Don Pablo des Südburgenlands
Kokainhandel und Diebstahl eines 1,5 Tonnen Amethyst

- Als "Don Pablo des Südburgenlands" bezeichnete sich der Angeklagte (Bildmitte).
- Foto: Gernot Heigl
- hochgeladen von Gernot Heigl
Vom prahlenden „Don Pablo des Südburgenlands“ und vermeintlichen großen Kokaindealer blieb auf der Anklagebank nicht viel über. Im Gegenteil. Neben einer drastischen Mengenreduktion verkaufter Drogen bestritt er auch den Diebstahl eines 1,5 Tonnen schweren Amethysten, zweier handgeschnitzter Holzadler und sechs Perserteppichen.
SÜDBURGENLAND. „Das ist weder plakativ gedacht noch ziehe ich es ins Lächerliche, aber ‘Don Pablo des Südburgenlands'(*) ist der Ruf- beziehungsweise Spitzname des Angeklagten. Es handelt sich auch um keine Verfilmung und kein Drehbuch. Es geht um Suchtgifthandel und, als Nebenschauplatz, um schweren Diebstahl!“, erklärte der Staatsanwalt in seinem Eröffnungsplädoyer. (*in Anlehnung an den Spitznamen des kolumbianischen Drogenbarons Emilio Escobar).

- Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Saal 8 im Landesgericht Eisenstadt.
- Foto: Gernot Heigl
- hochgeladen von Gernot Heigl
Kokainhandel und Diebstahl
„Die Beweislage beim Drogenhandel ist sehr klar, wir haben eine ganze Latte an Suchtgiftabnehmer, die den Angeklagten in Übereinstimmung mit den Telefon-Überwachungsprotokollen eindeutig belasten. Bei den verkauften Mengen habe ich es so fair wie möglich gehalten und den laut Zeugenangaben errechneten Wert zu Gunsten des Beschuldigten nach unten skaliert!“ In dem Prozess geht es somit um 1.864 Gramm Kokain sowie 72 Gramm Cannabiskraut und Cannabis-Öl.
1,5 Tonnen Amethyst
Das zweite Delikt betrifft die Ortsveränderung eines 1,5 Tonnen schweren Amethysten im Wert von rund 50.000 Euro. Dieser violette bis purpurrote Schmuckstein sollte in einem Haus vom Obergeschoss, nach Abdeckung des Daches, per Kran in die am selben Grundstück befindliche Garage des Auftraggebers gebracht werden. Lagerte jedoch – aus dubiosen Gründen – in einer Halle des Angeklagten. Verschwunden sind auch sechs Perserteppiche und zwei holzgeschnitzte Adler im Wert von je rund 2.000 Euro.

- Neben Drogenhandel ging es in dem Verfahren auch um den Diebstahl eines 1,5 Tonnen schweren Amethyst.
- Foto: Symbolfoto-Pixabay
- hochgeladen von Gernot Heigl
Miami Vice und Bikini-Mädels
„Mein Mandant nannte sich ‘Don Pablo des Südburgenlands. Die erste Assoziation ist natürlich Miami Vice, man denkt sofort an Tonnen von Kokain, Jetset, Mädels in Bikini!“ So der Verteidiger, der dann ergänzte: „Wie weit weg diese Annahme von der Realität ist, werden wir heute in der Hauptverhandlung hören. Mein Klient ist kein großer, sondern ein kleiner Dealer. Verkaufte nicht kiloweise, sondern grammweise. Außerdem gab es keinen Diebstahl, sondern nur eine Zwischenlagerung von Gütern!“

- Im Gespräch mit seinem Anwalt kurz vor Prozessbeginn.
- Foto: Gernot Heigl
- hochgeladen von Gernot Heigl
Der Angeklagte, Deutscher, verheirateter Familienvater, Anfang 40, arbeitslos, gab vor einem Schöffensenat im Landesgericht Eisenstadt den Drogenhandel, vorwiegend im Südburgenland, zu, allerdings reduzierte er massiv die ihm angeklagten Verkaufsmengen. Beispielhaft bei einem Abnehmer von 770 Gramm Kokain auf maximal 50 Gramm. Auf Fragen der Vorsitzenden, warum ihn Kunden grundlos mit höheren Mengen belasten sollten, meinte der Mann: „Ich habe keine Ahnung!“

- In Handschellen direkt aus der U-Haft vorgeführt wurde der gebürtige Deutsche.
- Foto: Gernot Heigl
- hochgeladen von Gernot Heigl
Eisernes Schweigen
Auf das „Prahlen mit großen Suchtgiftmengen“ sowie den „Umgang mit einem großen Kokain-Stein“, von der Richterin angesprochen, wie mehrere seiner Drogenkäufer bei der Polizei angaben, blieb der Deutsche eine klare Antwort schuldig. Auch auf die Frage, woher er das Geld für die Kokain-Beschaffung hatte: „Ich habe auf Kommission eingekauft. Bei wem, darüber möchte ich nicht sprechen!“ Um, nach diesem "eisernen Schweigen", dann gleich die ihm vorgeworfenen Einnahmen aus dem Drogenverkauf deutlich zu minimieren.
"Freundschaftsdienst"
Zum schweren Diebstahl meinte der Beschuldigte, dass er „eh alles zurückgeben wollte!“ Sprach von einer Zwischenlagerung in seiner Halle, die mit dem gehbehinderten Auftraggeber mündlich abgesprochen war und von einem Chaos, das bei diesem „Freundschaftsdienst“ durch das viele Hin-und-Her entstanden sei. Außerdem wäre für den Amethyst in der Garage des Auftraggebers gar kein Platz gewesen. Es sei aber alles mehr oder weniger passiert, Absicht und Vorsatz habe es keinen gegeben.
Zur Einvernahme weiterer Zeugen wurde der Prozess auf Ende Jänner vertagt. Der Angeklagte bleibt bis dahin in U-Haft. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Das könnte Sie auch interessieren:





Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.