Blackout
Wenn in Linz die Lichter ausgehen

Wie der Wiederaufbau nach einem Stromausfall gelingt, trainieren die Experten der Linz AG regelmäßig in Deutschland mit einem speziellen Simulator.
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  • Wie der Wiederaufbau nach einem Stromausfall gelingt, trainieren die Experten der Linz AG regelmäßig in Deutschland mit einem speziellen Simulator.
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Trifft Europa ein großflächiger Stromausfall, muss sich wohl auch Linz auf 24 harte Stunden einstellen. Der Wiederaufbau könnte jedoch in Linz rascher klappen, als im Rest des Landes.

LINZ. Kein Strom, keine Heizung und nach drei Tagen auch kein Trinkwasser mehr. Bankomaten und Supermarktkassen außer Betrieb und auch Straßenbahn oder Verkehrsampeln fallen aus. So könnte es in den ersten Stunden nach einem Blackout in Linz aussehen. Von einem solchen Störfall spricht man, wenn der Strom über Stunden oder gar Tage großflächig ausfällt. Zuletzt war das in Österreich vor mehr als 40 Jahren der Fall. Nach einem Waldbrand kam es 1976 zu einem "Dominoeffekt", der Teile der Schweiz, Österreichs und Deutschlands stundenlang lahmlegte.

Schwankende Stromproduktion stört Gleichgewicht

Genau dieser "Dominoeffekt" bereitet Experten gegenwärtig Sorgen. Photovoltaik oder Windkraft werden nur unregelmäßig in das Stromnetz eingespeist. Die schwankende Stromproduktion und lange Transportwege stören das sensible Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung und Verbrauch. Auch Wetterextreme oder Cyberangriffe können einen Kollaps verursachen. Exakt vor einem Jahr entging Europa aufgrund eines Kurzschlusses in einem kroatischen Kraftwerk nur knapp der Katastrophe. "Die eingebauten Sicherheitsmechanismen haben damals gut funktioniert", sagt Linz Strom-Geschäftsführer Johannes Zimmerberger.

Linzer Kraftwerk könnte selbstständig wieder hochfahren

In der Netzleitzentrale des Linzer Stromversorgungs-Unternehmens kündigt sich ein Blackout mit zahlreichen Alarmmeldungen an. Die Bestätigung, dass ein Problem mit der Stromversorgung vorliegt, kommt dann vom Übertragungsnetzbetreiber, der Austrian Power Grid (APG), erklärt Zimmerberger. "Nach einem Netzwiederaufbauplan wird das Stromnetz dann Schritt für Schritt wieder aufgebaut", so Zimmerberger. Da Linz über ein Kraftwerk verfügt, das auch nach einem Blackout wieder hochfahren kann, sei es vorstellbar, dass der Wiederaufbau im Linzer Netz noch vor dem Übertragungsnetz gelingt.

Heizungsausfall kein großes Problem

Die Experten der Linz Netz trainieren den Wiederaufbau regelmäßig an einem speziellen Simulator in Deutschland. Im Übungsfall gelingt das Wiederhochfahren innerhalb weniger Stunden. "In der Praxis kommt dann vielleicht das Adrenalin dazu, aber nach einem Tag oder spätestens 48 Stunden sollte Linz wieder am Netz sein", so Zimmerberger. Somit sollte auch der Ausfall der Zentralheizung bei einem Blackout im Winter kein allzu großes Problem darstellen. "Untersuchungen der Kollegen von der Fernwärme zeigen, dass selbst bei Minus 15 Grad Außentemperatur die Raumtemperatur innerhalb eines Tages nicht problematisch stark abfällt", so Zimmerberger.

Genügend Vorräte bunkern

"Wie lange reichen meine Vorräte im Ernstfall?" – diese Frage haben sich dank Corona und Lockdown sicher viele Linzer in den letzten beiden Jahren gestellt. „Meine Frau und ich haben uns mit genügend Wasser, Konserven und weiteren Lebensmitteln eingedeckt, die wir einmal im Jahr auf ihre Haltbarkeit überprüfen“, gibt Sicherheitsstadtrat Michael Raml Einblicke in seine persönliche Vorbereitung. "Am besten denkt man bei der Vorbereitung an einen Campingurlaub und die dafür nötigen Dinge", rät Raml zur Vorsorge.

"Wanne anfüllen genau das Verkehrte"

Seine Badewanne mit Wasser anzufüllen, sei im Falle eines Blackouts jedoch nicht ratsam. "Das wäre genau das Verkehrte und würde das Trinkwassersystem in der Stadt nur unnötig belasten", so Reinhold Plöchl, Bereichsleiter der Linz AG Wasser. Im Falle eines Stromausfalls könne die Linz AG das Stadtgebiet für mindestens 72 Stunden weiterhin mit Trinkwasser versorgen. Danach komme es darauf an, wie gut die Belieferung mit Treibstoff zur Nachtankung der Notstrom-Aggregate, die die Wasserpumpen am Laufen halten, funktioniere.

Handynetz fiele wohl länger aus

Im Falle eines europaweiten Blackouts geht das Bundesheer davon aus, dass die Stromversorgung in Österreich binnen eines Tages wieder intakt ist. Bis Handy, Festnetz und Internet wieder funktionieren, können mehrere Tage vergehen. Der öffentliche Rundfunk ist für einen mehrtägigen Notsendebetrieb ausgestattet. Nutzen Sie ein stromunabhängiges Notfallradio, um sich zu informieren. Der Zivilschutzverband rät unter anderem zu folgenden Vorsorgemaßnahmen:

  • Schaffen Sie einen haltbaren Essens- und Getränkevorrat, der für zehn Tage reicht.
  • Legen Sie sich eine Ersatzkochgelegenheit, etwa Camping- oder Fonduekocher zu.
  • Kurbelbetriebe Ersatzbeleuchtung verringert die Brandgefahr durch Kerzen.
  • Denken Sie an eine alternative Heizung, die mit Petroleum, Flaschengas oder Holz betrieben wird.
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