Jakob Gasteiger - Alfred Haberpointner. Zwischen Bild und Skulptur und Manfred Bockelmann "en passant"

Alfred Haberpointner im Schloss Ebenau (c) Galerie Walker
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Wo: Schloss Ebenau, Weizelsdorf 1, 9162 Weizelsdorf auf Karte anzeigen

Zwischen Bild und Skulptur
Jakob Gasteiger und Alfred Haberpointner

In der Sommerausstellung 2017 im Schloss Ebenau werden drei spannende Künstlerpositionen gezeigt, in denen einstige Grenzen zwischen den Kunstrichtungen ausgelotet und überwunden werden. In einer radikal modernen Haltung, die in den Anfängen vom Minimalismus geprägt ist, verweigern die Künstler das Einbinden eigener Emotionalität zugunsten einer anonymen Handschrift, die im Material selbst ihre wahre Aufgabe findet. Das Material, ob Acrylfarbe oder Holz, ist zugleich Darstellungsmittel wie Darstellungsgegenstand. Ihre Kunst stellt Fragen nach dem, was ein Bild, eine Skulptur, eine Zeichnung sind – welche Aufgabe sie zu erfüllen haben und welche die Aufgaben des Betrachters sind – und findet sich in diesen Fragen nach sich selbst. Eine Rückkehr zu den immerfort gleichen Handlungen, in ihrer Formbeständigkeit, führt über die Veränderungen in den Individuen selbst zu einem postmodern anmutenden Variantenreichtum im Werk der drei Künstler. Der Entstehungsprozess, ob im Furchen von Acrylmasse durch Rakeln, oder Aufhacken einer Holzplatte durch eine Axt, bleibt als sinnlich fühlbare Verankerung in der Zeit bestehen. Das Schloss Ebenau mit seinen in sich geschlossenen Raumsituationen, dem Schlossgarten und dem Gartenhaus, die jeweils ein anderes Ambiente auszeichnet, lässt zu, dass die Werke der drei Künstler entweder ganz für sich wirken oder, wenn man das möchte, durch fein abgestimmte visuelle Übergänge in eine spannende Zusammenschau treten.
Im Rahmen der Ausstellung im Schloss gelangt nun zeitgleich ein Projekt zur Umsetzung, das schon längere Zeit in Vorbereitung ist: Im Kunstraum Walker in Klagenfurt werden eine größere sowie kleinere Arbeiten von Jakob Gasteiger zu sehen sein; ebenso ein Diptychon von Alfred Haberpointner. Durch den Blick in das “Schaufenster“ des Kunstraums wird so ein Querverweis lesbar, der zu dem führt, was in konzentrierter Form im Schloss Ebenau zu sehen ist.

Jakob Gasteiger (geb. 1953 in Salzburg) studierte 1970-1974 Bühnenbild an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Salzburg und besuchte ab 1976 in Wien die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt. 1990 erhält er den Faistauer Preis für Malerei. In den 1980er Jahren beginnt er eine künstlerische Richtung einzuschlagen, die zu den „Neuen Wilden“ einen Gegenpol darstellt und sich an der Radikalen Malerei orientiert. Dabei geht es um die Thematisierung von Malprozess und Malerei ohne jeden ikonographischen Anspruch, in einer non-narrativen Form, ohne Ausdruck der eigenen Befindlichkeit. Mit gezahnten Rakeln aus Kartonstreifen wird die zumeist monochrome Acrylmasse auf der Leinwand durchzogen, wodurch Grate und Furchen entstehen, die durch das einfallende Licht den Charakter einer Zeichnung, aber auch eines Reliefs erhalten. Diese Formsprache behält der Künstler in einer aus sich selbst schöpfenden Monotonie über 15 Jahre bei. Die Furchen sind zumeist horizontal und vertikal gezogen, auch in Kombination, manchmal in Schwüngen und Bögen. Die monochrome Bildfläche wird durch die Vermengung der gefurchten Farbe mit der noch nassen, andersfärbigen Grundierung aufgebrochen; in den letzten Jahren werden einzelne Farben in einem Bild nebeneinander gesetzt. Der Künstler verwendet Lack auf seinen Bildern, um ein nüchtern-reduziertes Liniengeflecht zu erzeugen. Parallel dazu schafft er Papierarbeiten aus Kohlepapieren, die großflächig, als Installationen, auf die Wand geklebt werden. Ab dem Jahr 2000 entstehen Skulpturen aus gegossenem Aluminium. Diese zeichnen sich durch ihre Einzigartigkeit aus – in Sekundenschnelle wird das Aluminium gegossen und erzeugt eine einmalige, unwiederholbare Form. Diese Arbeitsweise, die den Zufall verstärkt als formgebend einbindet, bildet einen Gegensatz zum Ziehen der Farbe mit der Rakel und dem damit verbundenen längeren, konzentrierten Prozess. In den letzten Jahren vermischt der Künstler die Acrylmasse mit Glassplittern, Kupfer oder Aluminium, wodurch die Bilder glitzern; so, als würde ihrem choralartigen Farb- und Formklang eine neue Stimme hinzugefügt.
Bis zum 26. Februar 2017 wurde eine Einzelausstellung von Jakob Gasteiger in der Residenz des Salzburg Museums gezeigt – einige Werke daraus sind in Weizelsdorf zu sehen.

