27.11.2017, 10:02 Uhr

Der K(r)ampf um La Gioconda

Die Stars des Abends: Viktor Antipenko als Enzo und Elena Mikhailenko als Gioconda (Foto: TLT/Larl)

Ein wunderbares musikalisches Erlebnis stand einer misslungenen Inszenierung gegenüber.

INNSBRUCK. Es gibt drei Gruppen von Opernpublikum: Die erste kommt großteils wegen der Inszenierung in die Oper. Wenn Sie zu dieser gehören, können Sie getrost daheim bleiben. Wenn Sie wegen der inszenierten Musik eine Aufführung besuchen, so werden Sie sich an der gebotenen Musik erfreuen und sich über die Inszenierung ärgern. Wenn Sie aber die misslungene Regie, Ausstattung und Inszenierung des ungarischen Regieduos Szemerédy und Parditka kalt lässt, dann erleben Sie eine musikalische Sternstunde am Tiroler Landestheater.

Francesco Rosa am Pult des TSOI lässt kantig musizieren und verwebt die Streicher spannend mit den akzentuierten Bläsern. Die Tempiwahl und die Dynamik erklingen spätromantisch opulent und verhelfen den Sängern zu Höhenflügen. Allen voran Elena Mikhailenko als Gioconda. Ihre Stimme kam nie an die Grenzen, kraftvolle, klare dramatische Höhen, gefühlvolle Pianissimi in allen Lagen, wunderbar. Genauso wie ihre Widersacherin Laura, gesungen von Jennifer Feinstein. Ihr strahlender Sopran überzeugte. Mezzosopranistin Anna Maria Dur in der Rolle der blinden Mutter gefiel außerordentlich, auch Marian Pop als Spitzel Barnaba ließ stimmlich und schauspielerisch keine Wünsche offen. Viktor Antipenko als Enzo stellte sich als hinreißend besetzt heraus, sein lyrischer, kraftvoller Tenor in allen Höhen begeisterte das Publikum. Erwähnenswert noch Dominic Barberi als Badoèro. Chor und Extrachor sangen gut einstudiert, litten aber unter der Regie.

Fazit: Eines der besten musikalischen Ereignisse und eine der schlimmsten  Regiearbeiten seit langem. Jubel für die Musik und laute Buhrufe für die Regie. Zu Recht. 
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