24.10.2017, 16:00 Uhr

Bezirk Gmünd - der Weg nach oben

Sind froh über die positive Entwicklung in der Stadt und im Bezirk: Vizebgm. Hubert Hauer, Bgm. Helga Rosenmayer und Stadt-Historiker Harald Winkler. (Foto: Mikscha)

Gerade in der Grenzstadt Gmünd hat sich seit dem Fall des eisernen Vorhanges eine Menge getan.

GMÜND. Wo 1989 noch Grünland war, steht heute der grenzüberschreitende Wirtschafspark Access. Wo man früher von Gmünd aus Richtung Tschechien nur einen Stacheldrahtzaun und bedrohliche Wachtürme erspähen konnte, führen heute unter anderem auch mehrere Fußgänger-Grenzübergänge ins Nachbarland Tschechien. Das Gmünder Krankenhaus versorgte vor 28 Jahren die lokale Bevölkerung mit allem, was man am Ende der freien Welt medizinisch benötigte. Davon gibt es heute manches nicht mehr (Gynäkologie und Geburtshilfe), dafür aber wurde das Erfolgsprojekt "Health Across" installiert. Wie das ganze Bundesland hat sich auch der Bezirk Gmünd seit dem Fall des Eisernen Vorhangs entwickelt. Die BEZIRKSBLÄTTER auf den Spuren der Veränderung.


Erfolgsmodell Access Park

Aber der Reihe nach: Wo vor 1989 nur Wiesen und Äcker beiderseits der Grenzen bestanden, existiert seit 1993 ein grenzüberschreitender Wirtschaftspark, der Access-Industrial-Park auf einer Fläche von 83 Hektar. Der Park bietet hochwertige Betriebsgrundstücke mit modernster Infrastruktur westeuropäischen Standards. Die länderübergreifende Konzeption ermöglicht darüber hinaus die Ansiedlung beiderseits der Staatsgrenze. Die erste über die Grenze laufende Ansiedlung der Firmen MARS Greiftechnik Gmünd und Strojirenský podnik MARS Ceské Velenice ist seit 1. Jänner 1999 in Betrieb. Seit 2013 konnten in einer Pilotphase erstmals tschechische Patienten im Landesklinikum Gmünd ambulant versorgt werden, und seitdem wird das Projekt „Healthacross in Practice“ kontinuierlich ausgebaut. Jüngst wurde die magische Marke von 4.000 PatientInnen, die eine ambulante Behandlung im Gmünder Krankenhaus erhielten, überschritten.
Seit vielen Jahren gibt es ein Übereinkommen zwischen den Feuerwehren des Bezirkes Gmünd und denen Südböhmens, dass man sich gegenseitig bei größeren Bränden zu Hilfe eilen kann. Zu Jahresbeginn halfen die Feuerwehren aus Ceske Velenice und Trebon den Gmündern bei einem Kaminbrand in Gmünd Neustadt, der sich zu einem Großbrand hätte entwickeln können, aus. Zudem übt man gelegentlich gemeinsam und besucht sich bei festlichen Anlässen gegenseitig.


HAK/HAS für Tschechen offen

Ein weiteres Erfolgsmodell ist die Möglichkeit für tschechische SchülerInnen, die Handelsakademie und Handelsschule in Gmünd zu besuchen. Laut Direktorin Jutta Gösch gibt es diese Möglichkeit etwa seit dem Jahr 1990. Pro Jahrgang nutzen diese Chance rund 20 SchülerInnen.
Auch im Tourismus machen sich die offenen Grenzen positiv bemerkbar. Die hohen Besucherzahlen des Sole-Felsen-Bades sind auch den zahlreichen Besuchern aus der Tschechischen Republik geschuldet. Seit 2009 wird auch an der Umsetzung des Iron Curtain Trails, eines Weit-Fahrrad-Weges, entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs gearbeitet, der auch im Bezirk großteils bereits ausgebaut ist. Last, but not least hat die Wirtschaft diesseits und jenseits der Grenze insgesamt von der Öffnung profitiert. Viele Tschechen haben in Österreich einen Arbeitsplatz gefunden, viele österreichische Firmen auch in Tschechien ein zusätzliches Standbein.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.