Rotwild-Fütterung bei Waldbesitzern umstritten

Junge Bäume kommen auf Kühweger Alm kaum hoch
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KÜHWEG (lexe). "Der komplette Wald ist unbrauchbar", Albert und Elise Patterer, Anteilhaber der Agrargemeinschaft Kühweger Alpe, sind aufgebracht: "Als Waldbesitzer kann man den WOCHE-Artikel vom 7.3.2018 ‚Aufregung wegen Stöberjagd‘ nicht einfach so im Raum stehen und unerwidert lassen." Die auf der Kühweger Alm umstrittene, genehmigte Fütterung durch Aufsichtsjäger Edi Rainer führt nach Meinung der Patterers "zu mehr Schäden!" Waldschäden durch Wild bringen neben dem Wertverlust des Baumholzes weitere Kosten und großen Aufwand bei der Schadensmeldung.

Kein Nachwuchs

Albert Patterers Waldanteil ist von Schälschäden betroffen: "Der komplette Wald ist unbrauchbar. Alles muss abgeholzt werden." 50 bis 60 Jahre Baumwuchs waren somit "umsonst". Den ehemaligen Holzhändler stimmt der Zustand traurig: "Wir versuchen unseren Wald zu pflegen! Wir wollen unserer Jugend einen geordneten Waldnachwuchs hinterlassen." Keimlinge von der Tanne werden z.B. vom Rotwild gerne schon im ersten und zweiten Jahr vertilgt. Die Nachzucht steht auf wackligen Beinen."Wir haben große Schwierigkeiten einen Jungwald aufzubringen."

Gefahr für Wald

Patterer weiß, wovon er spricht: "Ich bin mit Holz aufgewachsen und beim Holz geblieben. In der Pension habe ich meine Liebe zum Wald entdeckt!" Jetzt sieht er den Wald in Gefahr. Die Lösung der Patterers: "Die Rotwildpopulationen müssen ehest drastisch dezimiert werden und das kann nur durch vermehrte Abschüsse gelingen."

Kein leichtes Unterfangen

Grundsätzlich gilt: Jagdpächter oder Jagdgesellschaft sind für Schäden durch Wild verantwortlich. Diese werden vom Waldbesitzer dem jeweiligen Hegeringleiter gemeldet. Dann braucht es eine Einigung über den Schaden mit dem verantwortlichen Jäger und einen Sachverständigen der Landwirtschaftskammer (LK). Richtlinien zur Schätzung hat das Bundesamt und Forschungszentrum erarbeitet. Diese Vorgaben bestimmen den Grad der Verbiss- und Fegeschäden und Schälschäden.

Wert eines Baumes 

Den Wert der Bäume legen Tabellen der Landwirtschaftskammer fest. So z.B. bei Einzelbaumschäden einer Fichte, Wuchsalter 15 bis 65 Jahre, müssen u.a. Schädigungsgrad, Bestandsalter, Standortgüte (bestimmt nach Alter und Baumhöhe), Bestockungsgrad (sehr dicht oder normal) bewertet werden. Da setzen die LK-Tabellen Bäume, je nach vorangegangener Bewertung, ab 0,39 Euro an.

Leserbrief

Zu unserer WOCHE-Titelgeschichte von Ausgabe 10 erreichte uns folgender Leserbrief von Anteilhaber der Agrargemeinschaft Kühweger Alpe, Albert und Elise Patterer: 

"Als Waldbesitzer kann man Ihren Artikel vom 7.3.2018 „Aufregung wegen Stöberjagd“ nicht einfach so im Raum stehen und unerwidert lassen.

Grundeigentümer sind vom Gesetz her verpflichtet, Waldbestände zu erhalten, das heißt Altbestände zu ernten und Jungkulturen zu pflanzen bzw. die natürliche Verjüngung des Waldes zu fördern. Dies bedeutet für den Waldbesitzer unheimlichen Arbeitsaufwand und Mühen ( Jungpflanzen in Handarbeit setzen, jahrelang während der Wachstumsperiode von Unkraut freihalten, im Spätherbst jährlich jede einzelne Pflanze vor Wildverbiss schützen, teilweise Pflanzen einzeln mit einem Pflock stützen, junge Laubbäume mit einem Schutzgitter versehen… ). Wenn dann junge Bäumchen nach vielen Jahren zu Bäumen werden, und nicht vorher der Borkenkäfer einen Baum vernichtet, durch Sturmböen oder viel Schnee Bäume umgedrückt werden oder andere Katastrophen das Wachstum der Bäume verhindern, kann wohl von Glück gesprochen werden.

