Cobraeinsatz war nicht gerechtfertigt

Das waren noch glückliche Zeiten: Martin Hewelt, 26, mit seinem zweijährigen kinderliebenden Schäfermischling Osiris
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Im Vermisstenfall Julia Kührer erhofften sich Ermittler des Bundeskriminalamtes nach einer Telefonüberwachung den ersehnten Durchbruch. Die Vermutung: mögliche brandgefährliche Täter bzw. Komplizen entdeckt zu haben.

BEZIRK (sch). Martin Hewelt wurde bei einem spektakulären Einsatz in Gars festgenommen. Die Tür der Wohnung wurde aufgebrochen, obwohl er gesagt hatte, dass er sie aufsperren würde. Dann wurde er niedergetreten, menschenunwürdig. Obwohl er die Hände in die Höhe gehalten hat, wurde er am Boden fixiert, sein Hund erschossen. „In einer Art und Weise, wie ich es noch nie gehört habe - nämlich von drei Personen mit drei Waffen - mit insgesamt 18 Schüssen“, ist sein Anwalt Johannes Öhlböck empört. „Davon zwei mit einer Pumpgun, die man üblicherweise bei der Cobra dafür verwendet, um Türen aufzuschießen - die haben eine enorme Waffenwirkung und eine große Sprengkraft. Dann, in mehreren Feuerstößen, mit insgesamt 15 Schüssen aus einem Sturmgewehr, das ist eine militärische Waffe, mit Kaliber 9 mm, und den abschließenden Schuss mit einer Pistole Kaliber 9 mm.“ Die Frage, warum braucht die bestausgebildetste österreichische Exekutiveinheit, die Cobra, 18 Schüsse und drei Personen, um einen zweijährigen, gutmütigen Schäfermischling zur Strecke zu bringen, befasst Öhlböck.

Schäfermischling war ängstlich
Es soll ein gutmütiger Hund gewesen sein und im Wesentlichen ein Feigling. Vorm Postler hätte er sich gefürchtet und regelmäßig angepinkelt. Öhlböck betroffen: „Die hatten einen Hundeführer dabei - warum konnte der den Hund nicht bändigen? Das ist ja nicht irgendwer, das ist die Cobra. Hatten sie Angst vor dem Hund, wieso mussten sie 18 Mal schießen - haben sie nicht getroffen? Das ist eine Frage, die man berechtigt stellen muss und das Oberlandesgericht Wien hat jetzt festgelegt, dass sämtliche Beschlüsse, die zur Durchsuchung, zur Festnahme respektive zur Telefonüberwachung des Martin Hewelt im Vorhinein betrachtet notwendig waren, rechtswidrig sind.“ Darüberhinaus sind auch die Daten der Telefonüberwachung zu vernichten.

So etwas kommt nicht oft vor
Das ist eine spektakuläre Geschichte, so etwas kommt nicht besonders häufig vor: „Es ist eine Sauerei, was da passiert ist“, sagt er.
Was ist es wert, einen Hund nicht mehr zu haben, den man vorher gehabt hat? Den man geliebt hat, die Beziehung mit der Freundin war beendet und der Hund war der einzige, der auf ihn am Abend gewartet hat - der wichtig war für ihn. Was ist es wert, dass man nicht Abschied nehmen darf von dem Hund? „Der Martin wollt Abschied nehmen und hat gefragt, wo ist der Hund? Da hat ein Beamter gesagt: ,Brauchst dich nicht kümmern, den hamma in die nächste Mülltonne geworfen.‘ Diese Erniedrigung muss man sich nicht gefallen lassen. Der Martin hat ein Trauma. Wir haben gesagt, nur schnelles Geld ist gutes Geld.Wenn innerhalb einer bestimmten Frist 12.000 € von der Republk Österreich bezahlt werden, ist es erledigt, wenn nicht, wird es ganz sicher eine Amtshaftungsklage geben.“

Staatsanwaltschaft verteidigt Entscheidung
„Auch aus heutiger Sicht war die damalige Entscheidung grundsätzlich richtig. Mit dem damaligen Ermittlungsstand war es erforderlich, diese Hausdurchsuchungen zu machen“, sagte Karl Schober, Leiter der Staatsanwaltschaft Korneuburg im Gespräch mit den Bezirksblättern.

Autor:

H. Schwameis aus Horn

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