„I‘m a Bad Guy“: Entlarvendes Bild oder manipulative Selbstdarstellung?

Good Guy? Bad Guy? Adolf Schandl im Film.
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Die Meinungen gingen auseinander nach dem Film „I‘m a Bad Guy“ und dem Gespräch über den heute 83-jährigen Stein-Ausbrecher und Karlau-Geiselnehmer Adolf Schandl: Lässt der Film einen Blick auf die wahre Persönlichkeit Schandls zu? Oder hat Schandl die Aufnahmen dazu genutzt, sein Selbstbild als verfolgte Unschuld zum öffentlichen Bild zu machen?

LANGENLOIS (mk) Am 12. September 2018 präsentierte „Literatur im Kino“ im Langenloiser „Vierzigerhof“ den Film „I’m a Bad Guy“ von Susanne Freund. Der Streifen porträtiert Adolf Schandl als Pensionisten: Mit achtzig Jahren will er nach Australien reisen, doch die Behörden des Landes verweigern ihm angesichts von vierzig Jahren Gefängnishaft das Visum. Wieder einmal sieht sich Schandl zu Unrecht verfolgt… Ergänzend zum Film gibt es ein Gespräch mit Autorin und Regisseurin Susanne Freund und Maximilian Edelbacher, ehemaliger Leiter des Wiener Sicherheitsbüros, Fachbuchautor („Wiens dunkle Seite“, Gastdozent und TV-Krimidarsteller („Der Räuber“).

Der Film zeigt über weite Strecken einen vergnügten älteren Herrn bei vielerlei Haushalts- und Freizeitbeschäftigungen, doch hin und wieder blitzen in seinen Erzählungen die Risse und Abgründe seines Charakters auf: seine geradezu manische Ich-Bezogenheit, sein großzügiger Umgang mit der Wahrheit und speziell seine ganz eigene Definition von Recht und Unrecht. Regisseurin Susanne Freund hat offenbar sein Vertrauen gewonnen und ihn zum Erzählen gebracht - was nicht so einfach gewesen sein dürfte. Doch zugleich versucht Schandl das Medium Film zu nutzen, um sich als jemanden darzustellen, der stets und ständig von der Staatsmacht verfolgt wird - angefangen von den ersten Verurteilungen über Strafmaßhöhen, die in seinen Augen Geiselnahmen als Widerstandsmaßnahme rechtfertigen, bis hin zur Nichterteilung des Australien-Visums. Seine Taten reduzieren sich dabei zu einer Art ulkiger Ganovenromantik. Wie mögen sich da seine Opfer fühlen?

Genug Stoff also und genug unterschiedliche Sichtweisen, wie Wolfgang Kühn von „Literatur im Kino“ zufrieden feststellte, um über den Film intensiv ins Gespräch kommen zu können. Und auch die Regisseurin freute sich sichtlich, dass im Anschluss an die Veranstaltung so viele Zuschauer noch diskutierend beieinanderstanden und sich an den Tischen im Hof unterhielten. Bad Guy? Good Guy? Der Film überlässt es den Zuschauern, sich eine Meinung zu bilden - doch ob er für eine zufriedenstellende Antwort genügend Informationen liefert, blieb eine offene Frage.

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