03.11.2011, 08:08 Uhr

.. und AMEN

.. und Amen.

Schwer ist das Los eines Priesters, auch oder vor allem wenn er sich im Regelfall in unmittelbarer Nachbarschaft eines Wirtshauses befindet und von der Ex – oder besser Konsistenz eines Schweinebraten abhängt.
Aber von Anfang an.

So hatte unser Dorfpfarrer mit uns Schäfchen ja ein relativ leichtes Spiel.
Brave Kirchengeher, einen eigenen Chor, Blasmusik und Trachtengruppen, Schulkinder mit Blumen beladen, volle Körbe beim Erntedank und eine Organistin im Nahbereich – also über die Strasse - so an die 50 Meter von der Kirchentür entfernt die Wirtshaustür.
War früher so.
Der Lehrer war Chorleiter und Bürgermeister und und ..
Die Wirtin war Organistin und Sängerin.
Der Mesner war Gemeindesekretär und Totengräber.
Also alle Ämter waren hervorragend besetzt.

Sonntags war also Schweinebratenzeit.

Die Wirtin war schon früh bei der Arbeit – viel Arbeit - Gäste waren zu Mittag angesagt.
Einheizen, Braten ins Rohr, Knödel rollen, Schnitzel panieren, nebstbei Beuschl schneiden und – wenn des Pfarrers „Hunde bellten“ - so sagte man im Volksmund für das „Zusammenläuten“ - schnell anziehen und rein in die Kirche und rauf zur Orgel.
Messen dauern so eine Stunde – für die Organistin mit Pausen – kleineren und einer größeren.

Die Wirtin wußte das und hatte sicher nicht nur die Noten während der Messe im Kopf.
Wann bot sich das beste Loch um schnell ins Wirtshaus zu laufen und den Braten zu kontrollieren und um nach dem Rechten zu sehen?
Richtig: bei der Predigt.
Also runter von der Orgel, schnell zurück ins Wirtshaus, in alle Ofenröhren und Häfen geschnuppert und zurück auf den Chor – leise die Chortüre auf – hinter den Orgeltisch und das Gebläse einschalten.
Genau dieses Geräusch, in Kombination mit der gehobenen Hand, war das Zeichen für den Pfarrer – ich bin wieder da – Predigt aus.

Das war schon fast ein Ritual. Predigt beginnt, Organistin zischt ab und kommt irgendwann wieder.
In dieser Zeit gehört natürlich gepredigt – was das Zeug hält.
Und unser Herr Pfarrer war schon so konditioniert, dass er Sätze nicht mit einem Punkt beendete, sondern mit einem, auf die Organistin wartenden „UND“ - und - mit einer Kunstpause den nächsten Satz begann.
Einmal jedoch hat er übersehen, dass die Organistin schon bereit war und hatte auf die Schnelle gerade kein Thema mehr auf Lager.
So endete die Predigt schlussendlich mit einem finalen
… „und“
– Denkpause
– „und AMEN“.
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