07.06.2018, 12:50 Uhr

7. Juni 2018: Und dann kam Sigi Maurer

Elisabeth Schwenter, Redakteurin
WIEN. Eine junge Frau hat in kurzer Zeit dem widerlichen Treiben eines Ladenbesitzers in der Josefstadt den Garaus gemacht. Offenbar droht und schimpft der Mann nämlich gerne, anscheinend ist er ein frauenverachtender Zeitgenosse. Es scheint, als hätte er sich damit wohl und sicher gefühlt – ein bisschen zu sicher.

Doch dann kam Sigi Maurer – und das Leben des Mannes hat sich schlagartig gedreht. Ein Facebook Posting war dazu notwendig, ein paar Minuten und die Lawine rollte. Sigi Maurer, die ehemalige Grüne Parlamentarierin, hat etwas auf Facebook veröffentlicht, weil sie nicht akzeptieren wollte, dass man ihr droht, sie beschimpft und demütigt. Also hat sie geschrieben: „Ich möchte euch heute etwas über L. erzählen.“ Dann hat Maurer obszöne und beleidigende Nachrichten, Drohungen vom Facebook-Account des Mannes aus der Josefstadt, die sie in einer privaten Nachricht bekommen hat, an die Öffentlichkeit gebracht. Ja darf sie denn das? Der Mann hat Maurer nun verklagt.

Auch wenn man uns droht - wir müssen es Maurer gleichtun!

Jetzt lacht der Mob. Die, die Maurer (und einer Menge anderer Frauen) insgeheim genau das wünschen, womit ihr der Mann gedroht hat. Und Maurer soll zum Schweigen gebracht werden. "Das ist doch die mit dem Mittelfinger. Der geschieht das eh Recht", ist sich der Mob sicher. Und Maurer ist nun auch rechtlich in einer schwierigen Situation. Männer, die solche Nachrichten verschicken - privat, per SMS oder Messenger, bewegen sich in einem rechtlich absurd sicheren Bereich. Denn es liegt nun an Maurer, zu beweisen, dass diese Nachrichten von eben diesem Mann kamen, um sich gegen seine Klage zur Wehr zu setzen. Er klagt auf Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte. Das ist kaum zu fassen.

Würde jede Frau wie Sigi Maurer handeln, würden wir alle die großen und kleinen Schweinerein, die wir täglich erfahren, von denen wir hören und die wir ertragen müssen, öffentlich machen, das Lachen und die Häme über diese Demütigungen würden irgendwann verstummen. Dazu braucht es Courage und Rückhalt von anderen. Das müssen wir bereit sein füreinander zu leisten. Dann lachen wir, nicht der Mob.

Alle Blog-Einträge:

Lesen Sie alle anderen Blog-Beiträge auf www.meinbezirk.at/stadtlich
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.