Stadtplanung Klagenfurt
"Neues Wohnen Hörtendorf" liegt vorerst auf Eis

Auf den Äckern in Hörtendorf hat die Stadt Klagenfurt in den vergangenen Jahren 45 Baugründe verkauft. Wenn weitere städtische Gründe in Bauland gewidmet werden sollen, muss zunächst ein Hochwasserschutz entlang des Raba-Baches gemacht werden, da die Gründe jetzt in der roten Zone liegen
  • Auf den Äckern in Hörtendorf hat die Stadt Klagenfurt in den vergangenen Jahren 45 Baugründe verkauft. Wenn weitere städtische Gründe in Bauland gewidmet werden sollen, muss zunächst ein Hochwasserschutz entlang des Raba-Baches gemacht werden, da die Gründe jetzt in der roten Zone liegen
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Stockt das "Neue Wohnen Hörtendorf"? Für weitere Bebauung städtischer Gründe war Hochwasserschutz geplant. Dieser liegt nun auf Eis, da er sich nun vielleicht nicht rechnet.

KLAGENFURT (vep). Wende in der geplanten Stadtentwicklung der Landeshauptstadt: Das "Neue Wohnen Hörtendorf" könnte zum Stillstand kommen. Bisher wurden seitens der Stadt auf den Äckern entlang der Hörtendorfer Straße 45 Baugründe verkauft - das sind alle, die zur Verfügung standen, freie Gründe gibt es nun laut Auskunft der Pressestelle im Rathaus keine mehr. Dabei wird es wohl auch vorerst bleiben. Grund: Die Stadt Klagenfurt verfügt in Hörtendorf zwar über weitere Gründe, die für das "Neue Wohnen Hörtendorf" und potenzielle Häuslbauer umgewidmet werden könnten. Allerdings liegen diese in der roten Zone. Seit 2017 berichtete die WOCHE regelmäßig darüber, dass ein Hochwasserschutz entlang des Raba-Baches geplant war, der besagte Gründe aus der roten Zone geholt und somit weitere 40 bis 60 Bauparzellen für das "Neue Wohnen Hörtendorf" geschaffen hätte. Nach Grundsatz- und Planungsbeschluss hat sich die Stadtpolitik zuletzt auf eine Variante geeinigt, die 1,17 Mio. Euro kosten würde.

Hochwasserschutz nun auf Eis gelegt

Nun herrscht laut Hochwasserschutz-Referent, Vize-Bgm. Wolfgang Germ, Stillstand: "Obwohl Beschlüsse erfolgten und für die Planung Geld ausgegeben wurde, wird das Projekt jetzt augenscheinlich auf Eis gelegt." Zunächst hätte Bgm. Maria-Luise Mathiaschitz Bedenken bekundet, das neue Raumordnungsgesetz könne sich negativ auf die geplanten Widmungen der Flächen in Bauland auswirken. Germ: "Jürgen Pfeiler hat auf Anweisung der Bürgermeisterin das Gespräch mit dem Land Kärnten gesucht. In der letzten Gemeinderatssitzung hat er mir dann auf meine Nachfrage hin gesagt, dass man vorerst nicht mehr weiter widmen wolle." 

Zuzug Innenstadt bevorzugt

Zudem habe Germ bzw. sein Abteilungsleiter Gernot Bogensberger von der Abteilung Stadtplanung bereits eine Stellungnahme erhalten, dass die Kostenaufstellung für den Hochwasserschutz nur einen sehr geringen Profit ergeben und die Stadtplanung lieber einen Zuzug im innerstädtischen Bereich bevorzugen würde.
Für Germ unverständlich: "Hochwasserschutz ist prinzipiell immer etwas wichtiges. Vor allem ist es eine Investition in den Schutz der Hörtendorfer und die Zukunft des Stadtteiles." 

