08.09.2014, 17:02 Uhr

Asylanten-Diskussion in H'stein

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BeantwortetenAsylfragen in Heidenreichstein. Franz Brenn (Diakonie), Karl Pell (Koordinierungsstelle Land NÖ), Herbert Eder (SLC Europe), Bgm. Gerhard Kirchmaier und Vizebgm. Margit Weikartschläger. (Foto: Foto: eju)

Lärm und Mülltrennung sind die Hauptproblemfelder, Verantwortliche legten Zahlen auf den Tisch.

HEIDENREICHSTEIN (eju). "Treffen wir uns in einem Monat wieder und schauen wir, was sich gebessert oder verändert hat", vereinbarte Diskussionsleiter Stadtamtsdirektor Bernhard Klug mit allen Anwesenden bei der Info-Veranstaltung rund um die Asylwerber-Problematik in Heidenreichstein.

Info rund um Asylwerber

Nötig geworden war diese Zusammenkunft aller Beteiligten und Interessierten, weil in der Burgstadt ein anonymer, rassistisch gefärbter Brief die Runde gemacht hatte, in dem die Schreiber den Anstieg der Asylwerber-Zahlen beklagten, der Gemeinde Untätigkeit vorwarfen und die Flüchtlinge als Gesindel bezeichneten. Außerdem fürchteten die anonymen Verfasser, ihre Eigentumswohnungen könnten an Wert verlieren, wenn im gleichen Haus Asylwerber untergebracht seien.
Dem Publikum Rede und Antwort standen Herbert Eder, Betreiber der Asylunterkünfte, und die SLC-Waldviertel-Regionalbeauftragte Andrea Fraissl, Karl Pell von der Koordinierungsstelle des Landes NÖ sowie Franz Brenn von der Diakonie. Aus den Reihen des Publikums, das sich zu etwa je 50 Prozent aus Befürwortern der Asylwerber-Aufnahme und deren Gegnern zusammensetzte, kamen viele Fragen und Beschwerden sowie Anregungen.


Wertminderung der Wohnung

Besonders verärgert zeigten sich zwei ältere Bewohnerinnen von Eigentumswohnungen, wo es in der Nachbarschaft bereits häufig zu Lärmbelästigungen während der Nachtstunden gekommen ist. Auch ein bis dato nicht zufriedenstellend gelöstes Mülltrennungsproblem in einem Eigentums-Wohnhaus wurde thematisiert. Schließlich wollten die Skeptiker wissen, wie viel Geld die Asylwerber tatsächlich bekämen und mokierten sich über deren angeblich teure Mobiltelefone sowie deren stundenlanges Telefonieren. Sie mutmaßten außerdem, Telefone und Kosten würden ebenfalls vom Steuerzahler getragen.


5,5 Euro pro Tag pro Person

Karl Pell von der Koordinierungsstelle des Landes schlüsselte die Beträge auf: "Ein Asylwerber in der Selbstversorgung, das sind alle in Heidenreichstein, bekommt pro Person pro Tag 5,5 Euro, außerdem 150 Euro im Jahr für Bekleidung, teils in Gutscheinen, sowie Familien mit schulpflichtigen Kindern pro Kind 200 Euro zum Schulstart, auch großteils in Gutschein-Form. Busfahrkarten, Handywertkarten und sonstige Ausgaben müssen von diesen 5,5 Euro täglich finanziert werden, die Nahrungsmittel ebenfalls." Die Handys hätten die Asylwerber großteils mitgebracht, einige hätten hier bereits Verwandte mit aufrechtem Asylstatus, die sie unterstützen würden.
Herbert Eder und Andrea Fraissl versprachen, sich noch intensiver um Müll- und Lärmproblematik zu kümmern. Bürgermeister Gerhard Kirchmaier betonte, er und auch seine Kollegen von der Polizei könnten jederzeit angerufen werden, wenn es zu Lärmbelästigungen komme. Aus den Reihen jener, die den Aslywerbern positiv gegenüber stehen, wurde berichtet, wie gut sich vor allem die Familien samt Kindern inzwischen integriert hätten.
Hier setzte der nächste Kritikpunkt an, nämlich dass aktuell eine Mehrzahl der Asylwerber einzelne junge Männer seien. Familien gegenüber sei man ja durchaus aufgeschlossen.


Fast nur junge Männer

Die jungen Männer würden, so der Tenor aus dem Kritiker-Eck, die Bevölkerung ängstigen. Dazu wurde erklärt, dass das Auffanglager in Traiskirchen zu 80 Prozent mit jungen Männern ohne Familie belegt sei. Natürlich würde man gerne Familien zuteilen, allerdings gebe es nur wenige, so der Landesbeamte. Nach langen 2,5 Stunden Diskussion einigte man sich auf ein Wiedersehen in vier Wochen.
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