09.01.2018, 00:00 Uhr

Bei uns am Land: Wo Ärzte Mangelware sind

Isabella Zins sieht die proLAA-Forderungen bestätigt. (Foto: Bezirksblätter Archiv)

Das geplante Maßnahmenpaket der ÖVP NÖ gegen den Landärztemangel stößt auf Freude und Skepsis.

LAA/MISTELBACH. Isabelle Zins von proLAA freut sich über die Ankündigungen der Landespolitik: "Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner nimmt den Ärztemangel am Land ernst und plant Maßnahmen dagegen." Sie findet dies insofern erfreulich, als sich proLAA im Forderungspapier aus dem Jahr 2016 bestätigt fühlt. "Unser Antrag auf Ärzteförderung seitens der Gemeinde wurde damals im März 2016 in der Gemeinderatssitzung von ÖVspö abgelehnt", erinnert Zins.
Eine von zwei freien Stellen konnte mittlerweile nachbesetzt werden, die zweite Stelle ist noch immer nicht besetzt. "Viele Laaer müssen daher zu Ärzten in anderen Ortschaften ausweichen", sagt Zins.
Der Mistelbacher Allgemeinmediziner Walter Schleger sieht die Pläne mit Skepsis: "Ich habe schon viele Regierungserklärungen gelesen und glaube nicht an die Versprechen. Das Maßnahmenpaket der ÖVP sei ein Lockmittel, aber keine echte Aufwertung des Landarztes. Aus Schlegers Sicht seien das Zurückfahren der Bürokratie und ein zeitgemäßer Honorarkatalog notwendig, um Landarztpraxen zu attraktivieren.

Medizin der 80er-Jahre

"Der Honorarkatalog ist so alt wie meine Berufserfahrung", sagt Schleger, der seit 32 Jahren als Allgemeinmediziner tätig ist. "Darin sind Leistungen enthalten, die kein Arzt anbietet, wie zum Beispiel Eigenblutinjektionen, moderne Leistungen wie Ultraschall fehlen hingegen", kritisiert er.
Das Sofortmaßnahmenpaket, das vom Land NÖ geplant wird, umfasst drei Punkte: Erstens eine „Landarzt-Garantie“, das heißt, für nicht besetzte Landarztpraxen werden seitens der Landeskliniken-Holding Ärztinnen und Ärzte bereitgestellt. Zweitens wird es für neue Landärzte Einstiegsprämien von bis zu 50.000 Euro für die Modernisierung der Praxen geben. Und drittens können Landärzte in Zukunft bei schwierigen Einsätzen Unterstützung etwa durch Rettungsorganisationen anfordern.
Der Präsident der Nö. Ärztekammer, Christoph Reisner, geht davon aus, dass sich der Ärztemangel in Zukunft verschärfen werde: „Ich weiß, wie viele Ärztinnen und Ärzte mit Kassenvertrag in den nächsten zehn Jahren in Pension gehen werden. In absehbarer Zeit werden immer mehr Kassenstellen nicht besetzbar sein.“
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