Maria-Luise Mathiaschitz will erneut für Bürgermeisteramt kandidieren

Klagenfurts Bürgermeisterin hat in der ersten Hälfte ihrer Amtszeit viel von dem auf Schiene gebracht, was sie vor der Wahl versprochen hat. Und sie hat noch einiges vor.
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  • Foto: Stadtpresse/Fotostudio Stippich
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KLAGENFURT (vep). Im März 2015 hat Maria-Luise Mathischitz ihr Amt als Bürgermeisterin von Klagenfurt angetreten. Zur "Halbzeit" hat die WOCHE sie zum Interview gebeten.

WOCHE: Auf welche Maßnahmen, die Sie als Bürgermeisterin bisher umsetzen konnten, sind Sie besonders stolz?
Maria-Luise Mathiaschitz: In den drei Jahren konnten wir sehr viel von dem, was wir uns vorgenommen haben, auf Schiene bringen. Das Wichtigste war es, die Finanzen der Stadt in Ordnung zu bringen. Und das gelingt auch: Wir sind positiv, seit 2015 hat Klagenfurt kein negatives Maastricht-Ergebnis mehr. Und besonders stolz bin ich, dass wir unseren Schuldenabbau mittlerweile selbst finanzieren können. In der Vergangenheit mussten wir für das Bezahlen der Schulden einen Kredit aufnehmen.

Stolz bin ich auch, dass es mir gelungen ist, in punkto Radnetz-Ausbau das Land mit ins Boot zu holen. Wir haben eine übergreifende Arbeitsgruppe installiert weil auch das Land gesagt hat; Klagenfurt ist wichtig, aber auch die Anbindung an die Umlandgemeinden. Und man sieht, dass hier viel passiert. Eine große Gruppe von Personen macht nun das Radwegenetz in Klagenfurt deutlich attraktiver.
Froh und stolz bin ich auch über die unterschiedlichen Färbungen.
Aber genauso über das Beleuchtungskonzept. Ich habe gleich zu Beginn als Finanzreferentin 500.000 Euro nur dafür bereitgestellt und einen Plan eingefordert, nach dem wird nun alle Altlasten über die nächsten Jahre abarbeiten. In Viktring gab es zum Beispiel Straßen, die seit 20 Jahren unbeleuchtet waren.

Was noch?
Erstmals seit 15 Jahren kauft die Stadt wieder Grundstücke an. Das ist sehr wichtig, um Reserven für Wohnbau, Gewerbe und andere Dinge zu haben. Die Stadt hatte fast keine Grundstücke mehr und wir versuchen nun, Grundstücke, die für die Strategie der Stadt wichtig sind, anzukaufen, wenn sie am Markt verfügbar sind.

Zudem haben wir viele ungelöste Probleme der Vergangenheit gelöst; die Rechtssicherheit für das Stadion, aber auch die Seebühne haben wir entfernt und konnten zuletzt auch den Standort für das neue Hallenbad fixieren. Auch die Lösung der Keltenstraße ist nun in der Umsetzung. Dabei haben wir verschiedene Formen der Bürgerpartizipation angewandt. Auch das Leitbild für die Stadt wurde mit der Bevölkerung gemeinsam erarbeitet und wurde einstimmig im Gemeinderat angenommen.

Um Projekte wie Kardinal- und Pfarrplatz ist es aber sehr ruhig geworden...
Das ist in Umsetzung. Derzeit werden die Grundlagen für ein zweistufiges Verfahren erarbeitet, mit dem ein Architektenwettbewerb für den Pfarrplatz ausgeschrieben werden soll. Mit dem Kreis, der damals mitgearbeitet hat, wird noch eine Feinabstimmung erfolgen, das Grobkonzept sollte heuer noch fertig werden.

Als Maßnahme zur Innenstadtbelebung sprachen Sie sich vor der Wahl für mehr Wohnraum innerhalb des Ringes aus...
Sie haben Recht, es ist uns noch nicht gelungen, dass die Sanierung von Altbauwohnungen zum größeren Bestandteil von Wohnbauförderungen werden. Es wäre wichtig, sozialen Wohnbau in die Stadt zu bekommen. Es gibt allerdings nun Gespräche, die Wohnbauförderung anzupassen.

Was braucht es Ihrer Meinung nach noch für die Belebung der Innenstadt?
Kunst und Kultur im öffentlichen Raum, um eine andere Atmosphäre zu schaffen. Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, die positive Begleitmaßnahmen zu einem Shoppingtag ermöglichen: Also gute Gastronomie, Kunst und Kultur. Und ganz wichtig: Angebote für Kinder.