Pfeiler: "Kosten/Nutzen genau abwägen - es geht um Steuergeld"

Vize-Bürgermeister und Stadtplanungsreferent Jürgen Pfeiler bestätigt, dass die Weiterentwicklung des "Neuen Wohnen Hörtendorf" nicht um jeden Preis erfolgen wird: "Seitens der Stadtplanung verfolgen wir in der Grundstrategie tatsächlich eine Innenstadtoffensive, um weiterer Zersiedelung entgegenzuwirken." Das finale Gutachten mit der Kosten-/Nutzenaufstellung für Hörtendorf habe Pfeiler noch nicht erhalten. "Dann erst können wir endgültig die politische Entscheidung fällen, ob ein Hochwasserschutz für weitere Widmungen in Bauland tatsächlich Sinn macht. Es darf kein Defizitgeschäft werden, denn wir arbeiten hier mit öffentlichen Steuergeldern." Zudem stelle sich die Frage, wie gravierend die Eingriffe in Ortsbild und Umwelt sind.
Derzeit werden die betroffenen Gründe übrigens an Landwirte verpachtet. Pfeiler: "Grundsätzlich will ich nichts ausschließen, aber wir müssen hier genau abwägen. Zumal wir in Klagenfurt bereits 33 Hektar gewidmetes Bauland und freie Flächen haben."

Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz bekräftigte ebenso, dass sie bzw. die politischen Vertreter weiterhin positiv zu dem Projekt Hochwasserschutz stünden, aber die offene Frage wegen der Raumordnung geklärt werden sowie das endgültige Gutachten rund um Kosten/Nutzen auf den Tisch müsse. Denn, so betont auch sie: "Natürlich muss eine Investition der Stadt auch Sinn machen." 

Germ: "Man wird weiter bauen müssen"

Dass die Investitionen in den Hochwasserschutz nur einen geringen Profit für die Stadt ergeben würde, ist für Germ kein Argument, wenn es um die Weiterentwicklung der Stadt selbst geht: "Ich verstehe nicht, warum man hier einen Rückzieher macht in einem Stadtteil, der noch viel Entwicklungspotenzial hat und in dem man auch noch viel wird bauen müssen. Und die bisherigen Grundstücke in Hörtendorf waren sehr beliebt, es war ein ,Run' darauf."

Im Herbst geht es weiter

Germ will im Herbst, nach der Sommerpause, das Thema erneut im Stadtsenat besprechen. Das begrüßt auch Pfeiler.

Hintergrund: Planung um 65.000 Euro abgeschlossen

Für besagten Hochwasserschutz in Hörtendorf wurde bereits 2017 aufgrund von Ergebnissen einer wasserwirtschaftlichen Studie eines Ingenieurbüros ein Grundsatzbeschluss für den Hochwasserschutz gefasst. Ins Rollen gebracht hat dieses Projekt ursprünglich schon Germs Vorgänger Peter Steinkellner.

Im Herbst 2018 beschloss der Stadtsenat den konkreten Antrag des zuständigen Referenten, Vize-Bgm. Wolfgang Germ, nämlich die "Hochwasserfreistellung und Ausbau der Hochwassersicherheit HQ100 (Anm: 100-jähriges Hochwasser)".

Die Planung ist mittlerweile beendet und erfolgte laut Germ durch die externe Firma CCE. Das habe ca. 65.000 Euro gekostet.
"Im Stadtsenat wurden heuer bereits alle möglichen drei Varianten vorgestellt; ausgesprochen hat man sich für Variante 3, die kleinste Hochwasserschutz-Variante um 1,17 Millionen Euro, die ausschließlich die Gründe der Stadt Klagenfurt und rund 43.000 m3 Fläche betreffen würde", informiert Germ. 

Auch Liegenschaftsreferent StR Markus Geiger hat bereits im Vorfeld Grundstücksverhandlungen geführt. "Größtenteils sind wir mit den Besitzern bereits übereingekommen und haben Lösungen gefunden", sagte Geiger schon Anfang Oktober 2018 gegenüber der WOCHE.

Autor:

Verena Polzer aus Klagenfurt

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