Kintsugi & Urushi
Yamuna Valenta restauriert mit japanischer Technik

Yamuna Valenta beherrscht die Kunst des Kintsugi. | Foto: Tobias Schmitzberger
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Durch die Kunst des Kintsugi repariert Yamuna Valenta nicht nur kaputte Gegenstände, sie wertet sie auch auf.

WIEN/JOSEFSTADT. Eine Tasse fällt herunter, man stößt mit dem Teller ungeschickt am Waschbecken an und schon hat man den Salat. "Es ist schnell etwas kaputt gemacht", sagt Yamuna Valenta. "Aber das Reparieren dauert länger." Das sei wie in einer zwischenmenschlichen Beziehung, in der man für "ein einziges falsches Wort gleich fünf Sätze braucht, um den Sprung wieder zu kitten".

Doch das ist nicht schlimm, im Gegenteil: Ist der Schaden erst einmal behoben, kennt man sich danach vielleicht etwas besser. Die Reparatur ist in dieser Sichtweise keine Schadensbegrenzung, sondern wertet eine Beziehung langfristig auf und kann sie sogar vergolden.

Lack aus Japan

So lässt sich die Philosophie des Kintsugi beschreiben, die Valenta verfolgt. Dabei geht es um Reparaturen. "Mir ist der Nachhaltigkeitsgedanke wichtig", so Valenta. "Man muss nicht alles neu kaufen." Außerdem können reparierte Gegenstände sehr schön sein. Das beweisen die Keramikwaren, die sie in ihrem Atelier in der Strozzigasse 27 repariert.

Yamuna Valenta in ihrem Atelier in der Strozzigasse 27.  | Foto: Tobias Schmitzberger
  • Yamuna Valenta in ihrem Atelier in der Strozzigasse 27.
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"Ich verwende dafür Urushi", sagt sie. "Dieser wird auch Japanlack genannt." Das Material stammt aus Bäumen und wird ähnlich wie Harz gewonnen: Man schneidet das Holz auf und entnimmt die zähe Flüssigkeit, die austritt. Mit einer speziellen Technik richtig verarbeitet, klebt diese enorm gut und kann gebrochene Keramikteile wieder verbinden.

Gut Ding braucht Weile

"Das Kleben ist ein langer Prozess, in dem man viele Schichten aufträgt und sie zwischendurch immer wieder trocknen lässt", erklärt Valenta. Das Zusammenkleben einer gebrochenen Tasse dauert so schonmal zwei bis drei Monate. "Meine Kundschaft bringt vor allem besondere Stücke zu mir, zum Beispiel das Erbstück von der Oma."

Eine sehr feine Arbeit.  | Foto: Tobias Schmitzberger

Die Kosten messen sich daran, wie viele Zentimeter lang ein Sprung ist. Außerdem können geklebte Sprünge verziert werden, indem Valenta Gold oder Messing aufträgt. Die Reparatur einer Espresso-Tasse mit vergoldetem Kitt kostet etwa circa 150 Euro, mit Messing 50 Euro. Allerdings repariert die 38-Jährige auch Ikea-Tassen um einen Euro: "Es geht darum, die Dinge weiterleben zu lassen. Jeder Bruch ist individuell und wertet einen Gegenstand auf."

Die Urushi-Technik hat sie in Japan gelernt. Dort hat sie im Zuge ihres Industrie-Design-Studiums viel Zeit verbracht. Sie wollte eine Technik lernen, um Dinge länger verwendbar zu machen. So kam sie auf Kintsugi und Urushi.

So schaut ein repariertes Gefäß aus.  | Foto: Tobias Schmitzberger
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Nun bietet sie auch Kurse an, in denen sie diese Techniken lehrt. "Es ist spannend, was es mit den Leuten macht, wenn die Reparatur so lange dauert", sagt sie. "Aber ich will auch ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Nachhaltigkeit wertvoll ist."

Zur Sache

Aktuelle Kurstermine bei Valenta findet man online unter www.kintsugi.wien. Wer etwas zu reparieren hat, kann sich unter 0650/242 15 69 melden.

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Eine sehr feine Arbeit.  | Foto: Tobias Schmitzberger

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