Waldbesitzer leisten also mit ihrer Pflege der Waldbestände einen großen Beitrag für die Umwelt. Der Wald ist für uns Menschen lebensnotwendig als Sauerstofflieferant, regelt den Wasserhaushalt, bietet Erholungsraum, was für den Tourismus in unserer Region von großer Bedeutung ist. Der Wald kann als Wirtschaftsfaktor, sowohl für den Waldbesitzer, als auch für die Wirtschaft allgemein gesehen werden.

Wenn man die Wälder des Gailtales näher betrachtet, so ist man wohl von einem „geschlossenen Wald“ weit entfernt. Viele Lücken klaffen und müssen aufgeforstet werden, will man einer Verkarstung entgegenwirken. Borkenkäferplage, Schneebruch und Sturm haben den Wäldern sehr zugesetzt.

Das Aufforsten ist in den letzten Jahren zu einem schier unmöglichen Unterfangen geworden.
Schuld daran sind die gebietsweise sehr hohen Rotwildbestände. Die Verbissschäden sind trotz Schutz durch Wildverbissmittel enorm und die Schälschäden an jungen Bäumen werden immer gravierender.

Die viel kritisierte Bejagung während der Schonzeit im Eggerforst kann wohl als letzter, wenn auch grausamer Ausweg angesehen werden.

Die Rotwildpopulationen müssen ehest drastisch dezimiert werden und das kann nur durch vermehrte Abschüsse gelingen. In den letzten Jahren wurde das Wild durch die Jägerschaft in teilweise milden Wintern gefüttert, wodurch die natürliche Auslese nicht stattfand. Noch dazu wurden gebietsweise die Abschusspläne jahrelang nicht eingehalten, was dazu geführt hat, dass jetzt viel zu viel Wild in unseren Wäldern sein Leben fristet. Es darf wohl auch hinterfragt werden, wozu es einen Jagdbeirat und Behörden gibt, die Abschusspläne erstellen und zu kontrollieren hätten, ob diese eingehalten werden. Es ist wohl alles ein wenig aus dem Ruder gelaufen.

Dass das Erlegen von Rotwild in der Schonzeit für Edi Rainer, Aufsichtsjäger und Jagdpächter der Kühweger Alm, unverständlich bleibt, ehrt ihn wohl als sogenannten „Moralapostel“ , er will aber nur die eine Seite der Wahrheit sehen. Er beschickt die Fütterung, die sowohl durch die Behörde, als auch von Seiten der Nachbarschaftsanteilhaber umstritten bleibt, und brüstet sich damit, dass durch sein Füttern die Schäden auf der Kühweger Alm zurückgegangen wären. Dies ist nicht wahr. Es gibt sehr wohl enorme Schälschäden auf der Kühweger Alm. Durch diese letzte Fütterung im Gailtal wird noch mehr Rotwild von angrenzenden Jagdgebieten angelockt, was dann zu noch größeren Schälschäden in den Einstandsgebieten auf der Kühweger Alm führt. Es muss auch festgestellt werden, dass Edi Rainer sich leider in den letzten 10 Jahren, was seine jagdlichen Tätigkeiten auf der Kühweger Alm betreffen, in erster Linie als „Heger und Pfleger“ aber nicht als Jäger, was man auch zu sein hat, wenn man eine Jagd pachtet, gesehen hat. So nahm die Rotwildpopulation auf der Kühweger Alm immer mehr zu und hat jetzt ein Ausmaß errreicht, wo auch mehr Abschüsse getätigt werden müssten, damit ein gutes Gleichgewicht Wald / Wild erreicht werden kann." ENDE

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