26.09.2016, 09:47 Uhr

Instrumentenbau: Wiener Bässe aus Mariahilf

Fabian Traunsteiner (links) und Alex Kanzian (rechts) in Ihrem Ausstellungsraum. (Foto: Spitzauer)

In der Hirschengasse im 6. Bezirk befindet sich der einzige Meisterbetrieb für Kontrabassbau in Wien.

MARIAHILF. Sie haben einen der wenigen Berufe, die heute noch nach den gleichen Regeln ausgeführt werden wie im 18. Jahrhundert. Und sie stellen Dinge her, die darauf ausgelegt sind, Generation um Generation zu überleben. Alex Kanzian und Fabian Traunsteiner bauen Kontrabässe. Genauer: Wiener Kontrabässe.

Damit knüpfen sie an eine Tradition an, die zu Zeiten Maria Theresias ihren Anfang genommen hat. Im Gegensatz zu "gewöhnlichen" Bässen hat der Wiener Bass eine fünfte Saite – mit der man noch eine Quart tiefer kommt als sonst. Insbesondere für die Orchesterliteratur sei das relevant, sagt Kanzian. So zählen zu den Kunden von "Kanzian & Traunsteiner" Musiker der Philharmoniker, der Symphoniker, der Tonkünstler, aber auch Jazz-Bassisten und viele, viele mehr. Kein Wunder, sind sie einer der letzten Betriebe in Europa, die alles von Hand machen. Vom ersten Schnitt ins Holz bis zum letzten Pinselstrich.


Ein Jahr Wartezeit

In ihrer Werkstatt in der Hirschengasse 1 in Mariahilf bauen, reparieren und verkaufen sie Kontrabässe aller Art. Vom Schülerbass bis zum Meisterinstrument. Wer Interesse an einem selbst gebauten Bass aus dem Hause "Kanzian & Traunsteiner" hat, sollte sich beeilen – derzeit beträgt die Wartezeit für einen ihrer Bässe rund ein Jahr. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass in diesem Beruf "mit Hudeln gar nix geht", wie Kanzian sagt: 350 bis 400 Stunden Arbeit stecken in einem selbst gebauten Bass. Sondern sie haben einfach viel zu tun – in der Werkstatt steht Bass an Bass und sie alle warten darauf, eingestellt, repariert und gepflegt zu werden.

Sie sind beide um die 30, ihre Wege in den Beruf waren unterschiedlich: Fabian Traunsteiner kommt ursprünglich aus Salzburg und war dort vor allem im Gitarrenfach zu Hause. Das war auch sein Einstieg in den Instrumentenbau: Er wollte eine ordentliche Gitarre und keine Massenware. Also ging er auf die HTL in Hallstatt und lernte, Instrumente zu bauen. Dort kreuzte sich sein Weg auch mit dem von Alex Kanzian.

Dieser hatte seinen ersten Bass um 500 Euro auf eBay gekauft - ein schwerer Fehler. Die Reparaturarbeiten daran begeisterten ihn für den Beruf. Und so kam es, dass sie beide, nachdem sie die HTL abgeschlossen hatten, schnell merkten, dass sie gut zusammenarbeiten können. Ein nicht zu unterschätzender Faktor, wenn man einen so mutigen Schritt wagt, wie nach Wien zu gehen und eine eigene Meisterwerkstatt zu eröffnen. Das haben sie 2012 getan und diesen Schritt nie bereut.

Und genau genommen sind sie weit mehr als Instrumentenbauer: Sie sind Tischler, Chemiker, Physiker, aber auch Buchhalter und Psychotherapeuten. Denn: Ganz zentral sei auch die persönliche Beratung der Musiker – hat doch jeder von ihnen eine innige Beziehung zu seinem Instrument. So liest man auf ihrer Homepage auch nichts von Öffnungs-, sondern von "Ordinationszeiten". In Anbetracht dessen, wie stark ihre Dienste gefragt sind, muss aber ohnehin ein Termin vereinbart werden. Mehr Infos gibt es unter www.kontrabass-wien.at
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