Gemeinderatswahl 2022
Bertsch: „Ich möchte ein neues Publikum ansprechen, das ist mein Ziel!"
- Der 67-jährige Gemeindevorstand Josef Bertsch wird zur kommenden Wahl als Bürgermeisterkandidat antreten.
- Foto: Kendlbacher
- hochgeladen von Michael Kendlbacher
Der Thaurer Gemeindevorstand Josef Bertsch ist seit vier Perioden im Gemeinderat tätig und hat bei der kommenden Gemeinderatswahl vor, als Bürgermeister zu kandidieren. Im Gespräch mit den Bezirksblättern spricht er über seine neue Liste (Grüne und Unabhängige), gelungene Projekte und warum er zur Wahl antreten wird.
BezirksBlätter: Herr Bertsch, Sie haben Ihre Liste „Grüne Thaur" in „Grüne und Unabhängige" geändert. Was erwarten Sie sich davon?
Bertsch: Es kam dazu, weil ich bemerkt habe, dass in dieser einen Periode viele Menschen inhaltlich mit unserer grünen Politik sympathisieren, aber es für viele in Thaur problematisch ist, sich zu deklarieren. Und bei einer „unabhängigen Liste" ist es vielleicht weniger problematisch. Ich möchte ein neues Publikum ansprechen, das ist mein Ziel.
Reden wir über die Gemeinde. Welche Projekte wurden Ihrer Meinung nach erfolgreich umgesetzt?
Es ist, glaube ich, in der letzten Periode gar nicht so viel schlecht gelaufen. Für die Dorfgestaltung hat man einen Gestaltungsbeirat installiert, wo Bürger von außen mit hineingeholt worden sind. Das habe ich als sehr positiv empfunden – da sind gute Ideen gekommen, die man auch verwirklicht hat. Im Bereich Raumordnung hat man die Vertragsraumordnung in das Siedlungsleitbild aufgenommen. Es war sehr klug, dass man das gemacht hat, da wir Möglichkeiten geschaffen haben, für Jungfamilien Wohnraum zu schaffen. Ich bin froh, dass uns das gelungen ist.
Thema Verkehr. Wie sehr ist die Gemeinde Thaur vom Verkehr betroffen?
Bei diesem Thema sind wir nicht weitergekommen. Es ist uns damals gelungen, mit der Neugestaltung der Ortszufahrten die Dörferstraße etwas zu entlasten, denn früher war das ja die Dorfdurchzugsschneise von Gnadenwald nach Innsbruck. Aber es wird nach wie vor im Dorf mehr gefahren. Der Durchschnitt fährt durchs Dorf mit 45 Km/h. Deshalb lautet unsere Forderung Tempo 30 im Zentrum. Die Menschen im Dorfzentrum bzw. auf den stark frequentierten Straßen tragen die ganze Last des Verkehrs. Insofern ist es nicht uninteressant, dass genau jene Gemeinderäte, die ganz oben im Dorf wohnen, die vehementesten Gegner von Tempo 30 sind. Man muss bedenken, dass im Dorfzentrum die Schulkinder und die älteren Leute sowie die Busse unterwegs sind und da gibt es ein Sicherheitsproblem. Wenn ich die Bauerngasse hinunterfahre und das mit 30 anstatt mit 50 km/h, geht es um ein paar Minuten. Wenn das zu einem politischen Aufschrei führt, dann habe ich mit dem Verständnis dieser Personen ein Problem. Mir geht es um Verkehrssicherheit und um den Lärm, den die Anrainer haben nur wenige Meter davon ihre Wohnzimmer. Es fahren im Monat bis zu 45.000 Verkehrsteilnehmer. Ich bekomme dazu sehr viel Echo von den Bürgern und bei einem 30er im Zentrum wird die Welt nicht untergehen.
Wie steht es aktuell um den Dorfbus?
Wir haben zuerst das Dorftaxi installiert, um für die älteren Mitbürger eine Alternative anzubieten. Das wird recht gut angenommen, es ist jedoch nur für einen Teil der Bevölkerung gedacht. Das ist der Notnagel und anschließend ist das gemeinsame Projekt mit der Gemeinde Rum gescheitert. Es gibt aber natürlich Alternativen dazu. Wir werden bei diesem Thema als Grüne ganz klar dranbleiben, denn wenn man den Verkehr im Zentrum reduzieren will, dann muss ich eine Alternative haben und das kann nur ein Dorfbus sein. Das ist unser Ziel und da bin ich sehr dahinter.
Wie schaut es beim Thema Radwege aus?
Da bin ich offensichtlich der Einzige, der sich dahinterklemmt. Grundsätzlich hat der Radverkehr ein enormes Potenzial. Es ist noch vieles möglich. Was uns fehlt, sind Verbindungsstücke. Wenn die Verbindungsstücke geklärt sind, dann kann man die Wege beschildern und dann braucht es diese Radelboxen an den Schnittstellen mit dem öffentlichen Verkehr.
Sie werden für das Amt des Bürgermeisters kandidieren. Warum tun Sie sich das in ihrem Alter noch an?
Ich werde als Kandidat antreten, denn demokratiepolitisch sollte zumindest ein bisschen eine Auswahl sein.
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