05.10.2014, 15:43 Uhr

Stoff für faires Spiel - Begegnung mit Sri Lanka

Seylina Peiris aus Sri Lanka und Veronika Amon vom Weltladen Krems erzählten über das Land "wo der Pfeffer wächst" und über faire Produktion von Stofftieren.

Sie hat eine Laufbahn als erfolgreiche Juristin und Diplomatin aufgegeben, um Frauen in ihrer Heimat zu helfen, auf eigenen Füßen zu stehen: Selyna Peiris, eine moderne junge Frau, die in Sri Lanka eine zu verschwinden drohende alte Handwerkskunst belebt hat, nämlich das Weben auf Handwebstühlen. Auf ihrer Tour durch einige österreichische Weltläden besuchte sie auch Krems und so durften wir aus erster Hand erfahren, wie aus handgewebter Baumwolle in fairer Produktion bunte Stofftiere entstehen, die im Inland und eben auch in unseren Weltläden verkauft werden.
Sri Lanka ist aber besonders durch den Anbau von Gewürzen berühmt. Das bestätigte auch Veronika Amon, eine Mitarbeiterin des Weltladens Krems, die das Land besucht hat. Bei ihrem Vortrag zeigte sie faszinierende Bilder. Jetzt ist es klar, „wo der Pfeffer wächst“, der seinen Produzentinnen und Produzenten ein gutes Leben durch den Fairen Handel ermöglicht.

Stoff für faires Spiel

Innovatives Design und traditionelle Webtechnik verbinden sich im srilankischen Unternehmen Selyn mit dem Anspruch, sozial wirksam zu sein. Selyna Peiris, Mitarbeiterin im Betrieb, berichtete auf Einladung des Weltladens Krems aus erster Hand.
Sechs bis sieben Meter Stoff pro Tag schafft eine erfahrene Weberin in Sri Lanka am Handwebstuhl. Doch in den letzten Jahrzehnten kommen vermehrt Maschinen zum Einsatz und verdrängen zunehmend die traditionsreiche Technik. Mit dem Niedergang der Handweberei geht auch eine wichtige Erwerbsquelle in vielen Dörfern auf dem Land verloren.

Perspektiven schaffen
Dem wollte die Anwältin Sandra Wanduragala Anfang der 1990er Jahre mit der Gründung von Selyn eine Alternative entgegensetzen. Ihr Ziel: ein wirtschaftlich tragfähiges Unternehmen und gleichzeitig sozialen Mehrwert schaffen, Frauen auf dem Land zu Arbeit und Einkommen verhelfen und eine alte Handwerkstradition lebendig erhalten. Was vor 22 Jahren mit 15 Frauen in Kurunegala im Nordwesten Sri Lankas begann, ist heute ein Betrieb, der an die 1000 Menschen in die Produktion kunterbunter Stofftiere und farbenprächtiger Heimtextilien einbindet. Vom Färben des Baumwollgarns über das Weben bis hin zum Zuschnitt und dem Vernähen werden sämtliche Verarbeitungsschritte von Selyn koordiniert.

Überzeugen durch hohe Qualität
Hohe Qualitätsstandards sind dabei zentral. Die Spielsachen müssen nicht nur vom Design her überzeugen, sondern auch frei von gesundheitsschädlichen Stoffen sein. „Wenn die Qualität nicht passt, werden wir die Produkte langfristig nicht erfolgreich verkaufen“, ist Selyna Peiris überzeugt. Sie ist die Tochter der Gründerin von Selyn, und inspirierte die Mutter zum Namen des Betriebs. Die heute 28-Jährige absolvierte ihre Ausbildung in Sri Lanka, Großbritannien und Österreich. Seit 2013 arbeitet sie bei Selyn im Bereich der Unternehmensentwicklung. „Bei jeder Entscheidung, die wir treffen, denken wir daran, welche Auswirkungen sie auf die Menschen hat, mit denen wir arbeiten“, stellt Peiris fest.

Frauen stärken
Die Angestellten – über 90 Prozent Frauen – profitieren von geregelten Arbeitszeiten, deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn liegender Bezahlung, sie haben Anspruch auf bezahlten Krankenstand und bezahlten Mutterschaftsurlaub – alles keineswegs selbstverständlich in Sri Lanka. Dazu kommen weitere Sozialleistungen wie etwa die Einrichtung einer Kinderbetreuung in einer der Webereien, Bonuszahlungen, zinsenlose Kredite oder medizinische Betreuung. In den letzten Jahren kooperiert Selyn vermehrt mit unabhängigen Werkstätten aber auch Heimarbeiterinnen. Mit der Weitergabe von Know-how, kontinuierlichen Aufträgen und einem fairen Miteinander will man Perspektiven schaffen.

Etwa 60 Prozent der Produktion geht in den Export. Doch auch der heimische Markt ist für Selyn ein Bereich, in dem man noch stärker Fuß fassen will. Selyna Peiris hat dabei ein klares Ziel vor Augen: „Ich möchte, dass Selyn zu einer Marke wird, die nicht nur für ein gutes und modernes Produkt steht, sondern wirklich für und mit den Frauen in diesem Land arbeitet und so zu einer Plattform wird, um auch die Politik gegenüber Frauen in Sri Lanka zu beeinflussen. Ich glaube, das ist möglich. Wir müssen es nur tun!“

Seit 2009 ist Selyn Mitglied der World Fair Trade Organisation. EZA Fairer Handel aus Österreich kooperiert seit 2013 mit dem Unternehmen. In der herkömmlichen Spielzeugproduktion werden oft Menschen- und Arbeitsrechte missachtet. Die lustigen Stofftiere von Selyn werden nicht nur so manches Kinderherz erobern, sie stehen auch für mehr Fairness in der Produktion!
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