Wohnprojekt in Wien
Erste WG für queere Senioren in Mariahilf eröffnet
- Die WG bietet Platz für sechs Personen.
- Foto: Valentina Marinelic/MeinBezirk
- hochgeladen von Pia Rotter
In Mariahilf wurde am Montag, 17. November, die erste Wohngemeinschaft für queere Seniorinnen und Senioren eröffnet – und zwar im neuen Gemeindebau, der nach Ex-SPÖ-Politiker Rudolf Hundstorfer benannt wurde. Die WG bietet Platz für sechs Personen.
WIEN/MARIAHILF. Trotz des strömenden Regens herrschte Montagmittag in der Stumpergasse 56 beste Stimmung. Denn hier eröffnet die erste Wohngemeinschaft (WG) für queere Seniorinnen und Senioren in Wien. Queer bedeutet, dass Menschen nicht der traditionellen Norm von Geschlecht oder sexueller Orientierung entsprechen – also etwa lesbisch, schwul, bisexuell, trans oder nicht-binär sein können.
Untergebracht ist das Projekt im neuen Gemeindebau, der nach demverstoebenen SPÖ-Politiker Rudolf Hundstorfer benannt wurde - mehr dazu liest du unten. Entwickelt wurde die WG von der Volkshilfe Wien gemeinsam mit dem Bezirk Mariahilf.
Die Wohngemeinschaft richtet sich an Personen ab etwa 60 Jahren. Sie umfasst sechs Einzelzimmer, dazu einen gemeinschaftlichen Wohnbereich, drei Bäder und drei WCs auf insgesamt rund 170 Quadratmetern. Ein besonderes Highlight ist eine 40-Quadratmeter-Terrasse, die den Bewohnerinnen und Bewohnern viel Platz im Freien bietet. Die Wohnung ist zudem barrierefrei gestaltet.
"Regenbogenherz der Stadt"
Die Miete wird pro Zimmer zwischen 750 und 780 Euro pro Monat liegen, inklusive Betriebskosten, Heizung und der Reinigung der Gemeinschaftsflächen. Eine Wohnbetreuerin kommt zweimal pro Woche vorbei. Bei Bedarf vermittelt sie weiterführende Hilfe, etwa mobile Pflege.
„Wir freuen uns sehr, dass dieses Projekt in Mariahilf entsteht – und noch dazu in einem Gemeindebau“, sagte Tanja Wehsely, Geschäftsführerin der Volkshilfe Wien. Mariahilf sei einer der vielfältigsten Bezirke, betonte sie: „Vielfalt gibt es, und wir wollen, dass sie gesehen und akzeptiert wird. Die queere Senioren-WG soll ein Standard werden.“
Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Julia Lessacher (SPÖ) meint: „Neue Gemeindebauten sind selten, weil uns die Flächen fehlen. Deshalb wollten wir unbedingt ein generationenübergreifendes Projekt. Mariahilf ist das Regenbogenherz der Stadt.“ Sie freue sich bereits auf die ersten Einzüge.
"Erfüllung eines langgehegten Wunsches"
Besonders bewegt zeigte sich Günter Tolar, der Ideengeber der WG. Der Moderator und Schauspieler sprach offen über seine queere Geschichte: „Ich komme noch aus einer Zeit, in der ich verboten war.“ Damit meint er jene Jahre, in denen homosexuelle Beziehungen in Österreich strafbar waren.
- Ein besonderes Highlight ist eine 40-Quadratmeter-Terrasse.
- Foto: Valentina Marinelic/MeinBezirk
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Schon in den 1990ern wollte er gemeinsam mit der Initiative „Soho“, eine Interessenvertretung und Anlaufstelle für LGBTIQ-Personen, eine queere Senioren-WG gründen. Doch es fehlte an finanzieller Unterstützung. Dass der Traum nun wahr wird, bezeichnet er als „Erfüllung eines langgehegten Wunsches“.
Die Räume sind eingerichtet, die Terrasse steht bereit – doch noch lebt niemand in der WG. Die Volkshilfe hofft, dass sich bald mehr Seniorinnen und Senioren melden, die in einer offenen und unterstützenden Gemeinschaft leben wollen. Wer unsicher ist, kann sogar einen Probemonat machen. Bei Interesse kann man sich bei Silvia Zechmeister per Mail an zuhause@volkshilfe-wien.at oder 0676/87 84 45 01 melden.
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