Linza G'schichten
Der Nachtwächter von Linz

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LINZ. Mit einer Idee aus England konnte ein geschichtsinteressierter Linzer sein Hobby zum Beruf machen.

Wolfgang Liegl ist ein bekanntes Gesicht in den Linzer Straßen. Wobei den Menschen vor allem seine Aufmachung in Erinnerung bleibt, wenn sie ihn treffen. Liegl führt, als historischer Nachtwächter verkleidet, mehrmals in der Woche Interessierte durch das alte Linz, sein Linz. Der gebürtige Kleinmünchner sieht die Stadt mit anderen Augen, als viele, die zur Arbeit oder von Geschäft zu Geschäft hetzen. Besonders die Altstadt auf beiden Seiten des Hauptplatzes hat es ihm angetan. "Wunderschön und kompakt ist sie", schwärmt Liegl. Viele würden gar nicht wissen, was für eine schöne Altstadt wir haben. Begeistert ist er aber auch von der Landstraße. Er empfiehlt den Leuten, auch beim Spazierengehen über die zweitgrößte Einkaufsstraße Österreichs die Augen nach oben zu richten und die Architektur in sich aufzunehmen. So kommen zu seinen Führungen gar nicht so sehr klassische Touristen, sondern vor allem Linzer und Leute aus der Umgebung. Viele Firmen zählt Liegl zu seinen Stammkunden.

Idee stammt aus England

Die Idee zu den Nachtwächter-Führungen hat der Linzer vor zwölf Jahren aus England mitgebracht. Er sei ein regelrechter England-Freak, erzählt Liegl. Vor drei Jahren hat er sogar auf der Insel geheiratet. Mit seinen Stadtführungen nimmt er die Menschen anhand von Gebäuden und Anekdoten tief in die Vergangenheit mit – vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit. Damals waren Nachtwächter echte Autoritätspersonen. Sie haben dafür gesorgt, dass die Häuser verschlossen waren, die Sperrstunde eingehalten wurde und vor leichtsinnigem Umgang mit offenem Feuer gewarnt. Ab Mitternacht hat ohnehin jeder zu Hause sein müssen, erzählt Liegl. Wenn es sein musste, konnte der Nachtwächter sogar Bürger aus der Stadt verweisen. Dass sie auch lautstark die Zeit angesagt haben, stimme allerdings nicht. Denn das bekannte "Liebe Leute, lasst euch sagen, es hat gerade fünf Uhr geschlagen", diente den Bürgern zur Kontrolle des Nachtwächters. So konnten sie sicher sein, dass er auch verlässlich seine Runden dreht.

Juchzer zur Hochzeitsnacht

Eine Geschichte, die Liegl gerne erzählt, handelt vom Juch­zen. Hat früher jemand geheiratet, wurde der Nachtwächter zur Hochzeitsgesellschaft eingeladen. Seine Aufgabe war es, das Brautpaar anschließend heimzubegleiten und vor dem Haus Posten zu beziehen. Bei jedem Geräusch aus dem Hochzeitsgemach hat er einen Juchzer ausgestoßen. Nach 1848 wurden die Nachtwächter in Linz Gewölbewächter genannt. Bis etwa 1908 hat es sie gegeben. Zum Schluss haben die Aufgaben Soldaten aus der ehemaligen Wasserkaserne übernommen, erzählt Liegl. Er weiß das, weil ihn Geschichte immer interessiert hat, besonders die ab dem Mittelalter. "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht." In der Vergangenheit leben möchte er dennoch nicht. "Die gute alte Zeit hat es nie gegeben", sagt er dazu. Mittlerweile hat Liegl mehrere Themenführungen im Angebot. Im Jänner kommt eine in Kleinmünchen dazu, ab April geht es nach Ebelsberg. Dann wird auch im Linzer Süden der Ruf des stadtbekannten Nachwächters erklingen.


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