"Die Sonne ist wie ein Überraschungsangriff"

Kinder müssen besonders gut vor der Sonne geschützt werden.
  • Kinder müssen besonders gut vor der Sonne geschützt werden.
  • Foto: goodluz/panthermedia
  • hochgeladen von Nina Meißl

Auch wenn die Freude über die ersten Sommertage groß ist, sollte man dem Schatten den Vorzug geben, rät Johannes Neuhofer, Fachgruppenobmann der oö. Hautärzte und Vizepräsident der Ärztekammer OÖ. Die Zahl der Hautkrebserkrankungen steigt jedes Jahr. Sonnenbrille, Sonnencreme und Kopfbedeckung sollte man daher immer dabei haben – nicht nur als Cabriofahrer. „Die Sonne ist wie ein Überraschungsangriff. Im Frühjahr ist die Haut noch untrainiert, besonders mittags, da die Hautschicht noch nicht verdickt ist. Der Reparaturmechanismus funktioniert erst nach zwei bis drei Wochen“, sagt der Mediziner.

Häufige Sonneneinstrahlung vermeiden

Eltern sind auch für die Haut ihrer Kinder verantwortlich. In jungen Jahren wird der Grundstein für eine gesunde Haut gelegt. Kinderhaut sollte mindestens ebenso gut geschützt werden wie die Haut von hellhäutigen Personen sowie von jenen Menschen, die viel im Freien arbeiten. Auch wenn die genetische Veranlagung einen Teil dazu beiträgt, ist der Hauptfaktor für Hautkrebs nämlich die häufige und intensive Sonneneinstrahlung, vor allem in der Kindheit. "Wir werden immer älter und somit wird das Risiko immer größer, auch noch sehr spät an Hautkrebs zu erkranken. Aber mit der richtigen Vorsorge muss das nicht sein", so Neuhofer.

Basaliom und Melanom

Das Basaliom, die häufigste Form des weißen Hautkrebses, steigt mit zunehmendem Alter. Heimtückisch am Hautkrebs ist, dass er oft lange Zeit schmerz- und juckfrei bleibt und deshalb nur durch fachmännischen Blick zu erkennen ist. Der weiße Hautkrebs kann aussehen wie ein kleiner grau-weißer Knoten, der von Patienten oft als "Pickel" unterschätzt wird. Beim Basalzellkrebs gibt es keine Vorstufe. Bereits die erste kleine Veränderung ist eine Krebsgeschwulst, die entfernt werden sollte. Im Vergleich zum weißen Hautkrebs ist der schwarze Hautkrebs (Melanom) bösartiger, da er häufig sehr früh Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen bildet. Außerdem treten diese Melanome, die auf den ersten Blick harmlosen Pigmentmalen ähneln, oft auch an normalerweise bekleideten Körperstellen auf.

Wichtig: Früherkennung

Werden Melanome rechtzeitig erkannt, sind die Heilungschancen sehr gut. Meist können die Melanome dann sogar ambulant entfernt werden. „Die Früherkennung von Hautkrebs ist nach wie vor das non plus ultra, deshalb weisen wir Hautärzte jedes Jahr wieder auf ausreichenden Sonnenschutz und das Beobachten von Veränderungen von Muttermalen hin“, sagt Neuhofer. Die Dermatologen empfehlen, die Haut (und die des Partners) regelmäßig selbst zu begutachten und bei Unklarheiten den Dermatologen zu Rate zu ziehen.

Die Ärztekammer hat dazu auch ein paar Tipps zusammengestellt:

• Die direkte Sonneneinstrahlung rund um Mittag vermeiden. Zwischen 11 und 15 Uhr ist die UV-Belastung am höchsten, hier sollte man die Sonne weitgehend meiden.
• Sonnenschutz mindestens eine halbe Stunde vor dem Aufenthalt in der Sonne auftragen – je nach Kontakt mit Wasser oder Schweiß nachcremen nicht vergessen! Besonders Sportler, die viel draußen unterwegs sind und schwitzen, sollten gut geschützt sein.
• Pflegestift mit UV-Schutz für die Lippen verwenden.
• Augen mit einer Sonnenbrille mit hundertprozentigem UV-Schutz schützen.
• Auch Kleidung hilft: Ein weißes T-Shirt schützt aber nicht besser als ein schwarzes.
Weiß reflektiert zwar besser, aber lässt mehr UV durch als Schwarz, denn bei schwarzer Kleidung wird UV absorbiert und in Wärme umgewandelt. Also auch unter der Kleidung eincremen!
• Kinder bis zum ersten Lebensjahr sollten sich gar nicht in der prallen Sonne aufhalten.
• Bis zur Pubertät ist die Haut empfindlicher als bei Erwachsenen, also noch gründlicher auf einen perfekten Sonnenschutz achten.
• Cremen und Lotionen ab einem Lichtschutzfaktor von 15 sind unerlässlich, Öle und Gele hingegen trocknen die Haut schnell aus.
• Hautregionen, die verstärkt der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, besonders gut schützen: Kopf, Schultern, Handrücken, Stirn, Ohren, Nase und Unterlippen, die sogenannten Sonnenterrassen des Körpers.
• Auch bei bewölktem Himmel und im Wasser nicht aufs Eincremen vergessen. Die Durchdringung der UVA-Strahlen liegt unter Wasser bei 80 % (50 % UVB), bei einem bedeckten Himmel bei 75 % (75 % bei UVB), im Schatten bei 50 % (50 % bei UVB) und mit einem nassen T-Shirt bei 36 % (19 % bei UVB).

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