritte gesetzt werden, damit Maschinen am internationalen Markt gesichert und innerhalb von zwölf bis 15 Monaten ein modernes Werk errichtet werden könnten.
Gespräche über Alternativen laufen
Auch die FPÖ verweist auf mögliche Alternativen zur Schließung. Schneider’s Gemüseland in Groß-Enzersdorf habe Gespräche mit dem Lebensmittelhandel geführt, SPAR sei interessiert. Zudem werde efko als möglicher Partner für eine österreichische Lösung genannt. Die Nutzung des früheren Agrana-Standorts sei ebenfalls eine Überlegung.
Ob und in welcher Form sich daraus ein tragfähiges Konzept entwickeln lässt, ist derzeit offen. Die genannten Möglichkeiten sind Vorschläge und Überlegungen, eine gesicherte Übernahme oder ein konkreter Neubau sind damit noch nicht beschlossen.
- Das Ardo-Aus trifft nicht nur die Beschäftigten im Werk, sondern könnte auch weitreichende Folgen für die Gemüsebauern im Marchfeld haben. Rund 500 landwirtschaftliche Familien sind mit dem Standort verbunden.
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NEOS wiederum nimmt die angekündigte Werksschließung zum Anlass, Reformen beim Wirtschaftsstandort einzufordern. Die Partei richtet eine Anfrage an alle Regierungsmitglieder, welche Maßnahmen zum Bürokratieabbau und zur Verwaltungsvereinfachung bisher umgesetzt wurden.
Die Zeit drängt
Damit bleibt die Zukunft des Ardo-Werks trotz des politischen Schulterschlusses ungewiss. Während die Parteien unterschiedliche Ursachen und Lösungsansätze betonen, stehen zwei Ziele im Zentrum der Debatte: möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten und den Marchfelder Gemüsebauern weiterhin eine verlässliche Verarbeitungsmöglichkeit zu bieten.
Parallel dazu müssen Lösungen für jene Beschäftigten gefunden werden, deren Arbeitsplätze tatsächlich wegfallen könnten. Ob der bestehende Standort gerettet, eine Übernahme ermöglicht oder eine neue Verarbeitung aufgebaut werden kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Für die betroffenen Betriebe ist vor allem eines entscheidend: rasche Klarheit für die nächste Anbausaison.
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