Welche Maßnahmen möchten Sie bis zum Ende Ihrer Amtszeit unbedingt noch umsetzen?
Was ich gerne noch machen würde, ist ein stärkeres Augenmerk auf den Lendhafen zu legen. Es ist schon viel passiert mit der Sanierung, es gibt auch viele private Initiativen und jene von Kunstvereinen sowie Startups. Beim Lendkanal und Lendhafen werden wir die nächste Zeit noch intensiv darüber nachdenken müssen, wie wir ihn noch stärker in die Stadt hereinziehen.

Es gibt ja bereits viele Ideen zur Lendkanalbelebung?
Ja, wir haben einen moderierten Prozess gemeinsam mit Künstlern und Anrainern durchgeführt, bei dem wir Wünsche und Zugänge gesammelt haben, das geht von einem Dauer-Café über Konzerte, Fingerfood und Lesungen. Das muss aber wachsen, erwzingen kann man das nicht. Aber es muss uns noch gelingen, den Lendkanal besser darzustellen. Wir haben damit etwas einzigartiges in Mitteleuropa, deshalb muss man das noch weiter in Szene setzen.

Und was ist mit den Bemühungen, den Lendkanal stärker zu aktivieren und so Stadt und See miteinander zu verbinden?
Die Schifffahrt zu reaktivieren und damit die Stadt an den See anzubinden wird schwierig, da nur mit speziellen Booten gefahren werden kann. Aber es stellt sich die Frage, ob die Nutzung unbedingt am Wasser sein muss, oder ob man nicht mehr Zugänge zum Wasser schafft. Hier gibt es viele Überlegungen und ich bin mir sicher, dass uns da noch etwas gelingen wird.

Gibt es Falschentscheidungen von Vorgängern, die Sie heute noch einholen?
Ja, die Stadtfinanzen. Aber auch das Stadion. Doch das sehe ich positiv: Es ist da und wir versuchen nun, das Beste daraus zu machen und es multifunktional zu nutzen; für Sport, Konzerte und Kunst. Wir konnten hier ja auch die Rechtssicherheit durch den Vergleich mit den Anrainern erlangen, den ich ausverhandelt habe, weshalb nun auch Konzerte von Elton John, Andrea Berg oder Ed Sheeran möglich sind.

Welcher Klagenfurter Bürgermeister ist für Sie eine Art Vorbild?
Fast jeder hat seine Spuren hinterlassen. Aber besonderen Weitblick hat für mich der Gründer der ersten Fußgängerzone, des Europaparks und Ansiedelung der Uni, Hans Ausserwinkler bewiesen. Zur damaligen Zeit zu sagen, die große Grünfläche wird ein Park und nicht verbaut, das empfinde ich schon als sehr mutig. 

Was "hinterlassen" Sie? 
Ich will mich jedenfalls nicht mit einem Prestigebau verewigen, das brauche ich nicht. Ich will die Stadt in eine positive und sichere Zukunft führen. Für viele Sanierung der Stadtfinanzen nicht "greifbar", aber das war wichtig. Wenn das aus dem Ruder läuft, ist das eine Hypothek für nächste und übernächste Generation.

Als Bürgermeisterin erhält man viele Beinamen, wie Stadtmutter, Stadtchefin... Als was sehen Sie sich eigentlich? 
Ich sehe mich als Koordinatorin und Managerin eines großen Betriebes, bei der die Fäden zusammenlaufen, die aber auch, im Einvernehmen mit anderen, Vorgaben erstellt. Das ist zur Führung eines so großen Betriebes einfach nötig. Denn wenn das Ordnende nicht da ist, driftet alles in viele verschiedene Richtungen. 

Werden Sie ein weiteres Mal als Bürgermeisterin kandidieren?
So wie es jetzt aussieht und wenn ich gesund bin, werde ich sicher ein weiteres Mal kandidieren. Weil einfach so viel im Fluss ist und der Weg, der eingeschlagen wurde, weitergegangen werden soll.

Hintergrund: Ein Auszug der Wahlversprechen vom Jahr 2015

Finanzen: Kassaturz, Schuldenabbau.
Arbeitsplätze: Straßensanierungsoffensive, Grundstückssicherung für Betriebsansiedelungen, Behördenturbo für Unternehmer, Koop. mit Umlandgemeinden.
Bildung und Kinderbetreuung: Förderung von Naturwiss. und Technik ab dem Kindergarten, Bildungscluster (Uni, FH, Lakeside Park, Pädag. Hochschule), Nachmittagsbetreuung in Pflichtschulen, Bildungscampus St. Ruprecht, Neubau KiGa Viktring.
Wohnraum: Leistbares Wohnen v. a. für Jungfamilien, Stadtentwicklungskonzept umsetzen, Schutz Ostbucht und Europapark, Ausbau des leistbaren öffentl. Verkehrs, barrierefreies Klagenfurt, Gratis-WLan, Ausbau der Radwege.

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