06.10.2014, 20:48 Uhr

Rettet das Palais Strozzi!

Noch steht das Palais leer, aber das soll nicht mehr lange so bleiben.

Dem denkmalgeschützten Juwel in der Josefstadt droht die Privatisierung und damit ein ungewisses Schicksal.

Die Josefstädterstraße stellt so etwas wie einen Marktplatz dar und das dazugehörige Dorf ist der achte Bezirk. Das schönste Haus am Platze ist wohl das Palais Strozzi, das sich bei der Hausnummer 39 präsentiert. Seit 1940 war dort das Finanzamt stationiert. Im Zuge der Zentralisierung der Finanzämter wurde dieses jedoch in den dritten Bezirk übersiedelt. Den Abgang der Mitarbeiter des Amtes bekamen vor allem die Geschäftsleute auf der Josefstädterstraße zu spüren.

Eigentum der BIG

Seither steht das Palais leer, was aber nicht lange so bleiben soll. Als Eigentum der BIG (Bundesimmobiliengesellschaft) gehört die Liegenschaft eigentlich dem Bund, doch zum Behufe der (Teil-)Veräußerung könnte ebendieses Juwel der Josefstädterstraße über undurchsichtige Bieterverfahren privatisiert werden.
Diese Ängste sind nicht unbegründet, wie Alexander Spritzendorfer, Grüner BV-Stv., anmerkt: „Wir haben da im Bezirk ja auch einen Präzedenzfall, das ehemalige Kartografische Institut am Hamerlingpark. Das ist auch eine BIG Immobilie und dort machte die BIG Folgendes: Sie gründete eine Entwicklungsgesellschaft, an der sie selbst nur mehr 49% hielt und holte sich Partner für die anderen 51%. Die BIG brachte die Immobilie in diese Gesellschaft ein, die Partner das Know-How für Entwicklung, Sanierung, Umbau und Vermarktung. Wir haben dieses Modell immer eine "Privatisierung durch die Hintertür" genannt.“ Letztlich wurde aus dem ehemaligen Kartografischen Institut auch eine Luxuswohnanlage mit Conciergeservice.

Verwendungszweck im Sinne der Gesellschaft

Dabei gibt auch andere, attraktive Verwertungs- und Verwendungsmöglichkeiten, um das Palais Strozzi für die Allgemeinheit zugänglich und nutzbar zu machen, wie Spritzendorfer meint: „Wir haben im Bezirk einige Bildungseinrichtungen, etwa die BAKIP8, die Bundesbildungsanstalt für Kindergartenpädagogik samt angeschlossenen Übungskindergärten. Diese ist in der Josefstadt mit einer großen Schule in der Lange Gasse und einer zweiten Ausbildungseinrichtung in der Albertgasse vertreten. Oder auch das Musische Zentrum Wien in der Zeltgasse. Der Plan wäre, diese zusammenzulegen und im Palais Strozzi ein Bildungszentrum einzurichten. Das Attraktive daran ist, dass die frei werdenden Immobilien der BIG gehören. Diese könnten sie verkaufen oder entwickeln, wobei sich diese Immobilien auch viel besser für den Wohnbau eignen würden als das denkmalgeschützte Palais Strozzi “, erklärt Alexander Spritzendorfer nur eine Möglichkeit einer alternativen Nutzung.

Bildungszentrum

Zusätzlich soll das Musische Zentrum Wien das Angebot des neuen Bildungszentrums erweitern und die Volksschule Zeltgasse, die sich momentan noch ein Gebäude mit dem Musischen Zentrum teilt, würde dringend benötigten Platz bekommen. Nebenbei wären die etwa 700 SchülerInnen der BAKIP8 ein willkommener Ersatz für die Kaufkraft der abgesiedelten Finanzbeamten.
Und geht es nach dem Firmenprofil der BIG, will sie mit ihren Immobilien den öffentlichen Raum mit qualitativ hochwertigen Immobilien aktiv gestalten und auf diese Weise ihren Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft leisten. Für diesen Beitrag zur Gesellschaft wäre das Palais Strozzi als Bildungszentrum des achten Bezirkes bestens geeignet.
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