Alfred Haberpointner (geb. 1966 in Ebenau bei Salzburg) besuchte von 1980-1984 die Fachschule für Bildhauerei in Hallein und anschließend die Hochschule für Gestaltung in Linz. 1997 erhält er den Theodor-Körner-Preis. Für seine künstlerische Ausdrucksform wählt er neben dem Werkstoff Holz, der ihn hauptsächlich beschäftigt, auch Bronze und Metall. Auf eine modernistische Weise versteht es der Künstler, jene Quellen in sich anzusprechen, die traditionslos, nicht-anekdotisch und nicht-historisch sind, um zu einer innovativen, abstrakten und auf sich selbst bezogenen Lösung zu gelangen. Sein Interesse gilt minimalistischen Künstlern und Kunstwerken, wobei er sich in seinen unterschiedlich bearbeiteten Kopfformen (teilweise ein- und zerschnitten, mit grober oder feiner Struktur überzogen, mit Nägeln beschlagen) einem Thema zuwendet, das berührt. Gerade in der konzentrierten Bearbeitung der Kopfformen, gleichmütig gegenüber ihrer Konnotation, zieht der Künstler die Bedeutungsschwere des Objektes hin zu einer haptisch ansprechenden, in frischer Anonymität sich wiederholenden abstrakten Form. Seine Wandobjekte, an der Grenze zwischen Bild und Skulptur angesiedelt, nennt er selbst „Zentrierungen“ oder „gehackte Objekte“, wobei es hier durch den zusätzlichen Farbauftrag und den zentral zusammenlaufenden Hackspuren zu einer räumlichen Illusion von Tiefe oder Höhung kommt.
Vom 21.05 bis 01.10. 2017 sind Skulpturen von Alfred Haberpointner in der diesjährigen Ausstellung der „Blickachsen 11“ in Bad Homburg zu sehen, die in Zusammenarbeit mit dem Museum Liaunig gestaltet wird.

En passant

Manfred Bockelmann

Mit Manfred Bockelmann wird die diesjährige Sommerausstellung abgerundet. Der Skulpturengarten des Schlosses Ebenau mit dem kleinen, romantischen Gartenhaus sowie das Dachgeschoß des Schlosses sind bis in den Frühherbst hinein das Refugium für Werke von Manfred Bockelmann, die rund um blaue Blätter, Wurzeln und Baumstämme kreisen.
1943 in Klagenfurt geboren, konzentrierte sich der Künstler nach einer Karriere als Fotograf ab 1974 ganz auf die Malerei und wählte schon früh die Landschaft als sein zentrales Thema. Dies mag mit der sinnlichen und tiefgreifenden Erfahrung der eindrucksvollen Umgebung zu tun haben, die ihn als Heranwachsenden auf dem elterlichen Gutshof umgab. In dieser Zeit dürfte sich ein geschärfter Blick für die kleinsten Veränderungen und unbemerkten Besonderheiten der Natur ausgeprägt haben, für ihr ständiges Werden und Vergehen, sodass der Künstler uns heute durch seine Arbeiten, praktisch im Vorbeigehen – „en passant“ – wunderbare Ausschnitte einer im großen Getümmel verborgenen Welt präsentieren kann. Der Künstler zeigt eine Serie von Kohlearbeiten, in denen das Hauptaugenmerk auf der akribischen, groß dimensionierten Erarbeitung eines einzelnen blauen Baumblattes liegt, das durch seinen Schatten eine räumliche Bezugsebene auf der Leinwand erhält. Das Blatt, das sich oftmals schon dem Verwelken zuneigt und da und dort Risse und Löcher aufweist, wird zum Protagonisten und alleinigen Akteur der Darstellung. Unser Blick wird für das sensibilisiert, was wir zwar kennen, aber kaum wahrnehmen, so der Künstler. Oftmals in Gärten und Parks als lästig empfunden, erhält das Laubblatt durch seine blaue Färbung ein eigenes Wesen und eine starke, zugleich immaterielle Körperlichkeit. Blau steht in diesem Zusammenhang für Zuversicht, Heilung, Unendlichkeit und das Göttliche. Das Vergehen und Verwelken soll jedoch nicht als wehmütig erlebt werden, sondern (dank der künstlerischen Transformation) als ein durch Poesie begleiteter Prozess. So stellt auch die Installation des Künstlers „Das Sterben der Blätter“ im Gartenhaus, wo sich angehäuftes Laub befindet und an der Innenwand ein blaues Blatt hängt, einen Rückzugsort für die Vergänglichkeit dar; inmitten der Blütenpracht der Rosen und der üppig sprießenden Natur im Schlossgarten gibt es hier einen Schutzraum für eine sanfte, lyrische Melancholie, für einen Moment des Anhaltens, ein Aus- und Mitklingen mit dem Kreislauf der Natur. Betritt man das Gartenhaus und wandelt durch den kleinen Raum, so erzeugt das Laub jenes für den Herbst typische Rascheln – eine Natur-Musik, die dem Herbst, umgeben vom prallen Sommer, ein Fenster in der Wahrnehmung öffnet. Neben Arbeiten zum Thema 'Das Sterben der Blätter', die in den letzten beiden Jahren entstanden sind, werden Bilder von Wurzeln gezeigt – im Skulpturengarten wird es im Laufe des Sommers zu kleineren Interventionen an vorhandenem Holzbestand kommen. Auch diese Arbeiten kreisen um die Themen Vergänglichkeit und die Hervorhebung von leicht zu übersehenden Schönheiten unserer alltäglichen Umgebung.

12. Mai bis 3. September 2017

Mai, Juni: Fr bis So 14 – 18 Uhr I Juli, August: Fr bis So 11 – 18 Uhr
nach Vereinbarung: CW 0650 2130505 JW 0664 3453280

A-9162 Weizelsdorf 1 Rosental

www.galerie-walker.at I office@galerie-walker.at

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